Mann klagte wegen Lärm: Geburtshaus muss wichtigen Raum schliessen

Simon Binz
Simon Binz

Deutschland,

Ein Geburtshaus im deutschen Trier darf einen zentralen Raum nicht mehr für Geburten nutzen. Ein Anwohner hatte wegen zu lauter Schreie geklagt – mit Erfolg.

Frauengesundheit
Die Geburt kann etwas sehr schönes sein – einem Anwohner eines Geburtshauses in Trier (D) ist das Wunder aber zu laut (Symbolbild). - Depositphotos

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Anwohner eines Geburtshauses in Deutschland ist wegen der Schreie vor Gericht gezogen.
  • Der wichtigste Raum mit Wanne darf deshalb nicht mehr genutzt werden.
  • Besonders tragisch: Das Geburtshaus kann nun weniger Familien aufnehmen.

Im Geburtshaus in der Stadt Trier bringen auch Familien aus dem Nordsaarland ihre Kinder zur Welt. Doch ausgerechnet das Herzstück der Einrichtung steht nun nicht mehr für Geburten zur Verfügung. Der Grund ist eine Lärmbeschwerde eines Anwohners.

Er fühlte sich durch die Schmerzschreie der gebärenden Frauen gestört und zog vor Gericht. Das Verfahren landete beim Verwaltungsgericht – und brachte das Geburtshaus-Team in Bedrängnis. Darüber berichtet die «Tagesschau».

Stören Sie sich an Schreien bei einer Geburt in der Nachbarschaft?

Obwohl es letztlich kein formelles Urteil gab, wurde im Verfahren deutlich signalisiert, dass der Raum künftig nicht mehr genutzt werden dürfte. Laut der Trierer Bürgermeisterin Britta Weizenegger drohte im schlimmsten Fall sogar der Entzug der gesamten Baugenehmigung – und damit die Schliessung der Einrichtung.

Über 15'000 Euro in Geburtsraum investiert

Um dieses Risiko zu vermeiden, einigten sich die Stadt und der Kläger auf einen Kompromiss: Der Raum darf künftig nur noch für Vorsorgeuntersuchungen genutzt werden, nicht mehr für Geburten.

Für das Team des Geburtshauses ist das ein schwerer Schlag. Fachliche Leiterin Sarah Wolff sagte, man habe die Nachricht zunächst kaum glauben können. Besonders für werdende Familien sei die Situation schwierig.

Dabei ist der betroffene Raum zentral für die Arbeit der Hebammen. Über 15'000 Euro investierte das Team in die Einrichtung. Der Raum verfügt über eine Geburtswanne – und genau diese wurde von den meisten Familien genutzt.

Geburtshaus Tier
Das Geburtshaus Tier (D) darf wegen einer Klage eines Anwohners einen wichtigen Raum künftig nicht mehr für Geburten nutzen. - Screenshot/SR

Nach Angaben der Leitung entschieden sich rund 90 Prozent der Frauen im Geburtshaus für eine Wassergeburt in diesem Raum. Ohne ihn können nun weniger Geburten betreut werden.

Geburtshaus sucht mit Stadt nach Lösung

Die Einrichtung befindet sich im vierten Stock einer Seniorenanlage der Arbeiterwohlfahrt. Trotz der aktuellen Einschränkung will das Team am Standort festhalten. Gemeinsam mit der Stadt wird nun geprüft, ob sich eine Lösung finden lässt, um den Raum doch wieder für Geburten nutzen zu können.

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Kommentare

User #6342 (nicht angemeldet)

Ich bin zwar auch Mutter verstehe aber dass es nicht angenehm ist in einem Zuhause täglich solche Schreie hören zu müssen. Jeder möchte daheim entspannen können in Ruhe herunter fahren. So eine Einrichtung sollte halt nicht in Wohngebiet sein. Denn es gibt wirklich Frauen die etwas laut sind während der Geburt sehr sehr laut sind. Ich erlebte das im Spital neben an gab es so eine laute Geburt was ich hörte und dachte was kommt da auf mich zu stirbt man da fast dass man so schreien muss. Im Nachhinein wusste ich es kann sehr sehr laut werden muss aber gar nicht so sein. Ich möchte das in meinem Zuhause auch nicht hören. Dieser Raum ist einfach am falschen Ort

User #5561 (nicht angemeldet)

Warum lasst ihr euch nicht einfach von einem Spezialisten für Raumakustik beraten? Es gibt mittlerweile zahlreiche Lärmschutz-Installationen und klangisolierende Materialien, die sich innerhalb eines einzigen Tages an den Wänden montieren lassen, wodurch das Problem gelöst wäre. Auch neue Fensterdichtungen isolieren Geräusche effektiv. Wir können kaum glauben, was in den Zeitungen steht – dass ihr den Raum angeblich gar nicht mehr nutzen könnt –, denn heutzutage lässt sich wirklich jeder Raum mit entsprechenden Materialien klangtechnisch abdichten, wie man es aus der Musikwelt kennt. Es gibt genügend Experten wie Innendekorateure, Architekten und Handwerker, die euch helfen könnten, die Sache innerhalb weniger Tage zu erledigen. Sollte dies zu teuer werden, initiiert doch ein Crowdfunding; die Medien, die euren Bericht bereits in ganz Europa verbreitet haben, hätten sicher ebenfalls ein Interesse daran.

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