Mafia-Experte: «Morettis haben ein typisches Geldwäscherprofil»
Mehrere Immobilien ohne Hypotheken: Das Betreiberpaar Moretti wird immer wieder mit der korsischen Mafia in Verbindung gebracht.

Das Wichtigste in Kürze
- Nach der Crans-Montana-Tragödie liegt der Fokus der Ermittlungen auf dem Betreiber-Paar.
- Die Morettis haben mehrere teure Immobilen gekauft – ohne Hypotheken.
- Sie werden deswegen immer wieder mit der korsischen Mafia in Verbindung gebracht.
Der tragische Vorfall in Crans-Montana, bei dem 40 Menschen ums Leben kamen und 116 verletzt wurden, hat tiefe Bestürzung ausgelöst.
Rund um das Betreiberpaar Jessica (40) und Jacques (49) Moretti gibt es aber viele offene Fragen und Spekulationen. Immer wieder wird über mögliche Verbindungen zur korsischen Mafia berichtet.
In den letzten Jahren haben die Morettis zahlreiche Immobilien erworben – und das, ohne Hypotheken aufzunehmen.
Im Jahr 2020 kauften sie Bar «Le Constellation», die sie schon fünf Jahre gepachtet hatten. Und erweiterten ihr Immobilien-Portfolio im selben Jahr um ein Wohnhaus.
Danach erwarben sie einen Burger-Laden in Crans-Montana sowie die Pension «Le Vieux Chalet» in Lens VS. Im Jahr 2024 kam noch ein weiteres Einfamilienhaus in Lens dazu.
Die Morettis tätigten ihre beeindruckenden Immobilienkäufe jedoch ohne Kredite. Das erstaunt viele Beobachter und wirft Zweifel an der Rechtmässigkeit ihres Vermögens auf.
«Die Morettis haben ein typisches Geldwäscherprofil»
Woher das Geld stammt, fragt sich auch Mafia-Experte Roberto Saviano. In der Sendung «Detto tra noi» auf «Teleticino» sowie in einem Artikel im «Corriere della Sera» spricht er über mögliche Verbindungen der Morettis zur Mafia. Und sagt klar: «Die Morettis haben ein typisches Geldwäscherprofil.»
Der Journalist und Schriftsteller fragt sich: «Wie kann jemand wie Jacques Moretti, der wegen Ausbeutung von Prostituierten, Betrug und Entführung vorbestraft ist, zwei Nachtclubs in einem der wichtigsten Touristenorte Europas betreiben?»

Der neapolitanische Mafia-Experte beschreibt die kriminellen Organisationen Korsikas als Realität. Diese Organisationen hätten in den letzten Jahrzehnten besonders in Bars, Restaurants und Casinos investiert.
Er betont, wie schwierig es sei, die Herkunft des Kapitals zurückzuverfolgen, wenn Geld bereits gewaschen und anschliessend reinvestiert worden sei.
Saviano: «Wenn das bereits gewaschene Geld einem Unternehmer anvertraut wird, der mit einer Tasche voller Bargeld in die Schweiz kommt und bar zwei Lokale in einem wichtigen Tourismusgebiet kauft, wie soll ich dann den Weg des Geldes zurückverfolgen?»
Ein weiterer zentraler Punkt betreffe das Fehlen von Kontrollen. Laut Saviano werde das Eintreffen von so viel Geld «als Erfolg eines Unternehmens wahrgenommen», das folglich «begünstigt» werde.
«In der Schweiz – wie auch in Italien, Frankreich und Deutschland – werden diese Kontrollen oft nicht durchgeführt. Weil ein erfolgreiches Lokal automatisch als sicher wahrgenommen wird.»
Kontrolle sei risikobehaftet
Mit einer Kontrolle riskiere man laut Saviano, eine einträgliche Tätigkeit zu behindern: «Warum sollte ich einem Lokal, das gut läuft, Ärger machen? Wenn ich weiss, dass es dann vielleicht monatelang schliessen muss und es zu Beschwerden und Druck kommen wird?»
Laut Saviano der typische Fehler in touristischen Gebieten.



















