Proteste gegen Gewalt: «Männer schlagen, der Staat schützt»
In mehreren türkischen Städten wurde gegen Gewalt an Frauen und den möglichen Austritt der Türkei aus der Istanbul-Konvention demonstriert.

Das Wichtigste in Kürze
- In türkischen Städten wurde gegen Gewalt an Frauen protestiert.
- Allein im letzten Jahr wurden 474 Frauen von Männern getötet.
- Die türkische Regierung bespricht zudem den Austritt aus der Istanbul-Konvention.
In mehreren türkischen Städten haben Demonstrierende gegen Gewalt gegen Frauen und die Aufkündigung der sogenannten Istanbul-Konvention demonstriert. Im Istanbuler Stadtteil Kadiköy versammelten sich am Mittwoch Hunderte Menschen und skandierten Slogans wie: «Männer schlagen, der Staat schützt (sie)», wie eine dpa-Reporterin berichtete. Die Demonstrantinnen hielten Schilder mit den Namen getöteter Frauen hoch oder trugen Oberteile mit den Namen der Opfer. In der westtürkischen Metropole Izmir wurden nach Medienberichten mehrere Demonstrantinnen festgenommen.
Gewalt gegen Frauen ist in der Türkei, wie auch in vielen anderen Ländern, weit verbreitet.
Türkei diskutiert über Austritt aus Istanbul-Konvention
Der Mord an der Studentin Pinar Gültekin im Juli hatte die Proteste gegen Femizide (Frauenmorde) noch einmal befeuert. Die Frauen protestierten auch gegen einen Austritt der Türkei aus der Istanbul-Konvention zur Verhütung von Gewalt gegen Frauen. Auf der Demonstration in Istanbul wurden Masken verteilt mit der Aufschrift: «Wendet die Istanbul-Konvention an!»
Die türkische Regierung diskutiert über einen Austritt aus dem Abkommen. Dieses wurde 2011 vom Europarat ausgearbeitet und soll einen europaweiten Rechtsrahmen schaffen, um Frauen vor Gewalt zu schützen. Auch Deutschland hat die Istanbul-Konvention ratifiziert. Im vergangenen Jahr wurden in der Türkei nach Angaben der Plattform «Wir werden Frauenmorde stoppen» 474 Frauen von Männern getötet.