Ukraine-Krieg – Einheit kämpft zwölf Tage ohne Wasser
Im Ukraine-Krieg trank eine Einheit zwölf Tage lang eigenen Urin. Ein Kommandant fleht die Armeeführung in einem Video um Hilfe an.

Ein Zugkommandant hat die ukrainische Armeeführung in einem Videohilferuf um Rettung gebeten. Anatolij Saitschuk von der 121. Territorialverteidigungsbrigade schilderte darin die dramatische Lage seiner Männer, wie die «Frankfurter Rundschau» berichtet.
Seit vier Monaten seien seine Soldaten nicht mehr von ihren Positionen abgelöst worden. Immer wieder hätten sie tagelang weder Essen noch Trinkwasser gehabt, so Saitschuk in der Aufzeichnung.
«Über Zeiträume von drei bis sieben Tagen sind wir nicht mit Lebensmitteln oder Trinkwasser versorgt worden», sagte er. Einmal seien die Männer sogar zwölf Tage ohne Wasser ausgekommen und hätten begonnen, eigenen Urin zu trinken.
Alle Stellungen im Ukraine-Krieg zerstört
Alle Stellungen der Einheit seien dem Erdboden gleichgemacht worden, wie die «Welt» berichtet. «Wir sind jetzt in einem Unterschlupf, den wir selbst gefunden haben, weil alle Stellungen zerstört wurden», erklärte Saitschuk.
Ursprünglich war der Einsatz auf einen Monat angelegt und eine Drohnenversorgung zugesichert worden. Daraus wurden vier Monate ohne reguläre Ablösung.
Vorgesetzte Offiziere sollen zudem die Familien der Soldaten belogen haben. Sie hätten behauptet, die Männer seien «in vollem Umfang versorgt», so Saitschuk.
Brigadekommando bestätigt Video
Das Kommando der 121. Brigade bestätigte die Echtheit des Videos auf Facebook. Man unternehme alle notwendigen Schritte, um die Soldaten in «extrem schwieriger» Gefechtslage angemessen zu versorgen, berichtet die «Frankfurter Rundschau».
Das zuständige Truppenkommando räumte zwar ein, dass der Zug in einem «schwierigen und dynamischen Teil der Front» kämpfe. Das Video zeige aber nur «einen isolierten Teil eines komplexen Einsatzumfelds», das nicht das volle Ausmass der Bemühungen widerspiegle.
Der Fall ist kein Einzelfall im Ukraine-Krieg. Bereits früher hatten Fotos ausgemergelter Soldaten für Aufsehen gesorgt, denen teils 17 Tage lang Nahrung verweigert worden war.
Rekrutierungsprobleme verschärfen die Lage
Die Ukraine kann monatlich etwa 27'000 bis 30'000 Männer mobilisieren und rekrutieren, wie «ZDFheute» berichtet.

Das reiche jedoch nicht aus, um die Verluste auszugleichen und erschöpfte Fronteinheiten regulär abzulösen.
Seit Mitte 2025 melden sich kaum noch Freiwillige zum Kampfeinsatz. Mittelfristig werde die Ukraine das Mobilisierungsalter weiter senken oder die Mängel im Rekrutierungssystem beheben müssen.
















