Studie

Astrozyten erneuern geschädigtes Hirngewebe

Melsada Zec-Zejnic
Melsada Zec-Zejnic

Zürich,

Astrozyten können geschädigte Hirnregionen offenbar neu besiedeln. Zürcher Forschende beobachteten bei Mäusen wandernde Zellkerne nach Verletzungen.

astrozyten
Forschende der Universität Zürich beobachteten erstmals, wie das Gehirn verlorene Astrozyten gezielt ersetzt. (Archivbild) - keystone

Das erwachsene Gehirn kann verlorene Astrozyten offenbar gezielter ersetzen als bislang angenommen. Forschende der Universität Zürich beobachteten diesen Reparaturvorgang in lebenden Mäusen.

Astrozyten sind sternförmige Stütz- und Versorgungszellen des Gehirns und für das Funktionieren der Nervenzellen unerlässlich, erklärt die «Universität Zürich». Sie versorgen Nervenzellen mit Nährstoffen, helfen bei der Steuerung des Blutflusses und tragen zur Gesundheit des Hirngewebes bei.

Bei Hirnverletzungen oder bestimmten Autoimmunerkrankungen können Astrozyten zerstört werden. Lange ging die Forschung davon aus, dass das erwachsene Gehirn verlorene Astrozyten nicht vollständig ersetzen kann, berichtet «IT Boltwise».

Astrozyten erneuern geschädigtes Gewebe

Die Forschenden untersuchten lokal begrenzte Astrozytenverluste im Gehirn lebender Mäuse, berichtet die «Universität Zürich». Über mehrere Wochen beobachteten sie die Mäusehirne mithilfe der Zwei-Photonen-Mikroskopie in Echtzeit.

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Astrozyten versorgen Nervenzellen und sind für die Funktion des Gehirns unverzichtbar. (Symbolbild) - iStock

Am Rand der geschädigten Region entdeckten sie eine spezialisierte Gruppe regenerativer Astrozyten, die sich zu teilen begann. Die Zellen bildeten lange Fortsätze, entlang derer neu entstandene Zellkerne in Richtung des geschädigten Gewebes wanderten.

Dabei wanderten nicht die ganzen Zellen in die verletzte Region, sondern die neu gebildeten Zellkerne durch ihre langen Fortsätze. «Die neu gebildeten Zellkerne der Tochterzellen gleiten über weite Strecken», erklärt Studienleiter Bruno Weber laut «Universität Zürich».

Hirngewebe wird neu besiedelt

Die regenerativen Astrozyten befinden sich laut der Studie am Rand der geschädigten Region und bilden lange Zellfortsätze. Entlang dieser Fortsätze wandern neu gebildete Zellkerne in Richtung des verletzten Gewebes.

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Die Abbildung zeigt, wie regenerative Astrozyten (rot) geschädigtes Hirngewebe reparieren. Neu gebildete Zellkerne (blau) wandern entlang ihrer Fortsätze in die Läsion. - Institut für Pharmakologie und Toxikologie, UZH

Auf diese Weise wird die geschädigte Hirnregion wieder mit Astrozyten besiedelt. Gleichzeitig wird das zuvor beschädigte Astrozyten-Netzwerk neu verknüpft.

Der Studie zufolge nutzten die Forschenden als Modell einen durch Aquaporin-4-Antikörper ausgelösten Verlust von Astrozyten. Das Verfahren bildet eine Astrozytenschädigung nach, die für die Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankung relevant ist.

Gehirn repariert sich schneller als gedacht

Die Analysen zeigten zudem ein vorübergehendes Genexpressionsprogramm, das durch die Verletzung aktiviert wurde. Mit der Wiederbesiedelung der geschädigten Region normalisierte sich die Genaktivität der Astrozyten wieder, zeigt die Studie in «Nature Neuroscience».

Glaubst du, dass solche Forschung künftig neue Therapien ermöglichen kann?

Bei der Reparatur reagierte ein überraschend grosser Anteil der Astrozyten am Rand der geschädigten Region. Rund 50 bis 60 Prozent der reifen kortikalen Astrozyten begannen sich dort zu teilen, schreibt die «Pharmazeutische Zeitung».

Innerhalb weniger Wochen wurde der zuvor astrozytenfreie Bereich dadurch vollständig und rasch wiederbesiedelt. Die Forschenden sehen in beteiligten Genen und Signalwegen mögliche Ansatzpunkte, um solche Regenerationsprozesse künftig therapeutisch zu beeinflussen.

Studie eröffnet neue Forschungswege

Die Studie «Focal astrocyte loss reveals nuclear translocation during lesion repopulation» erschien am 23. Juli in «Nature Neuroscience». Die Experimente wurden hauptsächlich an Mäusen durchgeführt, wobei die Forschenden vergleichbare Zellmerkmale auch in Gewebeproben von NMOSD-Patienten fanden.

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Die Ergebnisse stammen überwiegend aus Experimenten an Mäusen und müssen für den Menschen weiter untersucht werden. (Symbolbild) - keystone

Ob und welche funktionelle Bedeutung dieser Reparaturmechanismus bei menschlichen Erkrankungen besitzt, muss noch untersucht werden. Die Ergebnisse liefern jedoch neue Ansatzpunkte, um regenerative Prozesse nach Astrozytenverlust künftig gezielt zu erforschen.

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Kommentare

User #6445 (nicht angemeldet)

Funktioniert das aber immer , oder wird es jetzt noch schlimmer?

User #3926 (nicht angemeldet)

Aber nur wo vorhanden und das ist abnehmend!

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