Schon wieder wurde ein Journalist der prodemokratischen Tageszeitung «Apple Daily» festgenommen. Er habe gegen das Hongkonger Sicherheitsgesetz verstossen.
Hongkong
Ein Unterstützer von Apple Daily zeigt das Titelbild der «Apple Daily», das den politischen Prozess gegen die Führungskräfte der Zeitung zeigt. (Archivbild) - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Lam Man-Chung war Journalist und Teil der Chefredaktion der Zeitung «Apple Daily».
  • Nun wurde er wegen Verstösse gegen das Hongkonger Sicherheitsgesetz festgenommen.
  • Vergangenen Monat wurden bereits sieben weitere Angestellte in Gewahrsam genommen.

Ein weiterer leitender Journalist der mittlerweile eingestellten prodemokratischen Tageszeitung «Apple Daily» wurde festgenommen. Dies wegen angeblichen Verstösse gegen das Hongkonger Sicherheitsgesetz. Das berichteten mehrere Hongkonger Medien übereinstimmend.

Lam Man-Chung, ein ehemaliges Mitglied der Chefredaktion, wurde am Mittwoch von Beamten der nationalen Sicherheitspolizei in Gewahrsam genommen. Lam ist bereits der achte leitende Angestellte der Zeitung, der seit dem vergangenen Monat festgenommen wurde. Die «Apple Daily» hatte im Juni nach 26 Jahren ihre letzte Ausgabe veröffentlicht. Dies, weil der Druck der Behörden zu gross geworden war.

Bankguthaben der Zeitung wurde eingefroren

Der Betrieb konnte nicht aufrechterhalten werden, da Bankguthaben des Unternehmens eingefroren wurden. Die Polizei unterstellt der «Apple Daily», andere Staaten zu Sanktionen gegen China und Hongkong zu bewegen. Dafür gäbe es stichhaltige Beweise in mehr als 30 der veröffentlichten Artikel.

Die Rede war von einer «Verschwörung mit dem Ausland». Kritiker sprachen vom Ende der Pressefreiheit in der chinesischen Sonderverwaltungsregion. Das sogenannte Sicherheitsgesetz war im vergangenen Jahr als Reaktion auf anhaltende Proteste eingeführt worden.

Apple Daily
Die letzte Ausgabe von «Apple Daily». - AFP/Archiv

Dutzende Festgenommene müssen sich wegen Anklagen nach dem ebenso vage gehaltenen wie weitreichenden Gesetz noch vor Gericht verantworten. Eine ganze Reihe Hongkonger Aktivisten hat sich aus Angst vor Strafverfolgung in andere Staaten abgesetzt.

Seit dem 1. Juli 1997 gehört die frühere britische Kronkolonie wieder zu China. Und soll eigentlich nach dem Grundsatz «Ein Land, zwei Systeme» eigenständig regiert werden. Auch wurde den sieben Millionen Hongkongern damals Versprechen gemacht.

Sie sollten über 50 Jahre noch bis 2047 «ein hohes Mass an Autonomie» und viele politische Freiheiten geniessen zu können. Seit dem Erlass des Sicherheitsgesetzes reden viele aber nur noch von «Ein Land, ein System».

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