Wie Russland seine Schüler zur Staatsräson erzieht
Propaganda in Russland reicht bis in Schulbücher und Kitas. Ein neuer Amnesty-Bericht legt das systematische Ausmass der Indoktrination bloss.

Russische Behörden verletzen das Recht von Kindern auf eine hochwertige Bildung, wie Amnesty International Deutschland in einem neuen Bericht dokumentiert. In Schulbüchern und im Unterricht wird gezielt staatliche Propaganda vermittelt, die Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine rechtfertigen soll.
«Russische Schulen werden von Bildungsstätten in Konformitätsfabriken umgewandelt», sagte Janine Uhlmannsiek, Expertin für Europa und Zentralasien bei Amnesty International. Der Kreml versuche, die Indoktrination ins Zentrum des Bildungssystems zu stellen – mit System, so Uhlmannsiek.
Das russische Bildungsministerium führte 2023 ein verbindliches Paket aus Schulbüchern und Lehrmaterial ein, berichtet Amnesty International Deutschland. Russland wird darin als «belagerte Festung» dargestellt, die ukrainische Eigenstaatlichkeit wird geleugnet oder herabgesetzt.
Russland: Überwachung statt Bildung
Lehrkräfte stehen laut dem Amnesty-Bericht unter Druck, Online-Aktivitäten ihrer Schülerinnen und Schüler zu überwachen und abweichende Meinungen zu melden. Politische und persönliche Ansichten von Kindern werden an Schulverwaltung, Polizei oder Geheimdienste weitergeleitet.
«Der Verstand eines Kindes ist nicht das Eigentum des Staates», betonte Uhlmannsiek laut Amnesty International Deutschland. Die russischen Behörden betrachteten das Klassenzimmer als Ort, an dem erste Anzeichen zivilgesellschaftlichen Widerstands im Keim erstickt werden sollen.
Wie weit der Druck auf Lehrpersonen reicht, zeigt ein aus dem Jahr 2026 Oscar-prämierter Dokumentarfilm. Laut «Republik» filmte der Pädagoge Pawel Talankin an einer Uraler Schule die patriotische Erziehung und musste Russland danach verlassen.
Ideologie bereits im Kindergarten
Die Indoktrination beginnt in Russland nicht erst in der Schule, wie «Euronews» berichtet. Ab September 2026 sollen sämtliche russischen Kindergärten ein neues Unterrichtsfach namens «Gute Spiele» einführen.
Das Programm richtet sich an Kinder zwischen drei und sieben Jahren. Laut der stellvertretenden Bildungsministerin Olga Koludarowa soll es «geistige und moralische Werte» vermitteln, so «Euronews».

Bereits seit 2022 gibt es an weiterführenden Schulen das Fach «Gespräche über wichtige Dinge». Dieses soll Schülerinnen und Schüler mit der Kreml-Sichtweise auf den Krieg vertraut machen , berichtet «Euronews».
Verstoss gegen Kinderrechte
Russlands Vorgehen verstösst laut Amnesty International Deutschland gegen mehrere internationale Menschenrechtsverträge, darunter die UN-Kinderrechtskonvention.
Diese schreibe vor, dass Bildung auf die Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten ausgerichtet sein müsse.
Amnesty International fordert, alle Gesetze abzuschaffen, die friedliche Meinungsäusserung kriminalisieren oder Andersdenkende vom Bildungssystem ausschliessen. Die rechtswidrige Überwachung von Kindern und Lehrkräften müsse sofort beendet werden, so die Organisation.
















