Studie: Vernetzte Autos geben mehr Daten preis als erwartet
Moderne Autos sammeln offenbar deutlich mehr persönliche Daten als bisher angenommen. Viele Fahrzeuge und die dazugehörigen Smartphone-Apps geben einer Studie zufolge Informationen über ihre Nutzer an externe Unternehmen weiter. Darunter befinden sich auch sensible Daten wie der Standort des Fahrzeugs.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Northeastern University in Boston und der US-Konsumentenschutzorganisation Consumer Reports. Die Forscher analysierten 21 neuere Automodelle von 19 Marken und 30 offizielle Apps der Hersteller.
Dabei zeigte sich, dass 19 der 21 Fahrzeuge über WLAN mindestens einen Drittanbieter kontaktierten. Bei den Smartphone-Apps war die Datenweitergabe noch ausgeprägter: 28 der 30 untersuchten Anwendungen übermittelten Informationen an Werbe- oder Analyseunternehmen. Sieben Apps gaben dabei sensible Identifikations- oder Standortdaten weiter.
Zu den übermittelten Informationen gehörten E-Mail-Adressen, Standortdaten und Fahrzeugidentifikationsnummern. Letztere sind jedem Auto dauerhaft zugeordnet und lassen sich nicht zurücksetzen.
Durch die Verknüpfung solcher Informationen könnten Datenhändler einzelne Fahrer identifizieren und deren Aktivitäten auch auf anderen Internetdiensten verfolgen. Zu den Empfängern der Informationen sollen grosse Technologiekonzerne und Werbeunternehmen gehören, darunter Google, Meta und Microsoft sowie auf den Handel mit Daten spezialisierte Firmen.
Der japanische Autobauer Honda hat nach Bekanntwerden der Untersuchung bereits Konsequenzen gezogen. Der Konzern habe seinen Datendienstleister Amplitude angewiesen, erhaltene Standortdaten zu löschen, erklärte ein Sprecher gegenüber der Northeastern University laut Mitteilung. Zudem sei die Fahrzeug-App Hondalink angepasst worden, damit keine Standortdaten mehr an den Dienstleister übermittelt würden.
Mehrere Autohersteller verteidigten ihre Praxis. General Motors, Nissan und Stellantis betonten in Stellungnahmen, dass externe Dienstleister die erhaltenen Kundendaten vertraglich weder eigenständig nutzen noch verkaufen dürften. Verschiedene Hersteller verwiesen zudem darauf, dass Kunden der Datenweitergabe bei der Nutzung vernetzter Dienste zustimmten.
Die Forscher kritisieren hingegen, dass Autobesitzer kaum eine Wahl hätten. Wer die Datenweitergabe verhindern wolle, müsse auf vernetzte Fahrzeugfunktionen verzichten oder die Nutzungsbedingungen trotz Bedenken akzeptieren. Sie fordern deshalb eine stärkere Kontrolle des Umgangs mit persönlichen Daten in vernetzten Autos.














