Angriffe auf Trinkwasser-Anlagen «definitiv ein Kriegsverbrechen»
Mit seinen Drohungen gegen zivile Infrastruktur im Iran-Krieg sorgt US-Präsident Trump für Kritik. Völkerrechtsexperten sehen darin mögliche Kriegsverbrechen.

Das Wichtigste in Kürze
- US-Präsident Trump hat seinen Ton verschärft. Er droht dem Iran erneut mit Angriffen.
- Experten sehen in seinen Drohungen ein völkerrechtswidriges Vorgehen.
- Bombardiert Trump Entsalzungsanlagen oder Kraftwerke, wären das Kriegsverbrechen.
Der Krieg im Iran dauert weiter an, ein Ende ist nicht in Sicht. Nach einem Angriff auf die wichtige Autobahnbrücke «B1» in Karadsch, unweit der Hauptstadt Teheran, verschärft US-Präsident Donald Trump seine Rhetorik.
Am späten Donnerstagabend schrieb er auf seiner Plattform Truth Social: Die US-Armee habe «noch nicht einmal damit begonnen, das zu zerstören, was in Iran noch übrig ist».
«Als Nächstes sind die Brücken dran, dann die Kraftwerke!», fügte er an.
Stephen J. Rapp, ehemaliger US-Botschafter für Kriegsverbrechensfragen, zeigt sich derweil alarmiert. Mit solchen Drohungen riskiere Trump, die USA in einen «Schurkenstaat» zu verwandeln, sagt er gegenüber «NBC News».
Drohungen könnten Tatbestand eines Kriegsverbrechens erfüllen
Trumps Ankündigungen, Kraftwerke und Entsalzungsanlagen im Iran ins Visier zu nehmen, folgen auf ein Ultimatum.
Er forderte den Iran vergangene Woche auf, die Strasse von Hormus unverzüglich «für den Verkehr» freizugeben. Sonst würde es alles «in die Luft jagen», drohte der US-Präsident.
Für Rapp und zwei weitere Völkerrechtsexperten ist klar: Solche Drohungen könnten den Tatbestand eines Kriegsverbrechens erfüllen.
Besonders deutlich wird Rapp bei der Trinkwasser-Infrastruktur. Ein Angriff auf Entsalzungsanlagen wäre «definitiv ein Kriegsverbrechen».
Millionen Menschen im Nahen Osten sind auf diese Anlagen angewiesen, um Zugang zu Trinkwasser zu haben. Kenneth Roth, ehemaliger Geschäftsführer von Human Rights Watch, äussert sich ebenfalls unmissverständlich: «Auch Angriffe auf Kraftwerke sind Kriegsverbrechen.»
Zwar verfüge der Iran über ein einheitliches Stromnetz, das sowohl vom Militär als auch von der Zivilbevölkerung genutzt werde. Doch der Schaden für die Zivilbevölkerung stehe «eindeutig in keinem Verhältnis zu jeglichem militärischen Nutzen».
Was der Angriff auf die Mädchenschule ein Kriegsverbrechen?
Als Kriegsverbrechen gelten schwere Verstösse gegen das humanitäre Völkerrecht. Dazu zählen unter anderem Angriffe auf Spitäler, Schulen oder humanitäre Hilfseinsätze.
Ein möglicher Fall aus dem aktuellen Konflikt ist der Angriff auf eine Mädchenschule in Minab am 28. Februar 2026. Rund 170 Menschen, darunter hauptsächlich Kinder, starben.
Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass sich das US-Militär auf veraltete Zieldaten gestützt haben könnte. Diese hätten die ehemalige Militäreinrichtung fälschlicherweise als Ziel ausgewiesen. Wer letztlich verantwortlich ist, bleibt jedoch unklar.
Washington weist Vorwürfe zurück
Trump selbst stellte wiederholt in Aussicht, zivile Infrastruktur als «Vergeltung» für getötete US-Soldaten anzugreifen.
Das Weisse Haus spielt die Einschätzung, die USA könnte während ihren Angriffen Kriegsverbrechen begangen haben, bisher herunter. Die militärischen Operationen dienten dazu, die Region langfristig sicherer und stabiler zu machen.
General Dan Caine, Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs, lobte das US-Militär während einer Pressekonferenz als «die professionellste Streitkraft der Welt». Es verfüge über «zahlreiche Prozesse und Systeme, um die gesamte Bandbreite an Überlegungen sorgfältig zu berücksichtigen». Von «zivilen Risiken bis hin zu rechtlichen Erwägungen».
Karoline Leavitt, Pressesprecherin des Weissen Hauses, doppelte nach: Das US-Militär handle stets im Rahmen des Gesetzes.





















