Die Weltklimakonferenz COP26 hat mit herben Dämpfern vom G20-Gipfel begonnen. Die Wirtschaftsmächte senden kein Signal für mehr Klimaschutz nach Glasgow.
Patricia Espinosa
Patricia Espinosa, Leiterin des Sekretariats der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen, fordert eine ambitionierte Klimapolitik. Ansonsten sehe sie eine düstere Zukunft auf die Menschheit zukommen. - sda - Keystone/AP POOL/Alberto Pezzali

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Weltklimakonferenz COP26 begann mit leidenschaftlichen Appellen.
  • Der G20-Gipfel stand wegen fehlendem Signal zu mehr Klimaschutz nur als herber Dämpfe.

Mit leidenschaftlichen Appellen zu mehr Klimaschutz und eindringlichen Warnungen vor den fatalen Folgen der Erderhitzung hat die Weltklimakonferenz COP26 begonnen. Die Klimachefin der Vereinten Nationen, Patricia Espinosa, sagte am Sonntag vor dem Plenum: Ein Weiter-so beim Ausstoss klimaschädlicher Treibhausgase komme einer «Investition in unsere eigene Auslöschung» gleich. «Entweder wir setzen auf eine schnelle und grossangelegte Reduzierung der Emissionen, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Oder wir akzeptieren, dass die Menschheit einer düsteren Zukunft auf diesem Planeten entgegenblickt.»

In den kommenden zwei Wochen ringen in Glasgow rund 200 Staaten darum, wie die Erderwärmung eingedämmt werden kann. Die bisherigen Pläne der Staaten reichen zur Abwendung der drohenden Klimakatastrophe bei weitem nicht aus.

G20-Gipfel dämpft

Ein herber Dämpfer kam jedoch bereits zu Beginn der Klimakonferenz vom G20-Gipfel aus Rom: Die grossen Wirtschaftsmächte scheiterten daran, ein starkes Signal für mehr Klimaschutz nach Glasgow zu senden. Dem ausgehandelten Text für das Kommuniqué ist zu entnehmen, dass weiter kein Zieldatum für die Kohlendioxidneutralität festgelegt wurde. Der G20-Gipfel hätte eine Steilvorlage für die COP26 werden müssen, sagte Klimaexperte Jan Kowalzig von der Entwicklungsorganisation Oxfam. «Das ist nicht gelungen.»

G20 Summit in Rome
Boris Johnson (R) und Mario Draghi während des G20-Treffens beim Treevi-Brunnen in Rom. - dpa

Die Erde hat sich im Vergleich zum vorindustriellen Niveau schon jetzt um etwa 1,1 Grad erwärmt. In Deutschland sind es bereits 1,6 Grad. In Paris hatte sich die Staatengemeinschaft vor sechs Jahren darauf geeinigt, die Erderwärmung möglichst auf maximal zwei Grad zu begrenzen.

Konferenz muss liefern

Der britische Präsident der COP26, Alok Sharma, sagte vor dem Plenum, das Fenster, das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, schliesse sich. Glasgow müsse halten, was Paris versprochen hat. «Diese COP ist unsere letzte grosse Hoffnung, 1,5 Grad im Rahmen des Möglichen zu halten. Diese internationale Konferenz muss liefern.»

Alok Sharma
Der britische Präsident der COP26, Alok Sharma. - AFP

Auch der Papst ermutigte die Staaten zu mehr Klimaschutz. «Beten wir, dass der Schrei der Erde und der Schrei der Armen gehört werden.» Dies sagte Franziskus vor zahlreichen Menschen auf dem Petersplatz in Rom. Die geschäftsführende Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) äusserte die Hoffnung, dass die Konferenz «eine neue Phase der internationalen Klima-Zusammenarbeit» einläuten wird.

Zahlreiche Aktivisten zu Gast

Unter den rund 25'000 Menschen, die erwartet werden, sind auch zahlreiche Aktivisten, die für eine ehrgeizigere Klimapolitik protestieren wollen. Die deutsche Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer kritisierte, keine der reichen Industriestaaten halte bisher seine Klima-Zusagen ein. Seitdem als historisch gefeierten Abkommen von Paris seien sechs Jahre vergangen - und die Emissionen heute höher denn je. «Diese Konferenz muss der Moment sein, in dem dieser Trend umgekehrt wird», sagte die 25-Jährige der Deutschen Presse-Agentur.

Die weltweit prominenteste Aktivistin Greta Thunberg verteidigte in einem BBC-Interview auch radikalere Protestformen. Manchmal sei es notwendig, einige Menschen zu verärgern, um auf Themen aufmerksam zu machen, sagte die 18-jährige Schwedin.

greta thunberg
Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg. - dpa

«Die Schulstreik-Bewegung wäre nie so bekannt geworden, wenn es keine Reibungen gegeben hätte. Wenn einige Leute nicht angepisst gewesen wären», sagte Thunberg. Wichtig sei aber, dass niemand bei den Demonstrationen verletzt werde.

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