Der britische Premier Boris Johnson hat einen Tipp für Industrie-Bosse: Macht es wie die Cartoon-Figur Peppa Wutz. Das bringt ihm viel Kritik ein.
Boris Johnson Peppa Wutz
«Beule für Boris», Vertrauensverlust bei der eigenen Partei und Zweifel an den Boris Johnson generell in der britischen Presse nach seinem Abstecher zu «Peppa Wutz». - Daily Mail / The Guardian / Screenshot independent.co.uk

Das Wichtigste in Kürze

  • Der britische Premier Boris Johnson sorgt mit einer Rede für Irritationen.
  • Er wirkte verwirrt und verglich die britische Wirtschaft mit einer Zeichentrickfigur.
  • Die anwesenden Unternehmer waren «not amused».

Dass der britische Premierminister Boris Johnson ein Exzentriker sondergleichen ist, war schon klar, als er noch Bürgermeister von London war. Nach seiner Rede vor dem Industrieverband zweifeln aber auch die Briten an seinem Geisteszustand. «Der Zeitpunkt ist gekommen, sich über den Premierminister Sorgen zu machen», titelt der «Independent». Immerhin verglich Johnson die Industrie mit einem rosa Zeichentrick-Ferkel und gab seine Geräusch-Imitationskünste zum Besten.

«Brumm, brumm, brrrrrraaaaahh!»

Nicht zu beneiden sind diejenigen Regierungsmitarbeiter in der Downing Street, die seine Reden wörtlich abschreiben müssen. So steht nun im Protokoll, dass er, Johnson, als ehemaliger Autokorrespondent von GQ von Motoren eine Ahnung habe. Und dass E-Autos nun mal nicht «arum arum araaaaaagh» machten, so die lautmalerische Abschrift. Man beachte die – selbstverständlich korrekte – Anzahl aufeinanderfolgender «a».

Der britische Premierminister Boris Johnson macht Motorengeräusche und ruft Unternehmer auf, den Vergnugungspark «Peppa Pig World» zu besuchen. - YouTube/CBI

Als «völlig von der Rolle» und peinliches Geschwafel betitelte nicht nur die Opposition, sondern auch Unternehmer Johnsons Darbietung. Die anwesenden Industrie-Vertreter zeigten sich enttäuscht über Johnsons abschweifende Rede. Gewerkschafter bezeichneten Premier-Plauderei als «hogwash», was generell als «Quatsch» übersetzt wird. Wörtlich bedeutet es allerdings «Schweinefutter», womit wir beim eigentlichen Thema wären: Peppa Wutz.

Boris Johnson liebt die Welt von Peppa Wutz

Denn Boris Johnson konnte sich fast nicht mehr einkriegen vor Lob über den Vergnügungspark «Peppa Pig World». Peppa Pig macht als «Peppa Wutz» auch deutschsprachige Kinderzimmer unsicher und ist ein rosa Ferkel. Oder wie es Johnson formuliert: «Dieses Schwein, das aussieht wie ein Föhn, oder eher wie ein Picasso-mässiger Föhn».

Boris Johnson liebt nicht nur «Peppa Pig World», er liebt auch die Welt von Peppa: «Genau mein Ding».

Peppa Pig World
Die «Peppa Pig World» in New Forest, Hampshire (UK) begeistert nicht nur Hauptdarstellerin Peppa Wutz, sondern auch Premierminister Boris Johnson. - paultonspark.co.uk / peppapig.co.uk

Denn, so lernten die Industrie-Chefs: Bei Peppa hat es sehr sichere Strassen und viel Disziplin in der Schule. An Peppa sollte sich Grossbritannien ein Beispiel nehmen: Von der BBC abgelehnt und jetzt in 180 Länder exportiert, ein Milliardenbusiness. Keine Regierung der Welt hätte sich Peppa ausdenken können, behauptet Boris Johnson.

«Es ist einfach genial, finden Sie nicht auch?», fragt er die Anwesenden. Sofort will er die Hände derjenigen sehen, die schon einmal «Peppa Pig World» besucht haben. «Das reicht nicht», so sein Fazit.

«Verzeihen Sie… verzeihen Sie… … … verzeihen Sie»

Denn den neuen Vergnügungspark in Hampshire im äussersten Süden Englands müsse man gesehen haben. Das kam schlecht an beim Publikum in Port of Tyne im Nordosten Englands. Sechs Stunden Autofahrt zu empfehlen und gleichzeitig von mehr Effizienz zu sprechen sei «interessant», formulierte es ein IT-Berater diplomatisch.

Premier Boris Johnson verliert den Faden und muss in seinen Redenotizen die richtige Stelle suchen. - YouTube/CBI

Vielleicht liess sich Boris Johnson einfach zu sehr mitreissen vom gemeinsamen Park-Erlebnis mit seinem einjährigen Sohn Wilfred. Doch offenbar war sein Abschweifer nicht einmal improvisiert, sondern Teil seiner Redenotizen. Diese hatte Johnson zumindest zuvor immer wieder eifrig konsultiert, hatte aber auch damit seine liebe Mühe.

So suchte er 20 Sekunden lang die richtige Seite, während er immer wieder murmelte: «Verzeihen Sie… verzeihen Sie…». Und nach längerer Pause ein letztes Mal: «Verzeihen Sie». Was offenbar nur für diese Passage galt, nicht für seine Rede als Ganzes. «Die Leute haben die meisten Punkte verstanden und ich fand, dass sie gut ankam», so Johnson zu einem Journalisten.

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