Hilfsbereitschaft in der Corona-Krise gestiegen

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    Deutschland,

    Der Alltag in der Pandemie sei oft nervig, meint der Hamburger Zukunftsforscher Opaschowski. Viele Menschen fühlten sich vom Staat alleingelassen. Doch das macht offenbar auch sozial sensibler.

    Fahrdienste, Babysitterangebote oder Hilfe beim Einkaufen: Die Coronakrise hat - bei allen negativen Aspekten - Untersuchungen zufolge den Zusammenhalt in der Gesellschaft gestärkt. Foto: Oliver Berg/dpa/Archivbild
    Fahrdienste, Babysitterangebote oder Hilfe beim Einkaufen: Die Coronakrise hat - bei allen negativen Aspekten - Untersuchungen zufolge den Zusammenhalt in der Gesellschaft gestärkt. Foto: Oliver Berg/dpa/Archivbild - dpa-infocom GmbH

    Das Wichtigste in Kürze

    • Trotz mancher Gereiztheit hat die Corona-Krise die Deutschen laut einer neuen Umfrage sozial sensibler gemacht.

    In der Untersuchung des Hamburger Zukunftsforschers Horst Opaschowski bejahten drei Viertel (76 Prozent) der 1000 Teilnehmer eine entsprechende Frage. Vor allem Ostdeutsche (85 Prozent) und ältere Menschen über 65 Jahren (80 Prozent) vertreten diese Ansicht, während Westdeutsche (74 Prozent) und die unter 30-Jährigen (68 Prozent) die gesellschaftliche Auswirkung der Corona-Krise etwas skeptischer sehen.

    Gleichwohl ist die Hilfsbereitschaft der Jüngeren nach eigenem Bekunden höher als die der Älteren. Die unter 30-Jährigen stimmten zu 89 Prozent der Aussage zu: «Ich stehe heute schon Freunden und Nachbarn öfter für Hilfeleistungen zur Verfügung.» Die über 65-Jährigen pflichteten dieser Aussage nur zu 79 Prozent bei.

    Insgesamt gaben 86 Prozent der Befragten an, in der Corona-Krise hilfsbereiter geworden zu sein, wobei Ost- und Westdeutsche nur minimal auseinander lagen.

    «Eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung geht verändert aus der Corona-Krise hervor», erklärte Opaschowski. «Hilfsbereitschaft und die Kontaktpflege zu Freunden und Nachbarn werden zu einer neuen Währung, zum sozialen Kitt für das Zusammenleben.» Als Beispiele nannte der Zukunftsforscher Fahrdienste und Einkaufshilfen sowie Telefon-, Besuchs oder Babysitterdienste. «In Not- und Krisenzeiten entsteht Zusammenhalt durch Zusammenrücken», betonte der 80-Jährige.

    Die Umfrage seines Instituts bestätigt mehrere ähnliche Studien aus dem vergangenen Jahr, etwa vom Basel Institute of Commons and Economics oder von der Bertelsmann Stiftung. Der verbreitete Eindruck, dass die Stimmung infolge der Corona-Massnahmen gereizt sei, widerspreche den Studienergebnissen nicht, erklärte Opaschowski. «Im Alltag nervt vieles», sagte der Mitbegründer einer Helferbörse. Auch sein Projekt könne seit Monaten nicht mehr arbeiten.

    «Viele Menschen fühlen sich alleingelassen, insbesondere von den Institutionen. Sie suchen aber erfolgreich die Hilfe des Nahmilieus», konstatierte Opaschowski.

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