Briten-Basis auf Zypern attackiert: Greift nun EU in Iran-Krieg ein?
Irans Drohnenkrieg erreicht Europa. Ein britischer Stützpunkt auf Zypern wurde getroffen – die EU steht plötzlich näher am Konflikt, als ihr lieb ist.

Das Wichtigste in Kürze
- Iran greift mit Raketen und Drohnen Israel sowie US-Verbündete in der Golfregion an.
- Eine iranische Kampfdrohne traf einen britischen Stützpunkt auf Zypern nahe Limassol.
- Ein Experte erklärt, dass die EU-Beistandspflicht hier nicht greife – aus Gründen.
Der Iran schiesst mit voller Wucht zurück. Im Visier der iranischen Raketen und Drohnen stehen neben Israel auch Verbündete der USA in der Golfregion. Darunter die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar.
Doch dann das: In der Nacht auf Montag schickte der Iran eine Kampfdrohne ins Mittelmeer. Der britische Stützpunkt Akrotiri auf der Insel Zypern, in der Nähe der Hafenstadt Limassol, wurde getroffen.
Zyprischen Medien zufolge soll eine «kleine Drohne» auf dem Flugfeld der Militärbasis eingeschlagen sein. Am Montag blieben die Schulen in der Region des Stützpunktes zu – aus Sicherheitsgründen.
EU kennt Beistandsklausel wie die Nato
Laut Zyperns Präsident Nikos Christodoulidis handelte es sich um eine Drohne vom Typ «Shahed». Diese wird hauptsächlich im Iran produziert.
Brisant: Zypern gehört seit 2004 zur Europäischen Union (EU). Und diese kennt eine Beistandsklausel, ähnlich wie das westliche Verteidigungsbündnis Nato.
Die Klausel in Artikel 42 des EU-Vertrags verpflichtet die Länder, angegriffene EU-Partnerstaaten zu unterstützen.
Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur verwies darauf auch Ron Prosor, der israelische Botschafter in Deutschland. «Es gibt eine Beistandsklausel, die eigentlich sagt, weil Zypern Teil von Europa ist, ist es die Verantwortung: Zypern zu verteidigen.»
Er sieht den Angriff auf die Militärbasis als Hinweis darauf, dass Der Iran Europa mit in den Krieg ziehen will.
Experte: «Beistandspflicht wird nicht aktiviert»
Doch: Die Beistandspflicht greift in diesem Fall nicht, sagt Andreas Müller, Professor für Europarecht, Völkerrechte und Menschenrechte an der Universität Basel.
Er sagt zu Nau.ch: «Die angegriffene britische Militärbasis Akrotiri ist gemäss den Zürcher und Londoner Abkommen von 1959 souveränes Territorium des Vereinigten Königreichs und nicht Teil der Republik Zypern. Dementsprechend ist sie auch nicht Teil der EU.»

Die Konsequenz: «Die gegenseitige Beistandspflicht der EU-Mitgliedstaaten nach Art. 42 Abs. 7 EUV wird demnach nicht aktiviert.»
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kommentierte den Angriff in Akrotiri nur in Worthülsen. «Lassen Sie mich klar sagen: Wir stehen gemeinsam, entschlossen und unmissverständlich an der Seite unserer Mitgliedstaaten angesichts jeder Bedrohung», schrieb sie auf Social Media.
Griechenland schickt Kampfjets nach Zypern
Dafür reagiert Zyperns Nachbar Griechenland. Athen verlegte am Montag zwei Fregatten sowie zwei F-16-Kampfflugzeuge nach Zypern. Ausgestattet mit modernen Luft- und Drohnenabwehrsystemen.
Grund für die iranische Attacke auf die Briten-Basis auf Zypern: Das Vereinigte Königreich beteiligt sich an einem defensiven Militäreinsatz gegen den Iran.
Britische Flugzeuge schiessen Drohnen und Raketen nicht nur aus Zypern ab. Sondern auch von der britischen Basis im Golfstaat Bahrain aus.
Die Mittelmeerinsel ist seit dem Angriff in Aufruhr: Ein für am Montag geplantes Treffen der EU auf Zypern wurde kurzzeitig abgesagt. Es wird nun auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.
Edelweiss streicht Flug nach Zypern
Mehrere Airlines strichen am Montag Flüge nach Zypern, darunter auch die Schweizer Fluggesellschaft Edelweiss.

Der weitere Flugplan bleibt ungewiss. Ein Edelweiss-Sprecher sagt zu Nau.ch: «Aufgrund der weiterhin sehr dynamischen Lage lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzen, ob der geplante Flug am Mittwoch durchgeführt werden kann.»
Derzeit befänden sich keine Crewmitglieder in Zypern.
























