Bern: Das solltest du über die «Swiss Cyber Security Days» wissen!
Die «Swiss Cyber Security Days» in Bern fokussieren auf die digitale Zukunft. Experte Nicolas Mayencourt warnt, dass die Schweiz zu abhängig von Techfirmen ist.

Das Wichtigste in Kürze
- Vom 17. - 18. Februar finden in Bern die Swiss Cyber Security Days statt.
- Sie vernetzen Experten um aktuelle Bedrohungen sowie innovative Lösungen zu präsentieren.
- Wir haben im Vorfeld Organisator Nicolas Mayencort zu den dringlichsten Themen befragt.
BärnerBär: Herr Mayencourt, viele Menschen haben das Gefühl, die Kontrolle über ihre Daten zu verlieren. Ist diese Angst berechtigt?
Nicolas Mayencourt: Ja, diese Angst ist nachvollziehbar – und für viele Menschen bereits Realität. Digitale Souveränität ist längst kein theoretisches Thema mehr. Sie steht heute im Zentrum geopolitischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Machtfragen. Genau deshalb müssen wir uns aktiv damit auseinandersetzen.
BärnerBär: Wer bestimmt heute eigentlich, was im digitalen Raum passiert?
Mayencourt: Vor allem Staaten und Organisationen ausserhalb Europas. Viele zentrale Technologien und Plattformen liegen nicht in europäischer Hand.
BärnerBär: Wie abhängig sind wir in Europa heute von ausländischer Technologie?
Mayencourt: Ziemlich stark. Hardware kommt oft aus China, Cloud- und KI-Lösungen aus den USA, Chips etwa aus Taiwan und Industrieroboter aus Südkorea. Die Musik spielt zu wenig bei uns.

BärnerBär: Man hat zuletzt von europäischen Richtern gelesen, die auf Geheiss der amerikanischen Regierung von den grossen Techfirmen abgestraft wurden. Kann das jedem passieren?
Mayencourt: Technisch wäre das möglich. Praktisch ist es für Einzelpersonen eher unwahrscheinlich. Aber es zeigt, wie stark globale Abhängigkeiten heute wirken können.
BärnerBär: Kann Europa – und auch die Schweiz – überhaupt digital unabhängiger werden?
Mayencourt: Unabhängigkeit geht schon, ist aber mit viel Aufwand und Investitionen verbunden. Sie muss aber unser Ziel sein. Es gibt entsprechende Bestrebungen. Die EuroStack-Initiative beispielsweise ist ein guter Ansatz.
BärnerBär: Was bedeutet «digitale Souveränität» ganz konkret für den Alltag?
Mayencourt: Ganz einfach gesagt: Kontrolle über die eigenen Daten und die Sicherheit, dass digitale Dienste zuverlässig funktionieren. Zum Beispiel, dass meine Zahlungskarte auch morgen noch funktioniert und nicht von geopolitischen Entscheidungen abhängt.
BärnerBär: Wie kann man Sicherheit, Freiheit und Innovation gleichzeitig erhalten?
Mayencourt: Die perfekte Lösung gibt es nicht. Aber es gibt bessere und schlechtere Entscheidungen. Womit wir wieder bei der Dringlichkeit digitaler Unabhängigkeit sind. Wir müssen unbedingt ins Cockpit statt nur mitzufliegen.

BärnerBär: Was bedeuten die aktuellen globalen Spannungen für die Schweiz?
Mayencourt: Sie zeigen, wie wichtig es ist, Abhängigkeiten zu reduzieren und eigene Fähigkeiten aufzubauen, damit wir selbstbestimmt bleiben.
BärnerBär: Ist die Schweiz digital eher neutral? Oder müsste sie klarer Position beziehen?
Mayencourt: Digitale Räume sind heute auch Werte- und Machträume. Wer dort keine Position bezieht, übernimmt am Ende die Standards, Technologien, Narrative und Regeln anderer. Es freut mich, dass wir heute in der Schweiz darüber sprechen.
BärnerBär: Wo ist die Schweiz im Cyberbereich stark – und wo verletzlich?
Mayencourt: Stark sind wir bei Stabilität, Vertrauen und Know-how, etwa bei kritischen Infrastrukturen und Forschung. Verletzlich sind wir bei Abhängigkeiten von ausländischen Plattformen und Technologien.
BärnerBär: Warum ist es wichtig, dass diese Diskussion auch in Bern stattfindet?
Mayencourt: Weil Bern das politische Zentrum ist. Digitale Souveränität ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Dafür müssen Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft zusammenarbeiten.
BärnerBär: Sie holen immer wieder internationale Top-Leute an die Swiss Cyber Security Days. Wie gelingt das?
Mayencourt: Das ist die siebte Ausgabe der Swiss Cyber Security Days. Die Veranstaltung geniesst international ein gewisses Renommee. Das Thema ist brandaktuell und alle tauschen sich gerne dazu aus. Natürlich profitiere ich auch stark von meinem Netzwerk, welches seit fast 30 Jahren stetig wächst.

BärnerBär: Viele Menschen glauben, Cyberangriffe treffen nur grosse Firmen oder Behörden. Stimmt das?
Mayencourt: Nein. Jeder kann betroffen sein – Behörden, Firmen, Spitäler oder Privatpersonen. Wer digital unterwegs ist, muss sich schützen können.
BärnerBär: Was müssen KMU heute über Cyberrisiken unbedingt verstehen?
Mayencourt: Cyber Security ist kein reines IT-Thema. Es ist ein Führungs- und Kulturthema. Sicherheit muss Teil der Unternehmens-DNA sein.
BärnerBär: Was machen Firmen beim Thema Cyber Security am häufigsten falsch?
Mayencourt: Viele unterschätzen das Risiko. Gerade KMU sind oft Ziel, weil sie schwächer geschützt sind und als Einstieg in Lieferketten dienen können. Und oft ist der Mensch die grösste Schwachstelle.
BärnerBär: Was wird beim Thema Cyber Security aktuell am meisten unterschätzt?
Mayencourt: Der Faktor Mensch. Die meisten Angriffe beginnen nicht mit Hightech-Hacks, sondern mit Phishing-Mails, Fake-Rechnungen oder Social Engineering.
BärnerBär: Was ist Ihr wichtigster Cyber-Security-Tipp für Privatpersonen?
Mayencourt: Die heilige Dreifaltigkeit: Starke Passwörter und Zwei-Faktor-Authentifizierung, Updates ernst nehmen und misstrauisch bleiben.
Zur Person
Nicolas Mayencourt ist Gründer und CEO von Dreamlab Technologies und gilt als einer der profiliertesten Cyber-Security-Experten der Schweiz. Er berät Unternehmen, Behörden und internationale Organisationen bei Cyberangriffen, Krisen und Fragen der digitalen Resilienz. Bekannt ist er auch als pointierter Kommentator in Medien, der Cyber Security konsequent als strategisches Führungs- und Gesellschaftsthema einordnet.
Die Swiss Cyber Security Days finden am 17. und 18. Februar in der Festhalle Bern statt.








