Deutscher Nachrichtendienst hörte Obama ab
Der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) hat Barack Obama während seiner Zeit als US-Präsident abgehört. Das haben Recherchen ergeben.

Das Wichtigste in Kürze
- Ex-US-Präsident Barack Obama soll während seiner Amtszeit abgehört worden sein.
- Der deutsche Bundesnachrichtendienst habe seine Gespräche mitgehört, so Recherchen.
- Brisant: 2013 kam aus, dass die USA Angela Merkel abgehört hatten.
Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat nach Angaben des «Zeit»-Journalisten Holger Stark den damaligen US-Präsidenten Barack Obama abgehört.
Im Podcast von Bild-Vize Paul Ronzheimer erzählte er, der BND habe sich dabei ein Schlupfloch zunutze gemacht. Denn die Verschlüsselung von Gesprächen aus dem amerikanischen Regierungsflugzeug Airforce One heraus seien schwerer als am Boden gewesen.
«Deswegen haben die Amerikaner immer mal wieder auch Gespräche geführt, die schlecht verschlüsselt waren. Oder wo es Lücken gab, oder die gar nicht verschlüsselt waren», sagte Stark.
Ohne offiziellen Auftrag
«Und der BND wusste das. Und er kannte die Frequenzen, die die Air Force One genutzt hat für diese Art von Kommunikation für Telefonate. Und er hat die abgehört.»
Dafür habe es keinen offiziellen Spionageauftrag gegeben. Die Obama-Telefonate seien ordentlich transkribiert und nur in einer Kopie im BND herumgereicht worden.
Die interne Direktive sei gewesen, dass die eine Kopie am Ende geschreddert werden sollte. So sei es in den meisten Fällen auch geschehen. «Davon wusste das Kanzleramt lange Zeit gar nichts.»
BND sagt nicht, ob die Vorwürfe stimmen
Der BND äusserte sich nicht konkret zu den Vorwürfen. Er teilte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Berlin mit: «Der Bundesnachrichtendienst nimmt zu Angelegenheiten, die etwaige nachrichtendienstliche Erkenntnisse oder Tätigkeiten betreffen, grundsätzlich nicht öffentlich Stellung.»

Damit sei keine Aussage darüber getroffen, ob der Sachverhalt zutreffend ist oder nicht.
«Der Bundesnachrichtendienst berichtet zu entsprechenden Themen der Bundesregierung und den zuständigen, geheim tagenden Gremien des Deutschen Bundestages.»,
Merkel war Abhör-Opfer des US-Geheimdienstes NSA
Der mutmassliche Lauschangriff ist auch deshalb interessant, weil die USA jahrelang das Mobiltelefon von Angela Merkel abgehört hatten. Dies war 2013 bekanntgeworden und hatte zu erheblichen Spannungen in den deutsch-amerikanischen Beziehungen geführt.

«Ausspähen unter Freunden, das geht gar nicht», hatte sich Merkel verärgert gezeigt. Obama gab sich damals peinlich berührt – ohne dass klar wurde, seit wann er von der Bespitzelung wusste.
Merkel und Obama bemühten sich danach um ein besseres Verhältnis.
«Für den BND einfach zu verlockend»
Nach Angaben von Stark hörte der BND Obama nicht regelmässig ab. Aber wenn die Mitarbeiter gemerkt hätten, dass auf den entsprechenden Frequenzen gefunkt worden sei, hätten sie mitgeschnitten.
«Es war autorisiert vom BND-Präsidenten, der es hätte stoppen können», sagte der Journalist. Es seien auch Gespräche der damaligen US-Aussenministerin Hillary Clinton vom BND abgehört worden – teilweise auch von amerikanischen Militärs.
«Das war für den BND einfach zu verlockend, da mitzuhören. Und damit auch einen kleinen Blick in die Gedankenwelt der amerikanischen Führung zu werfen», sagte Stark.












