Mutter vermisster Journalistin: Aus Berlin nur «schöne Worte»
Angehörige der in Syrien vermissten deutschen Journalistin Eva Maria Michelmann haben Deutschlands Kanzler Friedrich Merz aufgefordert, ihre Freilassung zur Chefsache zu machen.

In einem offenen Brief appellierten 160 Unterzeichner auch an den deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und EU-Kommissionspräsidenten Ursula von der Leyen, sich für die Freilassung einzusetzen.
Das Auswärtige Amt, Deutschlands Aussenministerium, hatte in der vergangenen Woche erstmals Kontakt zu der seit drei Monaten vermissten Journalistin aufnehmen können. Nach Angaben der Anwaltskanzlei, die Michelmann vertritt, wurde sie am 18. Januar zusammen mit dem aus der Türkei stammenden kurdischen Journalisten Ahmet Polad in Syrien verschleppt.
Die Mutter der Journalistin, Rotraut Hake-Michelmann, sagte bei einer Pressekonferenz in Köln, sie sei zumindest erleichtert darüber, dass ihre Tochter noch lebe. Vom Auswärtigen Amt habe es bisher allerdings nur «schöne Sprüche» gegeben.
Zwar sei zugesichert worden, dass sich die Botschaft in Damaskus um den Fall kümmere. «Aber das sind schöne Worte. Da müssen Taten folgen.» Allein die Formulierung «Wir bemühen uns» vonseiten der Regierung reiche nicht aus. «Das ist alles so schwammig, das sind Floskeln.»
Michelmanns Bruder, Antonius Michelmann, sagte, seines Wissens habe die Regierung den Fall bisher auf höchster Ebene nicht zur Sprache gebracht. «Wir erwarten, dass die Bundesregierung das zur Chefsache macht. Es ist für uns unbegreiflich, wie die Bundesregierung mit so einem Regime zusammenarbeiten kann ohne ein Wort der Kritik.»
Dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa werde in Berlin der rote Teppich ausgerollt – dieser war Ende März auf Staatsbesuch in die deutsche Hauptstadt gekommen.
Das Auswärtige Amt äusserte sich auf Anfrage zunächst nicht zu der Kritik.
Der Anwalt Frank Jasenski sagte, er vermute, dass Michelmann unter unmenschlichen Haftbedingungen festgehalten werde. Dies müsse klar der jetzigen syrischen Regierung angelastet werden. Sie müsse jetzt sofort freigelassen werden, ebenso wie Polad. Die Haft dauere jetzt schon drei Monate, ohne dass den Betroffenen erlaubt worden wäre, Kontakt zur Aussenwelt aufzunehmen. Eine Isolationshaft von so langer Dauer werde allgemein als Folter angesehen.
Antonius Michelmann sagte, seine Schwester sei «über Stunden und Tage verhört» worden. Es müsse ihr folglich «wirklich dreckig gehen».
Den Angaben zufolge arbeitete die aus Köln stammende Michelmann seit 2022 in Syrien als freie Journalistin. Sie machte sich demnach unter anderem für Frauenrechte stark.














