1342 Kinder in Ceuta stellen Spanien vor Probleme

    Etienne Sticher
    Etienne Sticher

    Spanien,

    Mehr als 1000 unbegleitete Minderjährige kamen nach Ceuta. Die Rückführung nach Marokko ist schwierig, die Überführung auf das Festland ebenfalls.

    ceuta
    Die unbegleiteten Minderjährigen, die nach Ceuta gekommen sind, stellen Spanien auf die Probe. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Mehr als 1000 unbegleitete Minderjährige wurden in Ceuta registriert.
    • Wegen der Schutzpflicht können sie einfach so abgeschoben werden – selbst wenn die Eltern am Grenzzaun warten.
    • Die Überführung auf das Festland wird durch die rechtspopulistische Vox erschwert.

    Die allermeisten Migranten sind nach dem Ansturm auf Ceuta wieder nach Marokko zurückgekehrt. Zurück blieben die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge. Und sie stellen Spanien vor Probleme und auf die Probe.

    Denn diese Flüchtlinge geniessen besonderen Schutz. Abgeschoben werden können sie nicht ohne vorherige Abklärungen. Und Spanien muss gemäss der EU-Charta die Vormundschaft übernehmen.

    1342 Minderjährige wurden gemäss offiziellen Angaben registriert, die meisten sind 16 oder 17 Jahre alt. Laut dem Regionalpräsidenten Juan Jesús Vivas sind die Einrichtungen für geflüchtete Kinder überfordert. Gegenüber TVE spricht er davon, dass die Kapazitäten zu 2600 Prozent überlastet seien.

    Zudem gehen die Behörden davon aus, dass Hunderte Kinder untergetaucht sind. Sie leben nun in den Strassen und Pärken von Ceuta. Sie wurden nicht registriert und nicht in Kinderschutzeinrichtungen gebracht.

    Verfolgst du die Geschehnisse in Ceuta?

    Auf der marokkanischen Seite der Grenze warten unzählige Familien auf ein Lebenszeichen ihrer Angehörigen, die es nach Ceuta gewagt haben. Doch der Schutz der Kinder kann zu komplizierten Situationen führen, wie der Migrationsexperte Mauricio Valente in der «ARD-Tagesschau» erklärt.

    Die Eltern können in Marokko verzweifelt warten, während die Kinder in Ceuta von den spanischen Behörden betreut werden. Die Rückreise über die Grenze zu den Eltern aber ist kompliziert. Spanien darf die Minderjährigen nicht einfach so gehen lassen.

    Die Behörden müssen zuerst abklären, ob es sich bei den Personen wirklich um die sorgeberechtigten Eltern handelt. Anschliessend müssen die Kinder je nach Region zuerst an die marokkanischen Behörden übergeben werden, erklärt Valente.

    Auf diesem Weg könnte Spanien einige der unbegleiteten Minderjährigen abschieben. Doch schätzungsweise zwei Drittel der Kinder kommen nicht aus Marokko, sondern beispielsweise aus dem Senegal, dem Sudan oder Syrien. Ihre Eltern warten nicht am Grenzzaun – und sie können nicht abgeschoben werden.

    Verteilung soll innerhalb weniger Wochen beginnen

    Die spanische Kinder- und Jugendministerin Sira Rego erklärt gegenüber «SRF», dass diese Minderjährigen auf das spanische Festland gebracht werden. Sie hoffe, dass mit dem Transfer innerhalb weniger Wochen begonnen werden könne. Die Flüchtlinge sollen dann auf die Regionen verteilt werden – so wie es das Gesetz vorsieht.

    Doch auch das könnte schwierig werden: In vier von 15 Regionen ist die rechtspopulistische und migrationskritische Vox an der Regierung beteiligt. Vielerorts war die Forderung, keine unbegleiteten Minderjährigen mehr aufzunehmen, ein zentraler Punkt der Koalitionsabmachungen.

    Aus mehreren Regionen aber meldet die konservative Partei PP, dass sie trotz der Abmachungen ihre Verantwortung wahrnehmen wolle. Man werde die Verteilung akzeptieren.

    Kommentare

    User #6391 (nicht angemeldet)

    Die Eltern der 1342 Kinder sollen aufhören Kinder in die Welt zu stellen, die sie nicht ernähren können oder denen keine gute Bildung ermöglicht werden kann. Die Eltern sind schuld, weniger die traurigen Gestalten, die es nach Ceuta geschafft haben.

    User #5253 (nicht angemeldet)

    In unserem kleinen Ort sind viele unbegleitete minderjährige Knaben aus Afrika und Nahost untergebracht. Die haben den ganzen Tag viel Freizeit und sind sehr gut gekleidet. Die Garderobe vieler Einheimischer kann da qualitäts- und modemässig nicht mithalten. Aber irgendwie scheint die Euphorie von 2015 verflogen zu sein. Immer mehr Bürger fragen was das alles kostet und selbst die selbstlosen Bettschwestern die nicht genug von den "putzigen kleinen Flüchtlingen" bekommen konnten, kriegen mittlerweile Angst.

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