Haft nach Pestizideinsatz - Kind stirbt im türkischen Canakkale
In der westtürkischen Stadt Canakkale sind der Leiter einer Insektenbekämpfungsfirma und ein Wohnungsinhaber verhaftet worden, nachdem in der benachbarten Wohnung ein 9-jähriger Junge an einer mutmasslichen Pestizidvergiftung gestorben war.

Wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, hatte der Vater das Kind und seine Mutter am Mittwoch bewusstlos in der Wohnung gefunden und ins Spital gebracht. Die Mutter befinde sich weiterhin im Spital in Behandlung, der Sohn sei gestorben.
Anadolu gibt als mögliche Todesursache den Einsatz von Pestiziden in der angrenzenden Wohnung an. Ein weiterer Mitarbeiter der Schädlingsbekämpfungsfirma wurde nach vorübergehender Festnahme wieder freigelassen.
Pestizide werden in der Türkei häufig eingesetzt, um Bettwanzen oder anderen Insektenbefall in Privatwohnungen zu bekämpfen, doch der Einsatz der Chemikalien ist offiziell streng geregelt. Der Fall einer vierköpfigen Familie aus Deutschland, die im vergangenen Jahr während eines Besuchs in Istanbul in ihrem Hotel vergiftet und kurz darauf gestorben war, löste eine Debatte über die Kontrollen in diesem Gewerbe aus.
Die Familie und die Ärzte im Spital, das sie aufsuchten, waren zunächst von einer Lebensmittelvergiftung ausgegangen. Kurz darauf starben die 27-jährige Mutter und die Kinder im Alter von drei und fünf Jahren. Nach mehreren Tagen auf der Intensivstation starb auch der 38 Jahre alte Vater. Ein Gutachten stellte später eine Vergiftung durch das Pestizid Aluminiumphosphid fest.
Ende Juni verurteilte ein Istanbuler Gericht unter anderem den Hotelbetreiber und die Kammerjäger zu langjährigen Haftstrafen wegen «bewusster fahrlässiger Tötung». Der Anwalt der Familie hatte während des Prozesses gefordert, dass ein hohes Strafmass in diesem Fall auch die staatlichen Verantwortlichen dazu bringen solle, ernsthafte Schritte einzuleiten und stärkere Kontrollen bei solchen Firmen durchzuführen.
Für die Überprüfung der Firmen und Zertifikate ist das Gesundheitsamt zuständig. Eine Recherche des ZDF berichtete von mehr als 30 mutmasslichen Vergiftungsfällen in den vergangenen vier Jahren, wovon die meisten bisher nicht juristisch aufgearbeitet seien.













