Energieanlagen im Iran-Krieg beschädigt: Diese Folgen drohen
Im Iran-Krieg werden auch immer wieder Energieanlagen attackiert und beschädigt oder zerstört. Das wirkt sich auf den Öl- und Gaspreis aus. Auch in der Schweiz.

Das Wichtigste in Kürze
- Im Iran-Krieg werden immer wieder Energieanlagen wie Gas- und Ölfelder beschossen.
- Dies sowie geschlossene Handelsrouten treiben den Ölpreis aktuell weltweit in die Höhe.
- Sollte der Ölpreis weiter hoch bleiben, könnte dies auch der Schweizer Wirtschaft schaden.
Seit über einem Monat ist der Iran-Krieg in vollem Gang.
Gestartet wurde er durch Angriffe von Israel und den USA auf den Iran. Daraufhin folgten Vergeltungsschläge des Mullah-Regimes.
Mittlerweile hat sich der Krieg jedoch auf die ganze Region ausgeweitet. Die Golfstaaten und Irak – wo US-Militärbasen stehen – werden vom Iran immer wieder beschossen.
Derweil greift Israel im Libanon Hisbollah-Stellungen an, weil die Miliz Israel angreift. Auch eingemischt hat sich derweil die pro-iranische Huthi-Miliz aus Jemen. Auch sie attackiert Israel.
Ölpreisanstieg wegen Angriffen und Blockade von Handelsrouten
Längst spürt man auf der ganzen Welt die Auswirkungen des Krieges. Sei es betreffend Tourismus und Reiseverkehr oder wegen der massiv gestiegenen Energiepreise.
Denn: Der Iran kontrolliert derzeit die Strasse von Hormus, eine wichtige Schifffahrts-Handelsroute für Öl und Gas. Und die Huthi drohen, das selbe in der Meerenge von Bab-el-Mandab zu tun.

Zudem werden Energieanlagen – sowohl durch den Iran, aber auch durch Israel – immer wieder beschossen. Werden sie dabei beschädigt oder gar zerstört, hat dies ebenfalls Auswirkungen auf den Energiepreis.
«Angriffe auf Ölanlagen sind in der Regel tabu»
Ein Problem, das bis in die Schweiz nachhallt. Auch hierzulande bekommt man die gestiegenen Energiepreise zu spüren. Tanken ist teurer geworden, selbst die Treibstoffabgabe auf Flugtickets ist gestiegen.
Energie-Experte Laurent Horvath erklärt dazu gegenüber Nau.ch: «Es ist offensichtlich, dass Öl und Erdgas zwei entscheidende Hebel in diesem Krieg sind.»
Aber: «Angriffe auf Ölanlagen sind in der Regel tabu. Denn solche Handlungen sind für die Weltwirtschaft eigentlich zu gefährlich.»
Dauerhafter Preis von 90 Dollar pro Barrel Öl schadet der Schweizer Wirtschaft
Dem pflichtet auch Ökonom Hans Gersbach von der ETH Zürich bei. Er zeichnete unlängst zwei Szenarien für die Weltwirtschaft vor.
Bleibe der Ölpreis dauerhaft bei 90 US-Dollar pro Barrel, hätte dies Auswirkungen auf das Schweizer Bruttoinlandprodukt (BIP), so der Ökonom. Dieses würde in den nächsten Jahren um 0,2 bis 0,4 Prozentpunkte niedriger ausfallen, prognostiziert er.
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Das führe in der Schweiz zu einem Einkommensverlust von rund 200 bis 400 Franken pro Person. Konkret heisst das: Diese Summe fehlt den Schweizer Bürgerinnen und Bürgern am Ende des Jahres im Portemonnaie.
Auch die Inflation würde angekurbelt, prognostiziert Gersbach. So könnten die Konsumentenpreise 2026 um rund 0,3 Prozent steigen. 2027 könnten es dann noch einmal 0,2 Prozent mehr sein.
Iran-Krieg könnte für 750-Franken-Loch im Portemonnaie sorgen
Noch bitterer wäre aber ein dauerhafter Ölpreis von 105 US-Dollar pro Barrel. In diesem Falle würde das BIP in den nächsten zwei Jahren um 0,5 bis 0,8 Prozent niedriger ausfallen.
Konkret hiess dies für die Schweizer Bevölkerung, dass ihr Ende Jahr 500 bis 750 Franken im Portemonnaie fehlen würde.
Dazu würde das Wirtschaftswachstum deutlich gebremst und die Inflation fiele noch einmal höher aus.
Kurz: Bei beiden Szenarien würde der Schweizer Bevölkerung Ende Jahr weniger Geld bleiben. Gleichzeitig würden aber die Preise ansteigen.
Hoher Ölpreis zerstört die Weltwirtschaft
Das bekräftigt auch Energie-Experte Laurent Horvath und erklärt: «Öl ist das wichtigste Schmiermittel für den Güter- und Personenverkehr.»
Steigende Transportkosten würden sich auf die Produkte auswirken und letztendlich die Inflation in die Höhe treiben.

Zudem hätten sich die Kerosinpreise für die Luftfahrtbranche fast verdoppelt. Und auch bei Diesel herrsche eine Knappheit, sodass diese Preise schneller steigen würden als die für Benzin.
«Die Geschichte zeigt, dass ein Ölpreis von über 100 Dollar pro Barrel die Weltwirtschaft zerstört», erklärt Horvath. «Man erinnere sich an das Jahr 2008. Preise von 147 US-Dollar pro Barrel Öl hatten die Wirtschaft in die Knie gezwungen, und die Krise brach aus.»
Kommende Tage sind entscheidend
Aber, erklärt Ökonom Hans Gersbach: «Entscheidend ist nun die Entwicklung in den kommenden Tagen. Und die Frage, ob es zu einer nachhaltigen Stabilisierung der Lage im Persischen Golf kommt.»
Denn bei einer Entspannung der Kriegslage und einer Normalisierung durch die Strasse von Hormus könne sich die Wirtschaft beruhigen. Allerdings würde dies einige Zeit in Anspruch nehmen, mahnt Gersbach.
«Im Falle einer weiteren Eskalation hingegen wären spürbare negative Effekte auf die Weltwirtschaft zu erwarten», befürchtet Gersbach.
«Insbesondere über höhere Energiepreise, erhöhte Unsicherheit und zusätzliche Belastungen für Handel und Produktion.»
Darum gelte: «Belastbare Einschätzungen hängen derzeit wesentlich vom weiteren Verlauf der geopolitischen Entwicklungen ab.»
«Gut mit Mineralölprodukten versorgt»
Dass eine Prognose schwierig ist, erklärt gegenüber Nau.ch auch Avenergy Suisse, der Schweizer Wirtschaftsverband der Importeure flüssiger Brenn- und Treibstoffe.
Man beobachte aber bereits seit drei Wochen, dass die Preise an den Zapfsäulen steigen würden.

Der Grund: «Angriffe auf Öl-Förderanlagen oder Öl-Versorgungswege führen unmittelbar zu steigenden Rohölpreisen.»
Im Extremfall könne dies in gewissen Regionen gar zu Versorgungsengpässen führen, so Avenergy. Doch: «In der Schweiz ist dies aber nicht der Fall. Wir sind gut mit Mineralölprodukten versorgt.»
Bund könnte bei Engpass Pflichtlager freigeben
Das bekräftigt auch das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL). Es schreibt auf seiner Website: «Zurzeit hat der Iran-Krieg keine mengenmässigen Auswirkungen auf die Versorgung der Schweiz mit lebenswichtigen Gütern oder Dienstleistungen.»
Sollte es zu einem Engpass bei Mineralölprodukten kommen, könne man beispielsweise ein Pflichtlager freigeben, so dass BWL.
Insgesamt könne dank diesen Lagern 4,5 Monate Bedarf abgedeckt werden, sollte kein Mineralöl mehr lieferbar sein.















