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SBB macht Schulreise von ehrlicher Lehrerin zum Horror

Bettina Zanni
Bettina Zanni

Bern,

Kurz vor der Abfahrt merkt eine Lehrerin, dass sie die Tickets für die Schulklasse vergessen hat. Die SBB hilft nicht aus der Patsche – trotz Digitalisierung.

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Die Schulklasse reiste für eine Exkursion von Bern nach Zürich – beinahe ohne Tickets. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Lehrerin kontaktiert die SBB-Hotline, um über ihre Ticket-Panne zu informieren.
  • Trotz digitaler Angaben muss sie nochmals 20 Tickets für die Klassenreise kaufen.
  • Kritiker wünschen sich mehr Flexibilität von der SBB.

Pünktlich stehen die beiden Lehrerinnen mit ihren 20 Schülerinnen und Schülern am Bahnhof Bern. Es geht auf eine Exkursion nach Zürich ins SRF-Fernsehstudio. «Ich schaute noch im Schulzimmer, ob ich alles habe», erinnert sich Lehrerin I.F*.

In einem Instagram-Video schildert sie den Vorfall vom vergangenen Donnerstag.

Doch als der Zug Richtung Zürich einfährt, realisiert sie: Die Billetts hat sie im Schulzimmer vergessen!

Steigen die beiden Lehrerinnen mit der Schulklasse trotzdem ein, droht eine Busse. Für das Reisen ohne gültigen Fahrausweis erhebt die SBB einen Zuschlag von 90 Franken.

Heisst: Der Schulklasse droht eine «Busse» von 2000 Franken, wie die Lehrerin vorrechnet.

Busse droht

I.F. ruft die Hotline der SBB an und hofft, dass diese ihr für die vergessenen Tickets eine Bestätigung ausstellt.

«Da könnten sie nichts machen», habe es dort aber geheissen, sagt die Lehrerin. Steige sie in den Zug ein, bezahle sie für alle Kinder eine Busse, habe die Auskunft gelautet. Die Lehrerin schüttelt den Kopf. «Und das, obwohl sie meine Dossiernummer haben und wissen, dass alles bezahlt und gebucht war.»

Sollte das Ticket-System der SBB flexibler sein?

Ihr bleibt nichts anderes übrig, als am Schalter erneut 20 Tageskarten zu kaufen. Der für die Schulklasse reservierte Zug nach Zürich ist derweil längst abgefahren.

Ob die Klasse den nächsten Zug nehmen kann, muss die Angestellte am Schalter zuerst abklären. Dies habe gefühlt Stunden gedauert, sagt die Lehrerin.

Immerhin: Die Schulklasse hat Glück und kann in den nächsten Zug einsteigen. Mit einer halben Stunde Verspätung kommt die Klasse im Zürcher Leutschenbach an. Froh zeigt sich die Lehrerin auch darüber, dass die SBB ihr den nochmals bezahlten Ticketbetrag erstattete.

«Es wäre schon kein Luxus»

Die Primarlehrerin mit knapp 80'000 Followern auf Instagram will auf Anfrage keine weiteren Auskünfte geben. «In keinster Weise» wolle sie die SBB in Verruf bringen. Inzwischen hat sie den Post gelöscht.

Der Ticket-Horror traf in den Kommentaren unter dem Video aber einen Nerv. «Albtraum. Es nervt mich leider immer wieder, wie unflexibel die SBB ist», schreibt eine Userin.

Eine Lehrerin richtet sich an die SBB. «Liebe SBB – wir Lehrpersonen nutzen sehr gern euren Dienst», schreibt sie. «Aber in Zeiten der Digitalität wäre es schon kein Luxus, wenn man uns etwas entgegenkäme.»

SBB: Geht um Missbrauchsprävention

Die SBB kann den Ärger der Lehrerin nachvollziehen. «Der Fall ist für die Lehrerin und ihre Klasse ärgerlich, das ist verständlich», sagt Mediensprecherin Mara Zenhäusern.

Ein gültiger Fahrausweis müsse bei einer Kontrolle vorgewiesen werden können. Dies gelte grundsätzlich im öffentlichen Verkehr.

Der Grund dafür sei die Missbrauchsprävention. «Tickets sind in vielen Fällen übertragbar oder können weitergegeben werden.»

In diesem Fall könnten die Papiertickets weitergegeben werden. Ohne Vorweisen vor Ort lässt sich nicht zuverlässig prüfen, ob ein Ticket tatsächlich von der berechtigten Person genutzt wird.

Es entspreche somit den geltenden Regeln, dass die Lehrerin die Tickets vor Ort nochmals habe lösen müssen, sagt Zenhäusern.

«Gleichzeitig zeigt der Fall aber auch: Wo möglich, suchen wir im Nachgang kulante Lösungen; wie hier mit der Rückerstattung der doppelt gekauften Tickets.»

Quittung ohne Ticket

Flexibilität zeigte die SBB dafür bei der Ticket-Panne einer Schulklasse aus dem Mittelland, die mit dem Zug Richtung Berner Oberland fuhr. Deren Lehrperson bekam vom SBB-Reisezentrum fälschlicherweise nur die Quittung und die Reservation zugeschickt.

Nach einigen Diskussionen liess das Bahnpersonal die Klasse weiterfahren. Für den Fall einer weiteren Kontrolle stellte es ihr eine Bescheinigung aus.

Dem Wunsch nach Flexibilität in Sachen Tickets kommt die Branchenorganisation Alliance Swisspass nicht nach.

Die ÖV-Branche entwickle ihre digitalen Angebote laufend weiter, sagt Mediensprecher Philipp Bosshard. «Ziel ist es, den Zugang zum öffentlichen Verkehr möglichst einfach und kundenfreundlich zu gestalten.»

Dabei müssten die Anforderungen an Sicherheit und Missbrauchsprävention jederzeit gewährleistet sein. «Deshalb bleibt der in den Tarifbestimmungen verankerte Grundsatz bestehen, dass ein gültiger Fahrausweis bei der Kontrolle vorgewiesen werden muss.»

Diese Regel stellt sicher, dass die Bestimmungen für alle Reisenden gleich angewendet würden.

*Name von der Redaktion geändert

Kommentare

User #2893 (nicht angemeldet)

Schulreisen sollten allgemein nicht mit ÖVs durchgeführt werden, das ist eine Belästigung der übrigen Fahrgäste!

User #1462 (nicht angemeldet)

SBB macht Schulreise von vergesslicher Lehrerin zum Error

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