«33'000 Franken pro Veloabstellplatz?»
In der Stadt Bern sollen Millionen in neue Veloplätze fliessen. Doch steht der Aufwand noch im Verhältnis zum Nutzen?

Ich fahre gerne Velo. Und selbstverständlich braucht eine Stadt wie Bern genügend vernünftige Abstellplätze rund um den Bahnhof. Aber irgendwo zwischen vernünftig und völlig losgelöst von jeder finanziellen Bodenhaftung müsste doch noch eine Grenze existieren.
12,46 Millionen Franken soll gemäss Abstimmungsunterlagen das zweite Untergeschoss der neuen Velostation beim Bahnhofzugang Länggasse kosten und Platz für 520 Velos bieten. Macht rund 24’000 Franken pro Stellplatz.
Wobei diese Rechnung das Projekt sogar noch freundlich aussehen lässt: Weil die Rampe ins zweite Untergeschoss im ersten Platz beansprucht, gehen dort 145 bereits vorgesehene Abstellplätze verloren.
Unter dem Strich bringt das 12,46-Millionen-Projekt also gerade einmal 375 zusätzliche Plätze. Das sind gut 33’000 Franken pro zusätzlich geschaffenem Veloabstellplatz.

Man muss sich das einmal bildlich vorstellen: Für 33’000 Franken erhält das Velo nicht etwa eine Wohnung. Keine Stube, kein Schlafzimmer, keine Küche, kein Bad und nicht einmal ein Fenster mit Blick auf die Alpen.
Es bekommt ein Stück nackten Betonboden im zweiten Untergeschoss. Natürlich gehören dazu Rampen, Lüftung, Sprinkleranlage, Videoüberwachung, Brandschutz und der direkte Zugang zu den Perrons.
Aber trotzdem darf die Frage erlaubt sein: Wo hört gute Infrastruktur auf und wo fängt der Preiswahnsinn an? Bund und Kanton sollen rund 5,7 Millionen Franken übernehmen, sodass der Stadt Bern «nur» etwa 6,8 Millionen bleiben.
Doch auch Bundes- und Kantonsmillionen fallen bekanntlich nicht nachts als Goldregen vom Himmel. Es sind ebenfalls Steuergelder. Die Rechnung wird bloss auf weitere Portemonnaies verteilt. Und Bern befindet sich nun wirklich nicht in der beneidenswerten Lage eines Gemeinwesens, das nicht mehr weiss, wohin mit seinem Geld.
Für 2026 ist das Budget zwar auf dem Papier praktisch ausgeglichen, gleichzeitig sollen die verzinslichen Schulden um rund 80 Millionen auf 1,66 Milliarden Franken steigen. Gerade dann müsste man doch bei jeder Investition besonders genau hinschauen, ob Aufwand und Nutzen noch in einem vernünftigen Verhältnis stehen.

Das Problem mit öffentlichem Geld ist halt immer: Wer es verteilt, musste es in der Regel nicht selbst verdienen. Da sitzt das Portemonnaie naturgemäss etwas lockerer.
Aber vielleicht wäre es an der Zeit, dass Gemeinde- und Stadtrat vor dem nächsten Spatenstich nicht nur Baupläne, sondern gelegentlich auch einen Taschenrechner zur Hand nehmen würden. Man kann Veloförderung nämlich durchaus ernst nehmen, ohne dabei die Grundrechenarten im zweiten Untergeschoss zu vergraben.










