EU

    EU-Staaten boxen Verschlüsselungsverbot dank Terroranschlägen durch

    Alexander König
    Alexander König

    Österreich,

    Die Anschläge von Nizza und Wien veranlassen EU-Staaten dazu, längst geplante Überwachungsgesetze durchzusetzen.

    Wien Terror Polizei
    Polizisten in Wien. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die EU arbeitet an einer Aufhebung der sicheren Verschlüsselung in Messenger-Diensten.
    • Durch die Terroranschläge in Wien und Nizza haben sie leichtes Spiel.
    • Geplant waren die Resolutionen jedoch bereits vor diesen Ereignissen.

    «Sicherheit durch Verschlüsselung und Sicherheit trotz Verschlüsselung», so der Name eines geheimen Resolutionsentwurfs, den der EU-Ministerrat am 6. November – wenige Tage nach den Terroranschlägen von Wien am 2. November – verfasst hat. Veröffentlicht wurde das Dokument vom Österreichischen Rundfunk ORF.

    Im Schnellverfahren soll damit quasi ein Verbot von effektiver Verschlüsselung durchgewunken werden. Zwar würden Inhalte in Messenger-Apps wie WhatsApp weiterhin verschlüsselt. Das Zurverfügungstellen eines General-Schlüssels an EU-Regierungen würde jedoch zur Pflicht.

    Damit ein solcher Schlüssel funktioniert, ist eine Hintertür vonnöten. Eine Hintertür, die technisch bedingt von Dritten missbraucht werden kann. Der Nutzen der Verschlüsselung fällt damit ins Wasser.

    Ist es richtig, dass Behörden Zugriff auf private Unterhaltungen erhalten sollen?

    Einsprache unwahrscheinlich

    Die Resolution soll bereits am 19. November in der Ratsarbeitsgruppe zur Kooperation im nationalen Sicherheitsbereich (COSI) verabschiedet werden.

    Vereinte Nationen
    Charles Michel (Bildschirm), Präsident des Europäischen Rates, spricht anlässlich des 75-jährigen Bestehens der UN. (Archivbild) - DPA

    Am 25. November wird die Sache dem Ausschuss der Ständigen Vertreter der EU-Mitgliedstaaten COREPER vorgelegt. «Es sei denn, die Delegationen senden substanzielle Kommentare mit konkreten Formulierungen und Vorschlägen bis zum 12. November ein», heisst es in dem Dokument.

    Versäumnis der Behörden – Digitale Überwachung hätte Anschläge nicht verhindert

    Ohne die Publikation des ORF hätte die Öffentlichkeit wohl erst viel später davon erfahren. Brisant: Bereits am 21. Oktober wurde eine Vorversion des Dokuments verfasst. Dafür, dass die Terroranschläge nur als Vorwand dienen dürften, sprechen auch andere Fakten: So ist inzwischen ohnehin klar, dass diese durch digitale Überwachung nicht hätten verhindert werden können.

    Viel mehr hatten es Behörden versäumt, eindeutigen Hinweisen auf terroristische Aktivitäten Achtung zu schenken. So hatte der Terrorist im Juli versucht, Munition zu kaufen. Dies hatte das slowakische Innenministerium via Europol an Österreich kommuniziert.

    wien Terroranschlag IS
    Der Wiener Attentäter (20) war mazedonischer Doppelbürger. - Instagram/dpa

    Ausserdem wurden mehrere Personen im Umfeld des Täters im Auftrag des deutschen Verfassungsschutzes überwacht.

    Mit Hinblick auf die Terroranschläge schreibt das ORF: «In Brüssel wird so ein Anlass seit 25 Jahren mit schnöder Regelmässigkeit dafür missbraucht, längst geplante Überwachungsvorhaben durchzusetzen.»

    Mehr zum Thema:

    Kommentare

    Weiterlesen

    Terrorangriff in Wien
    10 Interaktionen
    Sonderkommando
    WhatsApp UPC
    12 Interaktionen
    In Deutschland
    Flagge EU
    55 Interaktionen
    Nach BGI-Abfuhr

    MEHR EU

    Mark Carney
    44 Interaktionen
    Montreal
    Kanada EU
    11 Interaktionen
    Montreal/Brüssel
    27 Interaktionen
    Montreal/Brüssel
    Eufor Soldaten
    14 Interaktionen
    Rom/Sarajevo

    MEHR AUS ÖSTERREICH

    Brennbare Dekorationen
    1 Interaktionen
    Wien
    7 Interaktionen
    Wien
    Lachgas
    3 Interaktionen
    Salzburg