Israels Armee: Einwohner von Kusra bleiben in Häusern
Unklare Lage um einige von israelischen Siedlern belagerte Wohnhäuser einer palästinensischen Familie im Westjordanland: Israels Armee ist weiter in dem Ort Kusra im Einsatz, wo radikale Siedler seit Tagen verharren. Das Militär teilte mit, die palästinensischen Einwohner sollten in ihren Häusern bleiben.

Zuvor hatte es von palästinensischer Seite geheissen, die Familie sei zur Evakuierung gezwungen worden. Israelische Medien berichteten, die Armee habe einen entsprechenden Räumungsbefehl wieder rückgängig gemacht. Es sei kein Einsatz der Soldaten in dem Wohnhaus der palästinensischen Familie vorgesehen, hiess es in der Mitteilung der Armee. Sie seien in Kusra, um für Sicherheit zu sorgen.
Die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa berichtete, das Militär sei mit einem grossen Aufgebot in die Ortschaft Kusra im nördlichen Westjordanland eingerückt und habe dort 16 weitere Häuser in Militärbaracken verwandelt.
Der Dorfvorsteher Abdul Asim al-Wadi sagte Wafa, mehrere Militärfahrzeuge und ein Bulldozer seien in den frühen Morgenstunden in den Ort gekommen. Nach Angaben der «Times of Israel» sollten sie die Siedler, die seit Sonntag die Wohnhäuser einer palästinensischen Familie mit zwei Kindern blockierten, zum Abzug bewegen.
Laut einem Bericht der Zeitung hatte das Militär zuvor Zelte der Siedler in dem Ort entfernt, es hielten sich jedoch weiterhin mehrere von ihnen dort auf.
Die israelischen Streitkräfte teilten mit, in der Nacht seien in dem Gebiet «zwei illegale Aussenposten» geräumt und Ausrüstung beschlagnahmt worden. Ein Israeli sei festgenommen worden.
Der als sehr proisraelisch geltende US-Botschafter Mike Huckabee nannte die Siedler in Kusra in einem Post auf der Plattform X «israelische Terroristen». Er schrieb: «Die Handlungen derjenigen, die diesen schrecklichen Terrorakt verübt haben, der darauf abzielte, diese Familie einzuschüchtern und zu schikanieren, sind widerlich.» Es gebe keine Entschuldigung für «ein solch brutales, rüpelhaftes Verhalten». Die USA hätten Israels Militär und Polizei aufgefordert, die radikalen Siedler aus Kusra zu entfernen.
In den vergangenen Jahren hat die Gewalt israelischer Siedler gegen Palästinenser im Westjordanland zugenommen. Dem israelischen Militär wird immer wieder vorgeworfen, nicht entschlossen genug gegen solche Angriffe vorzugehen. Nur selten wird darüber berichtet, dass Siedler nach Attacken zur Rechenschaft gezogen werden.
Das palästinensische Aussenministerium erklärte, die Eskalation von «Siedler-Terrorismus» sei eine direkte Folge des Schutzes, des politischen Rückhalts und einer vollständigen Straffreiheit, die Regierung und Militär gewährten.
Israel hatte im Sechstagekrieg 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert. Dort leben heute inmitten von drei Millionen Palästinensern rund 700.000 israelische Siedler. Die Palästinenser beanspruchen die Gebiete für einen eigenen Staat. Israel lehnt dies ab.
Aus internationaler Sicht sind alle israelischen Siedlungen im Westjordanland illegal – unabhängig davon, ob sie von der israelischen Regierung genehmigt wurden oder nicht. Die Vereinten Nationen (UN) sehen die Siedlungen als Hindernis für eine Zweistaatenlösung.














