Spanien will das System zur Überwachung der Corona-Fälle ändern. Doch die Pläne stossen auf viel Widerstand.
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Gesundheitspersonal mit Schutzkleidung auf dem Gelände der Madrider Messe, wo Patienten mit leichten Symptomen behandelt werden. Foto: Eduardo Parra/Europa Press/dpa - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Ministerpräsident Sánchez will die Corona-Fälle wie eine Grippe behandeln.
  • Doch die Lockerung stösst in dem Land auf viel Widerstand.
  • Auch die WHO kritisiert die Pläne der spanischen Regierung.

Eine von der spanischen Regierung angedachte Lockerung der Überwachung der Corona-Infektionen zur Entlastung des überforderten Gesundheitswesens stösst auf viel Widerstand.

«Es gibt Massnahmen, auf die nicht verzichtet werden kann. Bis diese Welle vorüber ist, ist es nicht ratsam, das System zu ändern», sagte der Vizepräsident der Spanischen Gesellschaft für Epidemiologie, Óscar Zurriaga, am Mittwoch im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Der Professor an der Universität Valencia betonte: «Die Pandemie ist noch nicht vorbei und wir wissen nicht, wohin sie uns noch führen wird.» Man könne Covid-19 nicht mit einer Grippe vergleichen. «In einer schlechten Grippesaison kann es bei uns rund 1500 Todesfälle geben.» Bei Corona gebe es weiterhin deutlich höhere Zahlen.

Ministerpräsident will Corona wie Grippe behandeln

Ministerpräsident Pedro Sánchez hatte am Montag im Interview des Radiosenders «Cadena Ser» erklärt, spanische Experten arbeiteten «seit Wochen» daran, Covid-19 etwa wie eine Grippe zu behandeln und die Entwicklung der Infektionsfälle anhand eines Wächtersystems zu überwachen.

Man müsse berücksichtigen, dass Covid-19 sich von einer Pandemie zu einer endemischen Krankheit entwickle, auf die man mit neuen Instrumenten reagieren müssen. Der sozialistische Politiker stellte derweil klar, dass man keinen Alleingang anstrebe: «Wir versuchen, eine Debatte auf europäischer Ebene anzustossen.»

Pedro Sanchez
Pedro Sanchoz bei einer Rede vor den Medien. - keystone

Kritik an der Idee wurde nicht nur in Spanien laut. Auch die WHO Europa sieht die Zeit noch nicht gekommen, die Pandemie zu einer Endemie zu erklären. Während man dabei sei, eine pandemische Krise zu bekämpfen, müsse man sehr vorsichtig dabei sein, die Zukunft vorherzusagen, sagte WHO-Regionaldirektor Hans Kluge am Dienstag. Auf die Frage, ob Omikron die letzte Corona-Welle darstellen könnte, sagte er: «Dieses Virus hat uns mehr als einmal überrascht.»

WHO-Expertin warnt vor Unsicherheit

Auch WHO-Expertin Catherine Smallwood machte klar, man könne noch lange nicht von einer Endemie sprechen, die vor allem von einer stabilen Zirkulation des Virus gekennzeichnet sei. «Wir haben immer noch eine grosse Unsicherheit.» Das Virus entwickele sich sehr schnell und stelle immer wieder neue Herausforderungen.

Spanien erlebte in den vergangenen Wochen einen rasanten Anstieg der Corona-Zahlen, der das Gesundheitswesen und auch andere Sektoren schwer belastet. Die Zahl der Neuinfektionen pro 100'000 Einwohner binnen sieben Tagen, die Mitte Oktober noch einen Jahrestiefstwert von etwa 18 verzeichnet hatte, lag zuletzt bei 1462. Die Wachstumskurve flacht allerdings seit einigen Zagen stark ab.

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