Kreml spricht jetzt von «echtem Krieg» – droht Eskalation?
Kreml-Sprecher Peskow spricht von einem «echten Krieg» mit der Ukraine. Experten halten eine Eskalation für möglich – vielleicht sogar eine nukleare.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Kreml spricht erstmals von einem «echten Krieg» mit der Ukraine.
- Laut einem Experten fühlt sich Russland wegen der Angriffe zunehmend in seiner Existenz bedroht.
- Und das erhöht die Gefahr eines Einsatzes taktischer Nuklearwaffen.
Stets sprach Moskau von einer «militärischen Spezialoperation» in der Ukraine. Wer in Russland das Wort «Krieg» in den Mund nahm, konnte im Gefängnis landen. Doch jetzt verwendet sogar der Kreml diesen Begriff. Experten sind besorgt.
So sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow gegenüber dem Nachrichtenportal «Vesti»: «Es herrscht Krieg, ein echter Krieg.» Die Ukraine sei wegen der Hilfe aus Deutschland, Frankreich und den USA «zu allem fähig».
Diese Aussagen folgen der russischen Argumentationslinie, wie Alexander Libman, Osteuropa-Experte von der Freien Universität Berlin, bei «Focus» sagt. So werde der Krieg als Folge der westlichen Einmischung und als Teil einer grösseren Auseinandersetzung Russlands mit der Nato angesehen.
Militärexperte Markus Reisner sagt: «Wenn Peskow von einem ‹Krieg› spricht, ist das ein Zeichen dafür, dass Russland sich zunehmend in seiner Existenz bedroht fühlt.»
Experte: Zeit drängt für beide Seiten
Der Grund dafür ist die Lage in der Ukraine: Das angegriffene Land habe seine Attacken hochgefahren. Vor allem die Ölinfrastruktur in Russland wird angegriffen, was zu Benzinknappheit und Stromausfällen führt.
Zudem befinden sich die beiden Kriegsparteien in einer Patt-Situation, wie Reisner erklärt: «Russland kann nicht wesentlich vorrücken, die Ukraine verteidigt sich, aber es geht auch nicht bedeutend voran.» Die Zeit laufe beiden Seiten davon.
Für die Ukraine dränge die Zeit: «Noch bis Ende Jahr hat sie Zeit, die Russen an den Verhandlungstisch zu bringen – dann beginnt die kritische Zeit.» Denn in vielen Grossstädten seien wichtige Heizkraftwerke beschädigt oder zerstört.
Auch der Einsatz taktischer Nuklearwaffen ist möglich
Für Russland auf der anderen Seite seien die immer häufigeren Angriffe auf kritische Infrastruktur schmerzhaft. Das schade der russischen Wirtschaft und der Moral der Bevölkerung.
Reisner erklärt: «Russland kennt vier Stufen des Krieges – und wir klettern diese Eskalationsleiter gerade hinauf.» Die Worte «echter Krieg» aus dem Kreml zu hören, sei ein entsprechendes Signal. Russland fühle sich in die Ecke gedrängt und in seiner Existenz bedroht – das erhöhe das Risiko eines Nuklearwaffen-Einsatzes.
Diesen hält Reisner für denkbar, etwa eine Zündung über dem Schwarzen Meer. Dadurch würde sich der Schaden in Grenzen halten. «Aber die Aktion würde eine Schockwelle auslösen.»





















