Neue Beziehungen lassen laut Zürcher Studie Hirne anders ticken
Eine neue Studie zeigt, dass sich die Gehirne von Jung und Alt bei gemeinsamen Aktivitäten anders synchronisieren als die von Gleichaltrigen.

Das Wichtigste in Kürze
- Gleichaltrige Menschen passen ihre Hirnaktivität mit der Zeit stärker aneinander an.
- Das zeigen Ergebnisse einer neuen Zürcher Studie.
- Soziale Nähe und Einsamkeit beeinflussen zudem die Aktivität im Gehirn.
Was geschieht im Gehirn, wenn Menschen eine Beziehung zueinander aufbauen?
Das wollte die Kognitionswissenschaftlerin Ryssa Moffat von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH Zürich) in einer Studie herausfinden. Diese wurde in der Nacht auf Freitag im Fachjournal «Plos Biology» veröffentlicht.
«Einsamkeit wird weltweit als ein schwerwiegendes und wachsendes Gesundheitsrisiko anerkannt», schreiben die Forscherinnen und Forscher in der Studie. Dies wecke das Interesse an generationenübergreifenden Programmen, um soziale Bindungen zu fördern.
«Bisherige Erkenntnisse über die Vorteile solcher Programme stützten sich auf Verhaltens- und qualitative Studien. Während die physiologischen Auswirkungen bei wiederholten Begegnungen zwischen den Generationen bislang unbekannt waren», heisst es weiter.
Ergebnisse zeigten unerwarteten Altersunterschied
Für die Studie rekrutierten die Forschenden daher 61 Zweierteams, die sich über sechs Wochen hinweg sechsmal zum gemeinsamen Zeichnen trafen.
Die Paare bestanden entweder aus Personen ähnlichen Alters. Oder sie bestanden aus je einer Person aus den Altersgruppen 18 bis 35 Jahre und 70 bis 85 Jahre.
Die Ergebnisse zeigten einen unerwarteten Altersunterschied. «Bei den generationenübergreifenden Paaren war die Hirnsynchronität zu Beginn höher – und sie nahm von Woche zu Woche ab.
Bei den gleichaltrigen Paaren verhielt es sich umgekehrt: Ihre Hirnaktivität glich sich mit der Zeit zunehmend an.
Die Forschenden erklären diesen Unterschied mit dem Modell der «wechselseitigen Vorhersage». Demnach lernen zwei Menschen das Verhalten ihres Gegenübers besser vorherzusehen.
Gleichaltrige Teilnehmende, oft Studierende mit ähnlichem Alltag, fanden schnell eine gemeinsame Basis. Jüngere und ältere Menschen mussten sich hingegen stärker bemühen, einander zu verstehen, was die hohe anfängliche Hirnsynchronität erklären könnte.
Letztlich zeigt die Studie, dass sich Gefühle wie soziale Nähe und Einsamkeit direkt im neuronalen Takt der Beteiligten widerspiegeln.
Was laut den Forschenden unterstreicht, wie vielschichtig die Prozesse in unserem Gehirn beim Knüpfen neuer Kontakte wirklich sind.

















