«Ergophobie»: Andrew (32) hat Angst vor Arbeit
Ein 32-Jähriger erzählt von seiner Angst vor Arbeit und verärgert viele Menschen. Dabei arbeitet er als Hochsensibilitäts-Coach teils 80 Stunden pro Woche.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein 32-Jähriger litt auf der Arbeit jahrelang unter Bauchschmerzen und Verspannungen.
- Er diagnostizierte sich selbst eine Ergophobie, die Angst vor Arbeit.
- Laut einer Psychotherapeutin sind vor allem neurodivergente Menschen davon betroffen.
Andrew Tchoumak hat Angst vor Arbeit. Der 32-Jährige leidet unter einer selbst diagnostizierten Ergophobie und ist neurodivergent, wie er auf Instagram mitteilt.
Jahrelang litt er unter der klassischen Lohnarbeit: «Ich hatte jeden Tag auf der Arbeit Bauchschmerzen, ständig Verspannungen und Migräneattacken.» Die Arbeit sei «immer ein Ort der Ohnmacht gewesen».
Unter dem Video, das über 170’000 Aufrufe gesammelt hat, schlägt Tchoumak auch Hass entgegen. Gegenüber der «Frankfurter Rundschau» sagt er: «Ich habe Angst vor Arbeit – und das macht die Leute wütend.»
Doch viele teilen seine Sorgen, haben ähnliche Probleme. Er finde es krass, dass es so vielen Menschen gleich gehe, sagt Tchoumak. Niemand spreche offen darüber, dass Arbeit Angst machen könne. «Die meiste Zeit dachte ich, dass ich selbst das Problem bin.»
Angefangen hat es beim 32-Jährigen bereits in der Schule. Er brach das Abitur und eine Ausbildung zum Fachinformatiker ab. Bei seinen Jobs sei er ständig «zwischen Burn-out und Bore-out gependelt».
Diagnosen hat er zahlreiche erhalten, wie er erzählt: ADHS, komplexe posttraumatische Belastungsstörung, Depression, Angststörung oder auch Sozialphobie.
Auf den Begriff Ergophobie stiess er eines Tages selbst. «Und das beschreibt so gut, wie ich mich fühle.»
Therapeutin: Neurodivergente Menschen besonders oft betroffen
Psychotherapeutin Astrid Neuy-Lobkowicz erklärt in der «Frankfurter Rundschau», dass Ergophobie keine eigene Krankheit sei. «Sondern eher eine Folgeerscheinung von Dauerstress, ausgelöst durch die Angst, auf der Arbeit nicht zu performen.»
Und dieser Stress könne dann zu psychosomatischen Problemen führen. Beispielsweise zu Magenschmerzen oder Verspannungen, wie bei Andrew Tchoumak.
Besonders oft betroffen sind neurodivergente Menschen. Denn Personen mit unbehandeltem Autismus oder ADHS seien öfter mit Versagen, Misserfolgen und Ablehnung konfrontiert.
Doch auch Personen ohne Neurodivergenz können betroffen sein. Oftmals reiche es aber, die Stelle zu wechseln. Genügt dies nicht und dieselben Probleme treten bei verschiedenen Jobs auf, sollte gehandelt werden, sagt Neuy-Lobkowicz.
«Man müsste sich vielleicht fragen, ob es an einem selbst liege», sagt die Psychotherapeutin. «Und gegebenenfalls muss man sich um das eigene ADHS oder andere Ursachen kümmern.»
Andrew Tchoumak hat zwar Angst vor Arbeit, faul ist er aber nicht. Er hat sich als Coach für hochsensible Menschen selbstständig gemacht. Und arbeitet teils 80 Stunden pro Woche.




















