Russlands neues Lockmittel im Krieg in der Ukraine
Russland erlässt Rekruten Schulden bis zu zehn Millionen Rubel – ein weiterer Versuch Moskaus, Truppen für den Krieg in der Ukraine aufzustocken.

Putin hat ein Dekret unterzeichnet, das neuen Rekruten Schulden von bis zu zehn Millionen Rubel (etwa 108'721 Franken) erlässt. Wie der «ORF» berichtet, entspricht diese Summe laut der Immobiliendatenbank Cian dem Preis einer 35-Quadratmeter-Wohnung in Moskau.
Anspruch haben jene, die ab dem 1. Mai einen Vertrag mit dem Verteidigungsministerium für mindestens ein Jahr unterzeichnet haben. Voraussetzung ist zudem, dass vor diesem Datum bereits ein rechtlicher Anspruch auf Eintreibung der Schulden bestand, berichtet der «ORF».
Zusätzlich verlängerte Putin die Pachtrechte für staatliches Land für Kämpfer im Krieg in der Ukraine auf unbestimmte Zeit. Das neue Dekret ergänzt damit ein bestehendes Paket aus Prämien und bevorzugter Hochschulzulassung.
Krieg in der Ukraine: Moskaus wachsende Rekrutierungsnot
Hinter den Anreizen steht ein strukturelles Problem: Russland will seine Streitkräfte bis 2026 auf 1,5 Millionen Soldaten ausbauen. Laut der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP Berlin) müsste das Verteidigungsministerium parallel zu den Kriegsverlusten massiv neues Personal anwerben.
Die Berliner Denkfabrik bezeichnet die aktuelle Rekrutierungsstrategie als «verdeckte Mobilisierung». Das Kalkül dahinter sei, dass das Protestpotenzial geringer ausfalle als bei einer formellen zweiten Mobilmachungsrunde.
Die Rekrutierung für den Krieg in der Ukraine erfolgt dabei nicht immer freiwillig. Laut «SWP Berlin» geschieht sie nicht selten durch Ausnutzung von Machtgefällen, durch Täuschung und Zwang.
Anwerbung bis in die Hörsäle
Auch Universitäten geraten zunehmend ins Visier der Rekrutierer, wie «ZDF heute» berichtet. Der Kreml versucht gezielt Studierende anzuwerben – obwohl diese eigentlich während des Studiums nicht einberufen werden dürfen.

Menschenrechtler berichten, dass Studierenden mit Exmatrikulation gedroht wird. Zudem verspricht man ihnen, sie nicht an die Front, sondern in Drohneneinheiten zu schicken.
Laut dem Menschenrechtsaktivisten Artjom Klyga sei dies jedoch bloss eine reguläre Rekrutierung für die Infanterie.
















