Insekten wie die Webspinnen sollen stärker geschützt werden. Ein neues Gesetz will Pestizide, die zum Insekten-Sterben beitragen verbieten.
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Webspinnen bilden ein Netz. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Insekten sollen mit einem neuen Gesetz besser geschützt werden.
  • Das Gesetz sieht ein Verbot für Pestizide und nächtliche «Lichtquellen» vor.
  • Die Bauern wehren sich gegen diese Vorhaben.

Experten warnen, dass Lebensräume von Insekten wie Bienen und Hummeln in Gefahr sind - auch durch Chemie auf den Feldern. Kurz vor der Wahl bringt die Koalition noch ein heftig umstrittenes Gesetzespaket ans Ziel.

Zum Schutz bedrohter Insekten, unter anderem Webspinnen, sollen künftig strengere Vorgaben für die Bauern beim Pestizid-Einsatz greifen.

Das sieht ein Gesetz vor, das der Bundestag nach langem Ringen in der Koalition am Donnerstag beschlossen hat. Damit sollen besonders geschützte Gebiete ausgedehnt und auch Probleme mit nächtlichen hellen Lichtquellen als «Insektenfallen» verhindert werden.

Glyphosat-Ausstieg Teil des Gesetzes

Zum Paket gehören auch Regeln zum Ausstieg aus dem umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat, die der Bundesrat an diesem Freitag besiegeln soll. Landwirte protestieren scharf. Für Mehrkosten sollen sie einen Millionen-Ausgleich bekommen.

«Wer heute die Insekten schützt, sichert die Landwirtschaft von morgen», sagte Umweltministerin Schulze. Insekten wie die Webspinnen seien eine Art «natürliche Müllabfuhr». Durch einen enormen Schwund bei ihrer Anzahl und Vielfalt drohten diese Leistungen aber verloren zu gehen. Und Pflanzenschutzmittel seien bisher eine der wichtigsten Ursachen des Insektensterbens.

Zusätzliche Gebiete zum Schutz von Webspinnen und anderen Insekten

Konkret sollen nun zusätzliche Gebiete unter besonderen Schutz gestellt werden, die wichtige Lebensräume für Insekten sind: Wiesen mit verstreut stehenden Obstbäumen, artenreiche Weiden, Steinriegel und Trockenmauern. In vielen Schutzgebieten soll ausserdem der Einsatz insektenschädlicher Chemikalien wie Holzschutzmittel eingeschränkt werden. Kommen sollen erstmals auch Vorgaben, um «Lichtverschmutzung» einzudämmen - also dass nachtaktive Insekten von Beleuchtung angelockt werden und dann sterben.

So sollen in Naturschutzgebieten neue Beleuchtungen an Strassen und Wegen sowie neue hell strahlende Werbeanlagen verboten werden. «Insektenvernichterlampen», die Tiere wie die Webspinnen mit künstlichem Licht anlocken, sollen ausserhalb geschlossener Räume tabu sein.

Direkt die Landwirte betrifft eine Verordnung, die Agrarministerin Julia Klöckner als zweiten Teil des Pakets beisteuert. Sie beinhaltet Vorgaben für Pflanzenschutzmittel. Sie dürfen nahe grösseren Gewässern nur noch mit zehn Metern Abstand eingesetzt werden. Bei dauerhaft begrünten Uferstreifen gelten fünf Meter Abstand.

Ende für Glyphosat ab 2024

Vorgesehen sind auch Regeln zu einem schrittweisen Ende für Mittel mit dem Wirkstoff Glyphosat. Zuerst soll die Anwendung in Gärten und Kleingärten, Parks und Sportplätzen verboten und auf den Äckern stark eingeschränkt werden. Komplett Schluss damit sein soll dann ab Januar 2024. Dies orientiert sich daran, dass die EU-Genehmigung für Glyphosat Ende 2022 ausläuft, es dann aber noch Übergangsfristen zum Verkauf gibt.

Bauern protestieren gegen die Pläne, nachdem auch schon beim Düngen strengere Vorgaben gekommen waren. Auf den Äckern bedeuten die Beschränkungen grösseren Aufwand fürs Unkrautbeseitigen etwa per Pflug. Der Bund will daher zusätzlich 65 Millionen Euro zweckgebunden für Höfe anbieten, die deshalb Mehrkosten haben.

Schulze betonte, es sei eine faire Lösung gefunden worden, die unterschiedliche Ausgangslagen berücksichtige und verschiedene Wege zum Ziel öffne. Dass Handlungsbedarf besteht, machte das Umweltministerium klar: Das Ausmass des Insektensterbens sei «dramatisch und hinreichend wissenschaftlich belegt» und auch kein lokales Phänomen.

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Pestizide sind unter anderem für Webspinnen ein Problem. - Keystone

Dabei hätten Wespen, Hummeln und Co. wichtige Funktionen - neben der Bestäubung etwa beim Zersetzen pflanzlichen und tierischen Materials und als Nahrung für andere Tiere. Studien zeigten besondere Bestandsrückgänge bei Vögeln, die in der Brutzeit kleine Insekten und Spinnen fressen.

Dabei bekennen sich auch die Landwirte zum Ziel des Insektenschutzes, wie Bauernpräsident Joachim Rukwied deutlich machte. Das Vorgehen attackierte er aber scharf.

Mit diesem «verfehlten» Paket drohten nun pauschale Pflanzenschutzverbote. Landwirtschaft in Schutzgebieten werde in Frage gestellt. «Dies ist ein massiver Vertrauensverlust und eine schwere Hypothek für den kooperativen Naturschutz.» Die Umweltorganisation WWF nannte das Insektenschutzpaket einen wichtigen Schritt, es brauche aber mehr, um Tiere wie die Webspinnen zu schützen.

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