Curvy Model: Neues Jahr, neues Ich – Neujahrsvorsätze sind Quatsch!
«Neujahrsvorsätze haben oft nichts mit Selbstliebe zu tun. Ich habe damit aufgehört», schreibt Plus-Size-Model Stella in ihrer Kolumne.

Das Wichtigste in Kürze
- Stella Kizildag (29) ist ein Curvy-Model. Sie schreibt Kolumnen über Body Positivity.
- Heute schreibt Stella über die guten Vorsätze zu Jahresbeginn.
- Ohne «inneren Krieg» fühle sich plötzlich alles viel leichter an, schreibt Stella.
Fitness-Abo abschliessen, weniger essen – und mit strikten Ernährungsplänen arbeiten. Das soll jeweils im Januar passieren. Gleichzeitig rede ich mir jeweils ein, dass ich endlich glücklich werde, wenn ich dünn und damit einen tollen Körper habe!
Spoiler: Es hat leider nie funktioniert.

Selbstablehnung im Gym-Outfit
Lasst uns ehrlich miteinander sein: Diese Vorsätze kommen selten aus Liebe. Sie kommen aus Druck und dem ewigen Vergleichen.
Und aus dem Gedanken heraus, dass wenn man dem Schönheitsideal entspräche, sich alle Probleme in Luft auflösen würden. Ganz ehrlich: Wie absurd ist das eigentlich?
Schon nach ein paar Wochen konnte ich meine Routinen nicht mehr einhalten. Und ich habe mich dafür geschämt. Weil ich schon wieder versagt habe.
Der Januar war kaum vorbei, meine Motivation wieder weg. Ich war unglücklich. Erneut hatte ich den Beweis geliefert, dass ich angeblich nicht durchhalten kann – und undiszipliniert bin.

Das Glück mehr romantisieren
Irgendwann habe ich gemerkt, dass nicht meine Körperfigur das Problem an meinem Unglück ist. Und ich habe jahrelang so getan, als dürfte ich erst glücklich und schön sein, wenn er einer gewissen Vorstellung entspricht. Als müsste ich mir das Leben «verdienen».
Zudem habe ich nie gemerkt, was für schöne und unvorhergesehene Möglichkeiten in meinem Leben passiert sind. Nur, weil ich meinen persönlichen Erfolg immer am gescheiterten Neujahresvorsatz gemessen habe.
Deshalb habe ich mir dieses Jahr nichts vorgenommen. Fast nichts.

Ich habe die Kontrolle losgelassen – und mich gefunden
Stattdessen habe ich mich gefragt, was mich wirklich glücklich macht. Denn: Der Weg zu meinem Glück hat nichts damit zu tun, wenn ich schlanker werde.
Die Folge: Ohne meinen «inneren Krieg» hat sich alles plötzlich viel leichter angefühlt. Seitdem ich aufgehört habe, mich zu reduzieren. Oder mir selbst Steine in den Weg zu legen.
Ihre voraussichtliche Wartezeit beträgt: Null Minuten!
Ich will nicht mehr auf «Wenn ich erstmal den perfekten Körper habe, dann…» warten. Ich mache alles, was ich will, JETZT!
Egal, ob ich mich von einem hübschen Mann auf ein Date ausführen lassen möchte, im Bikini an der Côte d’Azur entlang schlendere oder meinen Chef mit einem gelungenen Marketing-Pitch aus den Socken haue.
Ich habe es satt, mich selbst klein zu halten. Und mich nicht entfalten zu können. Denn sobald du glücklich bist, ziehst du auch weiteres davon an.
Nicht weil du dich optimiert hast, sondern weil du aufhörst, dich selbst zu blockieren!

Der mutigste Vorsatz, den ich je hatte
Was ich mitgeben will: Reduziert euch nicht auf euren Körper. Wartet nicht darauf, erst anders auszusehen, um endlich zu leben.
Und macht vor allem keine Vorsätze aus Selbsthass. Kein Vorher-Nachher. Kein Wenn-dann.
Ich habe mir dieses Jahr kein Ziel gesetzt. Ich schaue, was auf mich zukommt. Und ich nehme Chancen an, wenn sie da sind.
Auch wenn das ausserhalb meiner Komfortzone liegt. Und ich über meinen Schatten springen muss. Und das alles mit einer Kleidergrösse 46.
In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein frohes neues Jahr. Eines mit viel mehr Selbstliebe!








