Das vergangene Jahr wurde vom Coronavirus dominiert. Die Pandemie hatte auch Einfluss auf die Kircheneintritte und Kirchenaustritte.
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Gemeindemitglieder feiern im Dom Sankt Mauritius und Katharina zu Magdeburg den Epiphanias-Gottesdienst. Das Coronavirus liess nur 100 Teilnehmer zu. - dpa
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Das Wichtigste in Kürze

  • 2019 traten in vielen Kantonen so viele Menschen aus der Kirche aus wie noch nie.
  • Der Trend, der Kirche den Rücken zu kehren, schien sich im 2020 etwas zu verlangsamen.

2019 kehrten viele Menschen der Kirche den Rücken. Eine Umfrage bei den Kirchgemeinden vor einem Jahr zeichnete ein düsteres Bild. Viele rechneten mit einem neuen Rekord bei den Austritten.

Wie sieht es für das Jahr 2020 aus? Das dominante Thema Coronavirus beeinflusste auch die Kirchen. Viele Gottesdienste mussten abgesagt werden, fanden online statt, oder nur mit sehr wenigen Teilnehmern. Religiöse Veranstaltungen galten als gefährliche Übertragungsorte für Superspreader.

Coronavirus - Südkorea
Im April veranstalteten Christen in Südkorea wegen des Coronavirus die Gottesdienste via Auto-Drive-in. - dpa

Doch wie sieht es zahlenmässig aus? Führte die Krise zu mehr oder weniger Austritten? Traten aufgrund des Coronavirus vielleicht wieder mehr Menschen in die Kirche ein, auf der Suche nach Unterstützung?

Auch wenn in vielen Kantonen und Kirchgemeinden noch nicht die definitiven Zahlen vorliegen: Der Mitgliederschwund der reformierten und katholischen Kirchgemeinden ging auch 2020 weiter.

«Rückgang der Austritte»

In der Stadt Luzern – ohne Littau und Reussbühl – traten vergangenes Jahr 760 Personen aus der katholischen Gemeinde aus. Dies sind gemäss Urban Schwegler rund zehn Prozent mehr als noch 2019.

Die definitiven Zahlen der römisch-katholischen Kirche im Kanton Basel-Stadt liegen noch nicht vor. Aber: «Trendmässig gab es einen leichten Rückgang der Austritte», so Matthias Schmitz, Informationsverantwortlicher des Kirchenrats. Ob dies am Coronavirus liegt, kann Schmitz aber nur vermuten. Als Hauptgrund sieht Schmitz vor allem die abnehmenden Negativberichterstattungen.

Stagnation bei Austritten in St. Gallen

Bei der reformierten Kirche im Kanton Basel-Stadt nahm die Zahl der Kirchenaustritte leicht ab, wie Matthias Zehnder auf Anfrage sagt. Eine signifikante Veränderung wegen der Corona-Krise kann er aber nicht ausmachen.

Rund 1700 haben die reformierte Kirche im Kanton St. Gallen verlassen. Das seien in absoluten Zahlen etwa gleich viele wie im Jahr zuvor, so Andreas Ackermann.

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Das Coronavirus beeinflusste auch die Ausübung der Religion – Gottesdienste lagen vielerorts nicht mehr drin. - sda - KEYSTONE/DPA/FABIAN STRAUCH

Einen Zusammenhang der Austritte mit dem Coronavirus sehen die befragten Kirchgemeinden nicht.

Aber: «Während des Lockdowns im Frühling sind deutlich weniger Personen ausgetreten. Einerseits hatten die Menschen andere Sorgen. Andererseits gehen die Austritte in ‹unsicheren Zeiten› generell eher zurück», so Ackermann.

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