Bundesrat

    Alt Bundesrätinnen fordern Bundesrat zum Handeln in Gaza auf

    Nicolas Eggen
    Nicolas Eggen

    Bern,

    In einem offenen Brief appellieren ehemalige Bundesrätinnen, bekannte Kulturschaffende und Vertreter der Zivilgesellschaft an die humanitäre Verantwortung.

    «Arena»
    Micheline Calmy-Rey kritisiert die Schweizer Doppelmoral im Nahostkonflikt. - srf, keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • 15 schweizerische Organisationen fordern in einem Brief den Bundesrat zum Handeln auf.
    • Zu den Unterzeichnenden gehören auch Alt-Bundesrätinnen Dreifuss und Calmy-Rey.

    Bundesrat Ignazio Cassis (64, FDP) und sein Aussendepartement (EDA) haben sich bisher eher vorsichtig durch den Nahost-Konflikt navigiert. Cassis hatte letzte Woche vor einer Hungersnot im Gazastreifen gewarnt.

    Trotzdem wächst die Kritik an der zögerlichen Position des Bundesrats: 15 schweizerische Organisationen appellieren in einem offenen Brief an das humanitäre Gewissen der Schweiz.

    Unterstützung von politischen und kulturellen Schwergewichten

    Dieser Appell wird von politischen und kulturellen Schwergewichten unterstützt: darunter alt SP-Bundesrätinnen Micheline Calmy-Rey (79) und Ruth Dreifuss (85). Aber auch Kulturschaffende wie Moderatorin Gülsha Adilji (39) oder Satiriker Renato Kaiser (39), sowie etwa 100 weitere Unterzeichner.

    Dreifuss
    Ruth Dreifuss wurde 1993 in den Bundesrat aufgenommen. - keystone

    Die Schweiz ist Depositarstaat der Genfer Konventionen und sollte daher die Durchsetzung ihrer Normen weltweit fördern. Dies gilt auch für Gaza, so die Initiatoren des Briefes.

    «Wenn in Gaza Völkerrecht und grundlegende Menschlichkeit systematisch verletzt werden, darf der Bundesrat nicht schweigen, sonst macht er sich mitverantwortlich.» So wird die ehemalige Bundesrätin Calmy-Rey zitiert.

    Der breit unterstützte Appell enthält einen 10-Punkte-Plan für die Landesregierung: Die Schweiz soll sich aktiv für einen sofortigen Waffenstillstand einsetzen und den Schutz der Zivilbevölkerung gewährleisten.

    Auch soll sie humanitäre Hilfe sicherstellen und die finanzielle Unterstützung für das Uno-Hilfswerk UNRWA wieder aufnehmen.

    Forderungen an den Bundesrat

    Weitere Forderungen sind unter anderem ein Einsatz für die bedingungslose Freilassung aller zivilen Geiseln und unrechtmässig inhaftierten palästinensischen Gefangenen.

    Der Bundesrat soll auch eine offizielle Stellungnahme zur Möglichkeit eines Völkermords in Gaza abgeben. Und auch völkerrechtswidrige Aussagen israelischer Regierungsmitglieder verurteilen.

    Gaza Israel
    Nach UN-Angaben werden die meisten Lastwagen nach der Einfahrt in den Gazastreifen geplündert, bevor sie ihren Zielort erreichen. (Archivbild) - keystone

    Darüber hinaus sollte die Schweiz den Export von Kriegsmaterial und Überwachungsgütern nach Israel sofort stoppen. Und weiter soll sie ihre Nahostpolitik, die eine Zwei-Staaten-Lösung vorsieht, «hinsichtlich ihrer menschenrechtlichen und völkerrechtlichen Kohärenz» überprüfen.

    Glaubst du, dass der Nahostkonflikt gelöst werden kann?

    Federführend bei diesem Appell sind die folgenden Organisationen: Die Menschenrechtsorganisationen Swiss Humanity Initiative, Amnesty International, Vereinigung Jüdische Stimme für Demokratie und Gerechtigkeit in Israel/Palästina sowie Palestine Solidarity Switzerland. Sie betonen, dass ihre Forderungen «unabhängig von der Täterseite» gelten.

    Neue Verteilung von Hilfsgütern

    Seit einigen Tagen läuft eine neu angelaufene Verteilung von Hilfsgütern im Gazastreifen. Durchgeführt wird es von der Gaza Humanitarian Foundation (GHF).

    Zahlreiche Palästinenser hatten nach israelischen Medienberichten am Dienstag ein neues Zentrum zur Verteilung von Lebensmitteln im Gazastreifen gestürmt.

    Gazastreifen
    Jedes Kind im Gazastreifen unter einem Jahr soll zwei Boxen Winterkleidung bekommen. (Archivbild) - keystone

    Palästinensische Rettungskräfte berichteten, in der Nähe des Zentrums in Rafah seien drei Menschen durch Schüsse der israelischen Armee getötet worden. Zudem seien Dutzende weitere verletzt worden.

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    Micheline Calmy-Rey kritisiert die Schweizer Doppelmoral im Nahostkonflikt. - srf, keystone

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    Kommentare

    User #4080 (nicht angemeldet)

    Die Kommentare hier sind erschreckend. Da setzen endlich mal einflussreiche Stimmen etwas gegen diesen Völkermord in Bewegung, und alle bashen sie. Unfassbar!

    User #1396 (nicht angemeldet)

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