Touri-Flut auf Mini-Insel – jetzt greift Regierung durch
Touristen überrennen ein kroatisches Inselparadies und verschandeln die Natur. Nach Protesten erlässt die Regierung ein Verbot für Ausflugsboote.

Das Wichtigste in Kürze
- Touristen überfluten die kroatische Insel Ošljak.
- Bewohner klagen über Umweltbelastung und Eindringlinge in die Häuser.
- Die Regierung verbietet nun Ausflugsboote.
Die idyllische Insel Ošljak vor der Küste von Zadar in Kroatien erlebt diesen Sommer einen beispiellosen Ansturm: Eine wahre Flut von Touristen überrollt das winzige Eiland.
Neben der Insel liegen sensible Naturflächen. Die Bewohnenden warnen: Jeder zusätzliche Besucher belastet die Umwelt zusätzlich.
Normalerweise ist die Insel ein friedliches Refugium. Sie ist gerade einmal 0,3 Quadratkilometer gross, was ungefähr 42 Fussballfeldern entspricht. Und auf der Insel leben nur 29 Menschen.
Doch jetzt drängen täglich bis zu 1000 Besuchende auf die Insel. Das Leben der Einheimischen steht Kopf.
Eine Bewohnerin schildert dem kroatischen Nachrichtenportal «24sata» die Spitze des Eisberges: «Der Höhepunkt war, als vor ein paar Tagen ein Fremder ins Haus kam und fragte, wo die Toilette ist».
Touris schnabulieren Obst weg – und hinterlassen Fäkalien
Die Besuchenden dringen nicht nur in die Privatsphäre der Inselbewohnenden ein, sie hinterlassen auch physische Spuren: Abfall und Fäkalien verschandeln das malerische Eiland.
Selbst private Gärten werden nicht verschont: Obst und Gemüse werden abgepflückt, jahrhundertealte Steinmauern beschädigt, berichtet das Portal «Slobodna Dalmacija».
Einige Bewohnende haben bereits beschlossen, die Insel während der Hochsaison zu verlassen!
Gemeinderat Mihovil Valcić macht die illegalen Aktivitäten der Bootsbetreiber für das Chaos verantwortlich: «Diese Boote kommen völlig illegal und unrechtmässig in ein geschütztes Gebiet, und wir sind nur zwei Stufen vom Nationalpark entfernt».
Ošljak ist seit 40 Jahren Landschaftsschutzgebiet und verfügt über keinerlei touristische Infrastruktur. Es gibt keine öffentlichen Toiletten, keine Trinkwasserquellen – nur ein privates Restaurant.
Die Bootsbetreiber profitieren von der Situation. Sie kassieren bis zu 600 Euro (560 Franken) pro Tour bei drei bis vier Fahrten täglich.
Regierung verbietet Ausflugsboote – Anbieter trotzen Verbot
Die Inselbewohnenden haben nun selbst die Initiative ergriffen. Bei einer Protestaktion am Wochenende stellten sie sich den Touristen entgegen: «Ihr werdet nicht auf unsere Insel kommen, sie ist unser Wohnzimmer».
Die Gemeinde Preko hat daraufhin ein vorläufiges Verbot für Ausflugsboote erlassen. Das unterstützt eine der Mehrheit der Bevölkerung.
Die Bootsbetreiber bestreiten die Vorwürfe jedoch weiterhin. Sie halten weiterhin auf Ošljak. Ärger bleibt also weiterhin vorprogrammiert.