Rund um den Flughafen in Kabul herrscht weiterhin Chaos. Sieben Afghanen sind in einem Gedränge ums Leben gekommen.
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Hunderte von Menschen versammeln sich in der Nähe eines C-17-Transportflugzeugs der US-Luftwaffe am Rande des internationalen Flughafens in Kabul, Afghanistan. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Weiterhin herrscht Chaos am Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul.
  • Das US-Militär befürchtet nun einen IS-Anschlag.
  • Im Gedränge sind sieben Afghanen ums Leben gekommen.

Sieben Menschen sind im Gedränge rund um den Flughafen in der afghanischen Hauptstadt Kabul gestorben, wie das britische Verteidigungsministerium am Sonntag mitteilte. Ein Sprecher bezeichnete die Bedingungen vor Ort als «nach wie vor äusserst schwierig».

«Unsere Gedanken sind bei den Familien der sieben afghanischen Zivilisten, die leider in der Menschenmenge in Kabul ums Leben gekommen sind», fügte der Sprecher hinzu. London bemühe sich, die Lage «so sicher wie möglich zu gestalten».

Eine Woche nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan hoffen dort weiterhin Zehntausende verzweifelte Menschen auf ihre Evakuierung durch westliche Staaten. Die Bundeswehr teilte am späten Samstagabend mit, sie habe inzwischen mehr als 2130 Menschen aus Kabul ausgeflogen. Die US-Streitkräfte brachten nach Angaben des Pentagons seit Beginn ihrer Mission am Samstag vergangener Woche 17'000 Menschen über die Luftbrücke in Sicherheit. Das Chaos vor dem Flughafen dauerte an.

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Blick auf die afghanisch-iranische Grenze in Herat im Jahr 2010.
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Menschen laufen am 18. August 2021 durch den Sicherheitsbereich an der afghanisch-pakistanischen Grenze in Chaman.
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Kämpfer der Taliban patrouillieren mit einem Auto am 17. August 2021 durch Kandahar.
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Menschen versammeln sich am 17. August 2021 vor dem internationalen Flughafen Hamid Karzai in Kabul, um vor den Taliban aus Afghanistan zu fliehen.
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Kämpfer der Taliban patrouillieren am 18. August 2021 durch Kabul.

Die Evakuierung von Schutzsuchenden durch die Bundeswehr geriet am Samstag inmitten der chaotischen Verhältnisse am Flughafen zwischenzeitlich ins Stocken. Mehrere Flugzeuge der Bundeswehr konnten nur wenige Menschen an Bord nehmen. Die Lage gestalte sich weiterhin schwierig, teilte die Bundeswehr am Samstagabend mit.

Mehrere Kinder am Flughafen Kabul vermisst

Im Gedränge der Tausenden Menschen am Flughafen Kabul in Afghanistan sind nach Berichten örtlicher Medien mehrere Kinder verloren gegangen. So kümmert sich einer Reportage des Fernsehsenders Ariana News zufolge eine Familie aus der Hauptstadt seit einer Woche um ein Kind im Grundschulalter, das es am Flughafen im Stacheldraht festhängend gefunden hatte. Bis heute seien die Eltern trotz vieler Bemühungen nicht auffindbar, sagte die Familie.

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Die Evakuierungsflüge am Airport von Kabul laufen auf Hochtouren.
Taliban Afghanistan
Die Taliban haben bei den Eingängen zum Flughafen Kontrollpunkte eingerichtet und lassen laut Berichten keine Afghanen mehr durch.
Flughafen Kabul
Vor dem Flughafen befinden sich laut Berichten bis zu 50'000 Menschen.
Taliban USA
Die Taliban haben die Kontrolle über Kabul übernommen – einzig der Flughafen wird vom US-Militär geleitet.
Flugzeug Kabul
Offenbar gelingt es vielen Militärs nicht, ihre Evakuierungsflugzeuge vollständig auszulasten.

Der etwa sechs Jahre alte Junge habe gesagt, er sei mit den Eltern zum Flughafen gefahren, um das Land zu verlassen. Sein Vater sei vorgegangen, dann sei er selbst aber hingefallen. Kurz darauf habe er beide Elternteile nicht mehr sehen können. Auch lokale Journalisten berichteten in sozialen Medien, dass Menschen Fotos von vermissten Kindern am Flughafen anbringen.

US-Militär warnt vor möglichem IS-Anschlag

Der Sender CNN berichtete am Samstag unter Berufung auf ungenannte US-Verteidigungsquellen von der Gefahr eines Anschlags der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf den Kabuler Flughafen und dessen Umgebung. Das US-Militär bemühe sich daher, Amerikanern, anderen Ausländern und afghanischen Mitarbeitern der US-Regierung «alternative Routen» zum Flughafen aufzuzeigen.

Die Taliban seien sich der Bemühungen bewusst und stimmten sich mit den US-Vertretern ab. Die Taliban und der regional aktive Zweig des IS sind tief verfeindet und haben in der Vergangenheit gegeneinander gekämpft.

Botschaften raten von Reise zum Flughafen ab

Die deutsche und die amerikanische Botschaft in Kabul rieten ihren Staatsbürgern am Samstag von Versuchen ab, den Flughafen zu erreichen. «Derzeit ist es grundsätzlich sicherer, zu Hause oder an einem geschützten Ort zu bleiben», schrieb die deutsche Botschaft an Landsleute. Die US-Botschaft rief Amerikaner dazu auf, den Flughafen aufgrund möglicher Sicherheitsbedrohungen zu meiden.

Das Zeitfenster für weitere Evakuierungen aus Kabul wird immer kleiner. Die USA wollen eigentlich zum 31. August den Abzug ihrer Truppen abschliessen. Eine Fortführung des Evakuierungseinsatzes ohne die USA gilt als ausgeschlossen.

Die Bundeswehr verlegte zwei Hubschrauber nach Kabul, um mehr Möglichkeiten bei den Evakuierungen zu haben. Die wendigen Helikopter kamen am Samstag in Kabul an und sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums einsatzbereit.

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