Studie soll Zukunft von Brienz GR malen
Das einst von einem Bergsturz bedrohte Bündner Bergdorf Brienz steht vor einer ungewissen Zukunft. Die Behörden würden eine Umsiedlung grösstenteils finanzieren – unter der Bedingung, dass diejenigen, die gehen, ihre Häuser im Dorf abreissen. Nun soll sich eine Studie der künftigen Dorfgestaltung annehmen.

42 Umsiedlungsgesuche sind bei der Gemeinde eingegangen. Zwei Gebäude sind wegen der Rutschung bereits so zerstört, dass sie bald abgerissen werden, und bei weiteren 13 Gebäuden seien die Pläne hierzu bereits unterzeichnet, erklärten die Behörden am Donnerstagabend vor der betroffenen Bevölkerung in Tiefencastel GR.
An der 27. und vermutlich letzten Informationsveranstaltung für die Brienzerinnen und Brienzer wollten die Behördenvertreter Perspektiven eröffnen, wie der scheidende Gemeindepräsident Daniel Albertin (Mitte) sagte. Er blieb wegen der Widrigkeiten um Brienz gar zwei Jahre länger im Amt als gewollt – per 2027 übernimmt nun aber die Berner Juristin Manuela Gebert. Als letzte Amtshandlung wird er die Studie in Zusammenarbeit mit der ETH in Auftrag geben, die sich der künftigen Dorfgestaltung annimmt.
Bereits zuvor hatte er angekündigt, dass «die Gemeinde für alle, die im Dorf bleiben, ein lebenswertes Dorf erhalten will.» Alle Betroffenen seien nun eingeladen, das künftige Dorfbild mitzugestalten. Einige von ihnen kündigten an, hierfür einen Verein gründen zu wollen.
Am Informationsabend gingen bereits erste Ideen ein. Ein Zweitheimischer wünschte sich beispielsweise eine «Beiz» – ein anderer fragte, was mit den Dorfbrunnen geschehe. «Die bleiben», versicherten die Behörden.
Die abwanderungswilligen Bewohnerinnen und Bewohner sollen mit 82,5 Millionen Franken unterstützt werden – diesen Kredit hatte die Gemeindeversammlung im Juli genehmigt. Der Löwenanteil der Summe geht auf Kosten des Kantons und des Bundes.
Jetzt muss die Kantonsregierung das Projekt genehmigen. Danach können alle, die wollen, innerhalb von fünf Jahren umziehen. Jede einzelne Umsiedlung muss aber noch einmal vom Kanton genehmigt werden. Gibt es grünes Licht, werden die betroffenen Häuser zurückgebaut, der Boden geht an die Gemeinde, und die Betroffenen erhalten dann das Geld.
Die Situation im Dorf hatte sich aufgrund eines Entwässerungsstollens und von Drainage-Bohrungen in den vergangenen Monaten deutlich stabilisiert.
Seit fast sechs Monaten leben wieder Menschen im Bergdorf, nachdem sie dieses zuvor mehrmals für mehrere Monate verlassen mussten. Die Kosten für die Umsiedlung könnten deshalb auch tiefer ausfallen, weil sich einige Bewohnerinnen und Bewohner doch zu einem Verbleib im Bergdorf entscheiden. Künftige Evakuierungen können aber weiterhin nicht zu 100 Prozent ausgeschlossen werden.










