Ukraine-Krieg: Putin gibt zu: «Ja, wir sehen Probleme»
Wladimir Putin hat an einem Parteikongress in Moskau ungewöhnlich offen Probleme im Ukraine-Krieg eingeräumt.

Das Wichtigste in Kürze
- Putin räumte bei einem Parteikongress erstmals offen Probleme im Ukraine-Krieg ein.
- Hintergrund sind brennende Ölanlagen und Treibstoff-Engpässe in Russland.
- Trotzdem zeigte sich der Kremlchef kämpferisch und sprach von einer Opferrolle.
Beim Kongress der Regierungspartei «Edinaja Rossija» (Geeintes Russland) in Moskau hat Wladimir Putin am Sonntag öffentlich Probleme im Ukraine-Krieg eingeräumt.
«Ja, wir sehen Probleme», sagte er vor den versammelten Parteigenossen. Man sei sich dessen bewusst und reagiere darauf. Die Parteiführung war zusammengekommen, um die Linien für die Parlamentswahlen im September festzulegen.
Putin sprach davon, die Probleme «ohne Zweifel zu bewältigen». Dabei nannte er explizit «terroristische Angriffe auf unser Territorium und auf Infrastruktur-Einrichtungen».
Das Eingeständnis folgt auf eine Reihe von Rückschlägen. In den vergangenen Tagen wurden mehrfach russische Ölanlagen durch ukrainische Angriffe in Brand gesetzt. Auf der Krim geben Tankstellen Treibstoff inzwischen gar nicht mehr an Privatpersonen ab.
Krisensitzung wegen Treibstoff-Engpässen
Bei einem Treffen mit Vertretern verschiedener Ministerien sowie der wichtigsten russischen Erdölproduzenten bemängelte Putin die Versorgungslage deutlich: «An den Tankstellen gibt es Warteschlangen, die benötigten Benzinsorten sind nicht immer vorrätig.» Er bestätigte, dass ein Exportverbot für Diesel-Treibstoff geprüft werde.
Russland habe bereits begonnen, seine Benzinreserven anzuzapfen. Putin erwartet ab Juli eine deutliche Erhöhung der Produktion der wichtigsten Treibstoffarten. «Die sich stellenden aussergewöhnlichen Aufgaben werden gelöst, und zwar klar, zügig und kompetent im Interesse des Landes und unserer Bürger», so der Kremlchef.

Zudem liessen russische Behörden den Armee-Rebellen Alexander Lunin (39) festnehmen. Dieser hatte zuvor mit scharfer Kritik an Missständen in der russischen Armee für Aufsehen gesorgt. Mit einem wütenden Video griff er Putin auf Instagram frontal an – mehrere Millionen Menschen sahen die Abrechnung.
Ukraine-Krieg: Putin sieht Russland in der Opferrolle
Trotz der Rückschläge gab sich Putin kämpferisch. «Dem Westen gelingt es nicht, Russland auf dem Schlachtfeld zu besiegen, deshalb versucht er, die politische Lage zu destabilisieren, doch auch das gelingt ihm nicht», sagte er.
Russland werde «auf jeden Fall sowohl die Sicherheit des Landes als auch die unserer Bürger sowie die Unverletzlichkeit unserer Grenzen auf lange Sicht gewährleisten».

Russland sehe sich derzeit einem «beispiellosen Druck» westlicher Eliten ausgesetzt, so Putin weiter. Er warf dem Westen vor, die Angriffe Kiews gegen Russland zu ignorieren, gleichzeitig aber immer neue – «ich betone: unrechtmässige» – Sanktionen zu verhängen.
Trotz anderslautender Berichte von den Fronten behauptete Putin zudem, die ukrainischen Truppen zögen sich «in alle Richtungen zurück». Kiew greife ausserdem zu «terroristischen Methoden» und werde gleichzeitig vom Westen «als Rammbock im Kampf gegen Russland» unterstützt.
Putin glaubt weiter an Sieg im Ukraine-Krieg
Auch in einem Interview mit dem Korrespondenten des russischen Staatsfernsehens, Pawel Sarubin, gab sich Putin weiterhin siegessicher im Ukraine-Krieg. Die russische Armee werde weiterhin alles unternehmen, um die Ziele der «Spezialoperation» – wie der Angriffskrieg gegen die Ukraine in Moskau offiziell genannt wird – umzusetzen, betonte der Kremlchef.
Putin begründete seinen Optimismus unter anderem mit einem «katastrophalen Personalmangel» der ukrainischen Streitkräfte. Er behauptete zudem, den russischen Streitkräften sei vorgeschlagen worden, die Kampfhandlungen auf vier Gebiete in der Ostukraine zu beschränken. Dies hätte Kiew die Möglichkeit gegeben, Truppen aus anderen Gebieten in diese Regionen zu verlegen. «Aber die Rettung des Kiewer Regimes ist nicht Teil unserer Pläne», so Putin.

Seiner Ansicht nach strebe der Westen weiterhin danach, Russland eine strategische Niederlage zuzufügen. «Dort werden zwar vereinzelt verschiedene Gerüchte laut, dass man dies angeblich nicht mehr anstrebe, aber offiziell hat niemand diese These von der Tagesordnung gestrichen», sagte er. «Wozu brauchen sie dann aber die Einstellung der Kampfhandlungen und die Friedensverhandlungen, von denen sie immer häufiger sprechen und an denen sie teilnehmen wollen?»
















