Wasser

Knappheit: So teilt die Schweiz ihr Wasser mit anderen Ländern

Aaron Studer
Aaron Studer

Italien,

Die Diskussion über das Wasser des Lago Maggiore mit Italien verdeutlicht, welche Konflikte internationale Gewässer potenziell mit sich bringen können.

Lago Maggiore
Der Lago Maggiore liegt zum grossen Teil in Italien. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die norditalienische Region Piemont fordert das Tessin auf, mehr Wasser in den Lago Maggiore zu lassen – wegen der Landwirtschaft.
  • «Wasser ist ein grundlegendes Menschenrecht. Danach folgen die Ernährungs- und die Energiesicherheit», sagt Experte Christian Bréthaut.
  • Gemeinsame Kommissionen helfen, um Konflikte an grenzüberschreitenden Gewässern zu entschärfen.

Viele Schweizer Flüsse und Seen fliessen über die Landesgrenzen hinaus. Doch was passiert, wenn das Wasser knapp wird? Und wer entscheidet, wer wie viel bekommt?

Fragen dieser Art können heikel werden, wie ein aktuelles Beispiel zeigt: Der Lago Maggiore liegt zwischen der Schweiz und Italien. Dieses Jahr forderte die norditalienische Region Piemont das Tessin auf, mehr Wasser aus seinen Stauseen in den See abzugeben.

Lago Maggiore
Das Tessin lehnte die Forderung aus Italien ab. - keystone

Der Grund: Der Pegel des Lago Maggiore sei zu tief. Die Landwirtschaft in der Po-Ebene brauche dringend Wasser.

Das Tessin lehnte die Forderung ab. Die Kantonsregierung verwies auf die angespannte Wasserversorgung im eigenen Kanton. Gleichzeitig gibt es im Raum Locarno Bedenken vor Überschwemmungen, sollte der Seepegel steigen.

Lago
Die Statistik zeigt den Wasserstand des Lago Maggiore der letzten 40 Tage. - hydrodaten.admin.ch

Der Konflikt ist bis heute ungelöst, wie SRF berichtet.

Trinkwasser hat Vorrang vor allem anderen

Doch welche Nutzung hat eigentlich Vorrang, wenn Wasser knapp wird?

Christian Bréthaut ist Professor für Wasserpolitik an der Universität Genf. Er erklärt gegenüber dem Tessiner Radio und dem RTS, wie Prioritäten gesetzt werden.

uni Genf
Der Experte sagt: «Wasser ist ein grundlegendes Menschenrecht.» - unige.ch

«Die Prioritäten richten sich nach den sicherheitsrelevantesten Bedürfnissen», sagt Bréthaut. Die Trinkwasserversorgung sei der Eckpfeiler.

«Wasser ist ein grundlegendes Menschenrecht. Danach folgen die Ernährungs- und die Energiesicherheit.»

Ein Problem bleibt laut dem Experten aber bestehen. Genaue Daten über den tatsächlichen Wasserverbrauch in verschiedenen Bereichen fehlen noch immer.

«Wir müssen diese Bedürfnisse verstehen, um zu entscheiden, wann und wie Prioritäten gesetzt werden sollen», so Bréthaut gegenüber RTS.

Kantone stehen bei Krisen an vorderster Front

Neben den Prioritäten stellt sich die Frage: Wer ist bei grenzüberschreitenden Wasserkonflikten zuständig? In der Schweiz gilt das Föderalismusprinzip – Die Kantone regeln vieles selbst, bevor der Bund eingreift.

Sollte der Bund schneller eingreifen?

Experte Bréthaut sieht darin eine Stärke, aber auch Grenzen. Die Kantone seien bei solchen Krisen «an vorderster Front» und würden die Herausforderungen der guten Nachbarschaft am besten kennen.

Sobald lokale Spannungen jedoch zu diplomatischen Fragen würden, müsse der Bund handeln. Er solle die Kantone bei Gesprächen mit den Nachbarstaaten unterstützen, so Bréthaut.

Rhein und Bodensee gelten als Vorbilder

Für viele grenzüberschreitende Gewässer gibt es bereits funktionierende Lösungen. Bréthaut nennt Rhein, Donau und Bodensee als Beispiele. Sie seien «geradezu beispielhaft» für die grenzüberschreitende Wasserbewirtschaftung.

Gemeinsame Kommissionen regeln dort, wie bei Hochwasser, Trockenheit oder schlechter Wasserqualität vorzugehen ist.

Ein Donau-Mittelmeer-Kanal könnte die Geografie des Balkans verändern.
Die Donau sei ein Paradebeispiel für grenzüberschreitende Wasserbewirtschaftung, so Experte Bréthaut. - Keystone

Solche Gremien helfen, Streit frühzeitig zu verhindern.

Diese Strukturen werden laut Bréthaut künftig noch wichtiger. «Mit solchen Vereinbarungen lassen sich Spannungen antizipieren, die sich durch den Klimawandel verschärfen», sagt der Wasserpolitik-Professor.

Der Lago Maggiore zeigt: Wo solche Strukturen fehlen oder unvollständig sind, entstehen Konflikte.

Kommentare

User #5051 (nicht angemeldet)

Teilen. Was wir unseren Kinder lehren, müssen Staaten auch tun.

Trollestia

China hat in der Schweiz einfach Quellen aufgekauft. Das ist der grössere Skandal, als das Teilen mit Nachbarländern!

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