Die EU-Kommission will moderne Atom- und Gaskraftwerke indirekt fördern. Manfred Weber, Fraktionschef der Europäischen Volkspartei, unterstützt den Vorschlag.
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Der CSU-Europapolitiker Manfred Weber. - AFP/Archiv

Das Wichtigste in Kürze

  • CSU-Politiker Manfred Weber unterstützt den EU-Vorschlag zu Atom- und Gaskraftwerken.
  • Ohne diese beiden Brückentechnologien werde es in der EU insgesamt nicht gehen, so Weber.
  • Jedes Land müsse seinen eigenen Weg gehen, um klimaneutral zu werden.

Der Chef der grössten Fraktion im Europaparlament hat sich hinter den Vorschlag der EU-Kommission zur indirekten Förderung moderner Atom- und Gaskraftwerke gestellt. «Jeder, der realistisch auf die Energiebedarfe blickt, weiss, dass es ohne die beiden Brückentechnologien in der EU insgesamt nicht gehen wird», sagte der CSU-Politiker Manfred Weber der Mediengruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung.

Die EU habe sich das grosse Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu werden. Nun tue man gut daran zu respektieren, dass jeder seinen Weg gehe, das gemeinsame Ziel zu erreichen.

«Wir Deutschen wollen das ohne Kernkraft und ohne Kohle erreichen. Frankreich möchte den Weg mit Kernkraft gehen. Die Niederlande haben in der Koalitionsvereinbarung vor ein paar Wochen entschieden, zwei neue Atomkraftwerke zu bauen», fügte Weber hinzu.

AKW-Investitionen können nachhaltig sein

Seinen Angaben zufolge steht die bürgerlich-christdemokratische EVP-Fraktion den Vorschlägen der Kommission «mehrheitlich grundsätzlich positiv gegenüber». Zu der Gruppe gehören unter anderem die Europaabgeordneten der CDU und CSU sowie der österreichischen ÖVP.

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Ein Atomkraftwerk in Belgien (Symbolbild). - dpa

Die Pläne der EU-Kommission sehen vor, dass Investitionen in neue AKW als nachhaltig klassifiziert werden können. Dazu müssen die Anlagen unter anderem neuesten Technik-Standards entsprechen und ein konkreter Plan für eine Entsorgungsanlage für hoch radioaktive Abfälle spätestens 2050 vorgelegt werden. Investitionen in neue Gaskraftwerke sollen insbesondere auf Wunsch Deutschlands ebenfalls als nachhaltig eingestuft werden können.

Umweltschützer: Kommission setzt falsches Signal

Hintergrund der Klassifizierung ist die sogenannte EU-Klimataxonomie, die mehr Geld in nachhaltige Technologien und Unternehmen lenken und so wesentlich zur Klimaneutralität Europas bis 2050 beitragen soll. Es wird damit gerechnet, dass sie weitreichende Auswirkungen hat, da sich als nachhaltig eingestufte Projekte deutlich leichter und günstiger finanzieren lassen dürften.

Umweltschützer und Kernkraftgegner werfen der Kommission vor, mit ihren Einstufungsplänen für Atom- und Gaskraftprojekte ein vollkommen falsches Signal zu setzen. Dass der Vorstoss noch gestoppt werden kann, gilt allerdings als unwahrscheinlich. Dazu müssten sich nicht weniger als 20 Staaten zusammenschliessen, die mindestens 65 Prozent der EU-Gesamtbevölkerung vertreten. Oder mindestens 353 Abgeordnete im EU-Parlament.

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