Wasser

    Projekt: Mehr Transporte übers Wasser mit Binnenschiffen

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    Deutschland,

    Auf den Autobahnen stauen sich die Lkw, und in den Städten blockieren Lieferwagen den Verkehr. Dagegen herrscht auf den Wasserstrassen fast nur Ausflugsverkehr. Ein Forschungsprojekt will das ändern.

    Binnenschiffe im Hafen in Niehl. Der Güterumschlag in den nordrhein-westfälischen Binnenhäfen ist im Corona-Jahr 2020 deutlich gesunken. Foto: Oliver Berg/dpa
    Binnenschiffe im Hafen in Niehl. Der Güterumschlag in den nordrhein-westfälischen Binnenhäfen ist im Corona-Jahr 2020 deutlich gesunken. Foto: Oliver Berg/dpa - dpa-infocom GmbH

    Das Wichtigste in Kürze

    • Christian Masilge bringt den Ansatz seines Forschungsprojekts mit einem Satz auf den Punkt.

    «Während die Strassen und Schienenwege zunehmend mit Lieferverkehr verstopft sind, ist der Verkehrsträger Wasserstrasse praktisch ungenutzt», sagt der Geschäftsführer der Schiffbau-Versuchsanstalt Potsdam (SVA).

    Das will die SVA mit ihrem Projekt A-SWARM grundlegend ändern. Ein Verbund autonom gesteuerter Schiffe, die Baumaterialien, Waren und Pakete in der wasserreichen Region Berlin-Brandenburg auf dem Wasserwege zum Bestimmungsort bringt.

    Inzwischen würden selbst grosse Baustellen am Wasser in Berlin nur noch von Lastwagen beliefert, erläutert Masilge. Die SVA will dagegen auf die Lieferwege früherer Zeiten zurückgreifen. «Alle Lieferungen über 10 Tonnen liefen damals mit Schiffen, denn Lastwagen gab es nicht», erklärt der Geschäftsführer. «Städte wie Berlin wurden an Flüssen gebaut, weil man darüber die Baumaterialien wie Holz und Ziegelsteine heranschaffen konnte.»

    Und da will Masilge mit seinem Forschungsprojekt wieder hin. Nicht nur Baumaterialien, sondern auch andere Waren, Pakete oder gar Siedlungsabfälle könnten mit kleinen selbstgesteuerten Booten zunächst in einem Verbund aus der oder in die Stadt gebracht werden, erläutert der Ingenieur. Am Ziel könnten sich die Schiffe aus dem Verbund abkoppeln und Umschlagplätze ansteuern, an denen umweltfreundliche Transportmittel wie Lastenräder oder Elektro-Lastwagen die «letzte Meile» übernähmen. «Damit verbindet man den Vorteil grosser Schiffe, die vergleichsweise weniger Energie brauchen, mit kleinen Einheiten», erläutert der Ingenieur.

    Die autonome Steuerung spare Personalkosten, denn nicht für jede kleine Bootseinheit könnten die vorgeschriebenen zwei Mann Personal beschäftigt werden, erläutert Masilge. Die Firma Infineon sei mit im Forschungsboot, weil neben der Steuerung über Satellitensysteme Sensoren für die direkte Umgebung der Boote notwendig seien. «Dies ist bei einer spiegelnden Wasseroberfläche schwieriger als bei autonom fahrenden Autos die Fahrbahndecke», berichtet der Ingenieur. «Die Künstliche Intelligenzz muss auch erkennen, ob es etwa einen Ball vor sich hat oder den Kopf eines Schwimmers.»

    Die Universität Rostock kümmert sich um die Regelungs- und Steuertechnik und eine Werft in Spandau hat zwei 6 Meter lange und 2,50 Meter breite Prototypen gebaut, die im Frühjahr bereits im 280 Meter langen Versuchsbecken der SVA getestet wurden. Mit zwei weiteren Prototypen will Masilge einen Verbund von vier hintereinander gekoppelten Transportbooten im Sommer erstmals im Berliner Westhafen testen. Das Projekt wird vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert.

    «Zur dringend notwendigen Verkehrswende gehört klimafreundliche, leistungsfähige Schifffahrt», sagt Martin Bastian, der Präsident der Industrieforschungsgemeinschaft Konrad Zuse, der die Potsdamer SVA angehört. «Denn in Binnengewässern und auf See gibt es für umweltgerechte Mobilität noch viel Potenzial.»

    Das sieht auch der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt so. Der Verband verfolge die Forschungen zu den Möglichkeiten der Automatisierung in der Binnenschifffahrt mit grossem Interesse, sagt Verbandsreferent Fabian Spiess. «Langfristig können autonom fahrende Binnenschiffe dazu beitragen, den Gütertransport per Binnenschiff noch effizienter, sicherer und umweltfreundlicher zu machen.» Einzelne Reedereien hätten bereits angekündigt, Schiffe für Erprobungen in Kanalgebieten zur Verfügung zu stellen.

    Spiess verwies auch auf das Projekt «AutoBin» des Entwicklungszentrums für Schiffstechnik und Transportsysteme in Duisburg. Dort soll ein autonom fahrendes Binnenschiff entwickelt werden, das auch ohne menschliches Eingreifen an einem Startpunkt ablegen und am Ziel anlegen kann. Dies soll auf einer Teststrecke in der Nähe von Dortmund erprobt werden.

    Auch das Bundesverkehrsministerium unterstützt die Weiterentwicklung der automatisierten Schifffahrt mit 23 Millionen Euro für die Einrichtung von Testfeldern auf den Bundeswasserstrassen. «Mit unserer Förderung wollen wir die Schifffahrt auf Kurs Richtung Zukunft bringen und die Vorteile des autonomen Fahrens voll ausschöpfen: weniger Unfälle, mehr Verlässlichkeit und Effizienz», erklärt eine Sprecherin. «Nur so können wir es schaffen, die Attraktivität dieses umweltfreundlichen Verkehrsträgers zu steigern und mehr Güter runter von der Strasse auf die Wasserstrassen holen.»

    Das Potenzial reiche vom Fährverkehr bis hin zum Gütertransport in der Binnenschifffahrt, sagte die Sprecherin. So fördere das Ministerium in Kiel das Projektkonsortium CAPTN «Förde Areal» mit 6,5 Millionen Euro. Dieses will die Stadtteile Ost- und West-Kiel über die Förde mit einer teilautonomen Personenfähre verbinden.

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