In Norditalien hat die Polizei zwei Mitglieder der 'Ndrangheta verhaftet. Sie könnten Verbindungen zu dem in St. Gallen aufgedeckten Stützpunkt haben.
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In Italien hat sich der Einfluss der Mafiosi verstärkt. (Symbolbild) - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • In der Nähe von Como hat die italienische Polizei zwei mutmassliche Mafioso verhaftet.
  • Die Mitglieder der 'Ndrangheta könnten Verbindungen in die Schweiz haben.
  • Erst kürzlich haben Ermittler einen Mafia-Stützpunkt in St. Gallen aufgedeckt.

Zwei im Gebiet um Como wohnhafte Mitglieder der Mafia-Organisation 'Ndrangheta sind von den Mailänder Behörden in Untersuchungshaft gesetzt worden. Die kalabrische 'Ndrangheta soll unterdessen starke kriminelle Verbindungen in die Schweiz haben, wie italienische Medien am Samstag berichteten.

Einer der beiden Männer, ein 64-Jähriger, sitzt bereits wegen Mafia-Delikten im Gefängnis. Er war als Anstifter eines Mordes rechtskräftig zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

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Hier verhaften Carabinieri Francesco Salvatore Russo, ein Mitglied der Mafia. - Keystone

Zudem wird er beschuldigt, aus dem Gefängnis heraus seine Geschäfte weitergeführt zu haben. Der Mann gilt auch als faktischer Verwalter mehrerer Unternehmen durch Vertrauensleute.

Der zweite, nun festgenommene Mann, ein 44-Jähriger, wird beschuldigt, die kalabrische Mafia-Vereinigung 'Ndrangheta logistisch unterstützt zu haben. Vorgeworfen wird beiden Männern unter anderem Beihilfe, Steuerbetrug, Bankrott, fiktive Registrierung und illegaler Waffenbesitz.

Koordiniert wurde die Polizeioperation von den Justizbehörden in Mailand zusammen mit der auf Wirtschaftskriminalität spezialisierten Guardia di Finanza.

Zusammenhang mit Mafia-Stützpunkt in St. Gallen

Die beiden Erlasse zur Untersuchungshaft erfolgten laut der italienischen Nachrichtenagentur Adnkronos im Rahmen von früheren Ermittlungen. Bereits im November vergangenen Jahres hatten diese zur Verhaftung von 54 Personen geführt. Gegen diese wurde wegen derselben Straftaten sowie wegen Erpressung, Hehlerei, Geldwäscherei und Korruption ermittelt.

Auf Ersuchen italienischer Behörden waren damals in vier Kantonen sechs italienische Staatsangehörige im Zusammenhang mit organisierter Kriminalität verhaftet worden. Die Bundesanwaltschaft hat unterdessen ein gemeinsames Ermittlungsteam mit den Antimafia-Staatsanwaltschaften von Mailand und Reggio di Calabria gebildet.

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Die italienische Polizei bei einem Anti-Mafia-Einsatz. - Keystone

Die bisherigen Ermittlungen haben laut italienischen Agenturen Licht auf die Operationen von mehreren 'Ndrangheta-Familien geworfen. Diese waren vor allem in den Provinzen Mailand, Como und Varese tätig, breiteten sich aber in die Schweiz aus.

Dabei geriet laut der Nachrichtenagentur Ansa vor allem der Kanton St. Gallen in den Blick. Dieser war offenbar zu einem logistischen Stützpunkt für einige der Verdächtigen geworden, die sich dort dauerhaft niedergelassen hatten.

Die 'Ndrangheta stammt aus der Region Kalabrien südlich von Neapel, an der Spitze des italienischen Stiefels. Sie schmuggelt Kokain nach Europa, weltweit soll sie über rund 20'000 Mitglieder verfügen. Mittlerweile hat die 'Ndrangheta die berüchtigte sizilianische Cosa Nostra überflügelt und gilt als mächtigste Mafia-Gruppe Italiens.

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