Zum Gleiten und als Schutz: Schnecken ändern ihren Schleim

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Deutschland,

Schnecken können ihren Schleim ändern und so auf verschiedene Situationen reagieren. Die Bänderschnecke hat fünf Schleimarten.

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Schnecken haben verschiedene Schleimarten. - keystone

Kaum ein Tier ist so berühmt für seinen Schleim wie die Schnecke. Viel weniger bekannt ist aber, dass Schnecken ihren Schleim verändern können. Die auch in der Schweiz heimische gewöhnliche Bänderschnecke kommt auf mindestens fünf verschiedene Schleimarten – etwa schmierig, haftend oder reissfest.

Forschende aus zwei verschiedenen Max-Planck-Instituten in Deutschland haben sich die Schleimarten der Bänderschnecke (Cepaea nemoralis) nun genauer angeschaut. Dabei fanden sie heraus, dass jeder Schleim sein ganz eigenes biochemisches Rezept hat, je nachdem, für welche Aufgabe er gedacht ist, wie sie im Fachblatt «Science» schreiben.

Als erste Schleimart nennt das Team um Franziska Jehle vom Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam einen Gleitschleim, welcher der Schnecke die Fortbewegung ermöglicht. Zweitens produzieren die Schnecken einen Haftschleim, der ihr Gehäuse an Oberflächen verankert.

Drittens verfügen die Tiere über einen kalzithaltigen Schutzschleim. Immer wenn die Schnecke in eine Ruhephase eintritt oder Winterschlaf hält, dichtet sie damit ihr Gehäuse ab. Als Viertes nennen die Forschenden einen stark klebrigen, gelben Abwehrschleim, der aussergewöhnlich dehnbar und reissfest ist.

Als fünften und letzten Schleim zählen sie einen schaumigen Schleim auf, der vermutlich Fressfeinde abschreckt. «Es wird angenommen, dass der schaumige Schleim abgesondert wird, um kleine Raubtiere zu ersticken oder sie aus dem Schneckenhaus zu spülen», heisst es in der Studie.

«Schneckenschleim mag auf den ersten Blick unscheinbar wirken, ist aber ein unglaublich vielseitiges Material», erklärt Jehle. «Dass die Schnecke mit den gleichen Grundbausteinen gezielt die Eigenschaften ihres Schleims verändern kann, macht sie für die Forschung so spannend.»

Schleim aus Wasser, Eiweissen, Zucker und Calcium

Denn obwohl sie sehr unterschiedlich aussehen und funktionieren, sind alle Schleime im Grund ein wässriges Eiweissnetz. Eine zentrale Rolle spielt das Protein Kollagen VI, das dem Schleim seine innere Stabilität gibt. Ausserdem befinden sich im Schneckenschleim noch Zuckerstrukturen sowie Kalzium, das dieses Netzwerk zusätzlich verknüpft oder – wenn der Schleim trocknet – zur Bildung harter Mineralstrukturen beiträgt.

Die Zusammensetzung allein ist den Forschenden zufolge aber nicht entscheidend. Auch die Art, wie die Schnecke den Schleim ausbringt und weiterverarbeitet – etwa durch Schichten, Trocknen oder das Einblasen von Luft – verändert seine Eigenschaften stark. So erzeugt die Schnecke den schaumigen Schleim offenbar, indem sie Luft durch die Atemöffnung presst.

Mit 3,5 Metern pro Stunde unterwegs

Die Hain-Schnirkelschnecke war übrigens im vergangenen Jahr das Tier des Jahres in der Schweiz. Sie sei «weit verbreitet, aber wenig beachtet», schreibt die Organisation Pro Natura. Als «Bodenmacherin» nehme sie über ihre raue Raspelzunge tote oder welche Pflanzenteile, Pilze, Moose und gelegentlich Aas auf und führe das organische Material dem Boden zu.

Laut Pro Natura messen die Häuschen der Schnirkelschnecke im Durchmesser etwa 2,5 Zentimeter und sind rechtsgedreht. Sie tragen bis zu fünf dunkle Bänder und sind mal cremig-weiss, mal gelb, mal pastelrot. Da sie – mit 3,5 Metern pro Stunde – ständig auf ihrem Schleimteppich gleiten, könnten sie selbst Messerscheiden unbeschadet überkriechen.

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