Strassenhunde in Türkei eingesammelt - Tierschützer alarmiert
In der Türkei sorgen sich Tierschützer nach einer umstrittenen staatlichen Aktion zur Einsammlung von Strassenhunden um deren Schicksal.

Hunde seien in den Heimen nach Beobachtungen ihrer Organisation teils grausamen Bedingungen ausgesetzt und etwa schutzlos Sonne und Kälte ausgeliefert, sagte Nihal Kasa, Vorsitzende der Tierschutzorganisation Hayfed, der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Die Kapazitäten seien zudem unzureichend, und es sei schlicht unmöglich, alle Hunde unterzubringen. Kasa warf den Behörden zudem unrechtmässige Tötungen und Intransparenz vor. Die zuständigen Ministerien äusserten sich auf Anfrage nicht dazu.
Seit einer umstrittenen Gesetzesänderung vor rund zwei Jahren sind Kommunen dazu verpflichtet, Strassenhunde einzufangen und in Tierheimen unterzubringen. Ziel ist der Regierung zufolge deren Vermittlung, in bestimmten Fällen wie Krankheit oder Aggressivität ist aber auch die Tötung erlaubt.
Innenminister Mustafa Ciftci hatte vergangene Woche erklärt, dass rund 99 Prozent der Strassentiere eingefangen worden seien. Angaben dazu, wie viele Tiere in Heimen untergebracht, vermittelt oder eingeschläfert wurden, machte er nicht.
Bei der Verabschiedung der umstrittenen Gesetzesänderung im Sommer 2024 war die Regierung von rund 4 Millionen Strassenhunden ausgegangen, hatte die Anzahl aber später auf rund 1,2 Millionen nach unten korrigiert.
Im April standen dem rund 459.000 Plätze in Tierheimen und sogenannten natürlichen Lebensräumen entgegen, wie aus einer Antwort des Forstministeriums auf eine parlamentarische Anfrage hervorgeht. Rund 97.000 herrenlose Tiere waren demnach bis dahin an neue Besitzer vermittelt worden. Aktuelle Angaben machte die Regierung auf Anfrage der dpa nicht.
Strassenhunde gehörten in der Türkei bislang vielerorts zum Stadtbild dazu und wurden teils liebevoll von Anwohnern umsorgt. Immer wieder wird aber auch berichtet, dass Rudel von Streunerhunden Menschen angreifen – die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan begründet die Massnahmen auch damit und will die Population eindämmen.
Tierschützern zufolge lässt sich die Strassentierproblematik nachhaltig nur durch Einfangen, gezielte Kastrierung, Impfung und anschliessende Rückkehr der Tiere in ihr Herkunftsgebiet sowie durch eine Eindämmung des Tierhandels lösen.










