Nach Ceuta-Ansturm: Marokkaner suchen vermisste Verwandte
In Marokko warten Familien noch auf Lebenszeichen ihrer Liebsten nach dem Ansturm auf Ceuta. Es ist unklar, wie viele Kinder verschwunden sind.

Das Wichtigste in Kürze
- In Marokko suchen Familien nach den Vermissten nach dem Ceuta-Ansturm.
- Laut Unicef ist unklar, wie viele Kinder verschwunden sind.
- NGOs gehen davon aus, dass auch schutzbedürftige Menschen zurückgeschickt wurden.
Rund 72’000 Menschen stürmten in die spanische Exklave Ceuta. 70’000 sind mittlerweile zurück in Marokko, 99 starben, Dutzende werden vermisst. Deswegen warten verzweifelte Familien in der Stadt Fnideq auf ein Lebenszeichen ihrer Liebsten.
Hadijja beispielsweise ist aus Tanger angereist, wie sie dem «Guardian» schildert. «Ich habe keine Neuigkeiten von meinem Sohn, er nimmt das Handy nicht ab», sagt sie.
Der 23-Jährige war zuvor arbeitslos. Die Mutter vermutet, dass er, ohne es ihr zu sagen, nach Ceuta gegangen ist. «Es ist eine Tragödie.»
Zusammen mit anderen Familien steht sie am Grenzzaun und blickt zu den Menschen, die zurückkehren. Andere zeigen Fotos der Vermissten in der Hoffnung, irgendjemand erkenne sie.
Hoffnung haben die Angehörigen dank positiver Geschichte, wie jener von Fatima. Sie erzählte, dass sie kürzlich von ihrem Bruder, der in Ceuta war, gehört habe.
«Sein Akku war leer», erzählt sie. «Doch gestern konnte er das Handy eines Spaniers ausleihen und mich anrufen. Er meinte, er käme bald zurück. Ich bin sicher, er kommt bald.»
Rund 2000 Menschen sind nach dem Ansturm auf Ceuta nicht nach Marokko zurückgekehrt – darunter 862 unbegleitete Minderjährige. Sie wurden registriert und in ein Aufnahmezentrum gebracht.
Kinder fragen nach Handys, um die Eltern anzurufen
Susana Hidalgo von Unicef Spanien sagt gegenüber «TVE»: «Wir wissen nicht, wie viele Kinder nach dem Grenzübertritt verschwunden sind.»
Sie berichtet von Eltern, die auf der anderen Seite der Grenze warten. Und von 10- und 12-jährigen Kids, die in den Strassen nach einem Handy fragen, um die Familien anzurufen.
Nicht alle Kinder wurden registriert, wie der Fall eines 12-jährigen Jungen vermuten lässt: Spanische Medien teilten ein Video, auf dem zu sehen ist, wie der Knabe von einem Soldaten Richtung Marokko gebracht wird. Erst nach dem Eingreifen von Passanten stoppte der Mann den Versuch, den Jungen über die Grenze zu bringen.
Von den Rückkehrern erzählen einige, sie seien freiwillig zurückgegangen, beispielsweise der 19-jährige Abselam. Er sagt, er habe in Ceuta Angst und Hunger gehabt. «Es lohnte sich nicht, es gibt nicht genügend Jobs für alle», sagt er.
Andere hingegen sagten, sie seien gezwungen worden. Simo erzählt, er und weitere Flüchtlinge seien von Polizisten eingekreist und Richtung Marokko eskortiert worden. «Wir hatten nicht wirklich eine Wahl.»
Das Vorgehen der Behörden wird von spanischen NGOs kritisiert. Sie gehen davon aus, dass auch Migranten zurückgedrängt wurden, die Anrecht auf Asyl gehabt hätten. Doch wegen des Vorgehens sei ihnen nicht die Chance gegeben worden, ihr Recht auf Asyl ausüben zu können.

















