Der frisch gekürte Chemie-Nobelpreisträger David MacMillan dachte bei dem Anruf aus Schweden zunächst an einen Telefonscherz.
Die Bekanntgabe des Chemie-Nobelpreises
Die Bekanntgabe des Chemie-Nobelpreises - AFP

Er habe einfach nicht glauben können, dass da wirklich die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften aus Stockholm anrufe und sei deswegen auch zunächst nicht ans Telefon gegangen, sagte MacMillan bei einer Pressekonferenz an der Princeton-Universität am Mittwoch. Die Akademie hinterliess ihm daraufhin eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter, hatte ihn aber noch nicht erreicht, als sie die Auszeichnungen verkündete.

Nachdem er die Nachricht dann doch bekommen habe, fühle er sich «benommen, verwirrt, unglaublich aufgeregt, surreal und immer noch dabei, meine Füsse wiederzufinden», sagte der 1968 im schottischen Bellshill geborene Forscher, der inzwischen neben der britischen auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt.

«Es gibt mir auch die Möglichkeit, einmal all den Menschen zu danken, die mich hierhin gebracht haben, insofern macht es mich auch sentimental.»

Insbesondere bedankte sich MacMillan bei seiner Familie, «der besten Familie der Welt», seinen Kollegen, mit denen er «über Wissenschaft, Fussball und gute Flaschen Wein» diskutieren könne - und seinem älteren Bruder, der massgeblich für seinen Einstieg in die Wissenschaft verantwortlich gewesen sei. «Mein Vater war Stahlarbeiter, meine Mutter Haushaltshilfe. Mein Bruder wollte aufs College gehen, aber wir kannten niemanden, der jemals auf einem College gewesen war.»

Sein Bruder sei dann trotzdem an ein College gegangen und habe auch den Abschluss geschafft. «Und am ersten Tag in seinem ersten Job hat er mehr verdient, als mein Vater jemals als Stahlarbeiter. Das war der Tag, an dem mein Vater mir gesagt hat, dass ich auch aufs College gehen muss. Mein Bruder war derjenige, der den Sprung gemacht hat, ich war nur derjenige, dem gesagt wurde, was er machen soll.»

Angesprochen auf die Auswirkungen des Preises witzelte MacMillan, sein Team müsse nun noch härter arbeiten, um zu beweisen, dass es die Auszeichnung verdiene. «Und das Universum hat jetzt realisiert, was es an den Chemie-Fakultäten hat, und dass offensichtlich mehr Geld dort hinein gesteckt werden muss.» Er selbst werde die kommende Zeit vor allem versuchen zu geniessen, sagte MacMillan. «Viele meiner Freunde haben mich schon kontaktiert und gefragt, ob wir zusammen nach Las Vegas fahren wollen - aber da halte ich mich wohl lieber erstmal zurück.»

Zuvor war MacMillan gemeinsam mit dem Deutschen Benjamin List von der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften in Stockholm der diesjährige Chemie-Nobelpreis für eine raffinierte Methode zur Beschleunigung chemischer Reaktionen zugesprochen worden.

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