Wie Russland den Ukraine-Krieg als Erfolg verkaufen will
Ein geleaktes Kreml-Papier zeigt, wie Moskau einen «nicht siegreichen» Ukraine-Krieg als Erfolg verkaufen will.

Kiew schickte jüngst einen Schwarm von über 500 Drohnen auf Moskau und die Vororte ab. Es waren die ersten anhaltenden ukrainischen Angriffe auf die russische Hauptstadt seit Kriegsbeginn, wie der «Merkur» berichtet.
Der Kreml reagiert jedoch mit auffälligem Schweigen auf die neue militärische Realität. Laut «Merkur» gibt es kaum Anzeichen, dass Putin die Tragweite der Lage versteht.
Am Rande der Siegesparade zum 9. Mai liess Putin verlauten, die Sache gehe zu Ende. Er fügte jedoch hinzu, dass «noch sehr viel Vorbereitungsarbeit geleistet werden muss».
Geheimplan für den Gesichtsverlust
Ein geleaktes Arbeitspapier gibt nun Einblick in die inneren Kreml-Planungen, wie der «Merkur» enthüllt. Ein Team um Sergej Kirijenko, den stellvertretenden Leiter der Präsidialadministration, entwarf demnach Propagandalinien für die Staatsmedien.
Ziel ist es, einen «nicht siegreichen» Krieg so darzustellen, dass das Scheitern der Kriegsziele nicht eingestanden werden muss. Zusätzlich planen die Apparatschiks laut «Merkur» eine Umerziehung jener, die Niederlage und Verrat anprangern dürften.
«Der Pragmaticus» beschreibt, wie russische Propaganda nicht auf Ideologie, sondern auf systematischer Verwirrung beruht. Das Mantra «Es ist alles nicht so eindeutig» solle die Bevölkerung kognitiv lähmen statt überzeugen.
Elite in einer Falle eigener Herstellung
Der ehemalige russische Diplomat Boris Bondarew beschreibt das System als «eine eigentümliche Falle eigener Herstellung», wie der «Merkur» zitiert. Der FSB-Überwachungsapparat habe das Vertrauen innerhalb der Elite zerstört.
Laut Bondarew ähnelt Russlands politisches System heute eher Nazi-Deutschland als der Sowjetunion, da alle Legitimität aus einer einzigen Person fliesse. Wirtschaftlicher Druck habe die herrschende Klasse dabei eher gefestigt als gespalten.
Die «Länder-Analysen» beschreiben eine «Propagandapyramide», an deren Spitze ein geschlossenes Weltbild stehe: Russland als belagerte Festung, der Westen als moralisch verkommen. Dieses Weltbild werde nicht argumentativ verteidigt, sondern durch ständige Wiederholung verankert.
Ukraine-Krieg: Kein Plan, kein Ausweg
Während Kreml-Mitarbeiter aktiv den Boden für ein Russland nach dem Krieg bereiten, fehle an der Spitze jede klare Strategie.

Putin und sein innerer Zirkel schienen von der eigenen Elite zunehmend abgeschottet zu sein, so der «Merkur».
Laut «Länder-Analysen» werden atomare Drohungen gegen den Westen gezielt dann eingesetzt, wenn westliche Waffenlieferungen bevorstehen. Sie dienen demnach der Einschüchterung nach aussen und der Mobilisierung im Innern.
















