Vor zwei Monaten hat der US-Bundesstaat Texas fast alle Massnahmen im Kampf gegen das Coronavirus aufgehoben. Doch der Entscheid hat Nebenwirkungen.
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Kein Archivbild, sondern brandaktuell: Das Baseball-Team Texas Rangers starten vor vollen Rängen und ohne Masken in die Saison. - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Der US-Bundesstaat Texas hat praktisch keine Corona-Massnahmen mehr.
  • Die Fallzahlen sind seit dem Entscheid zurückgegangen.
  • Doch die Impfbereitschaft im US-Bundesstaat ist tief.

Gross war die Empörung, als der texanische Gouverneur Greg Abbott Anfang März fast alle Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus aufhob.

Der Republikaner erklärte die Pandemie für beendet und hob sogar die Maskenpflicht auf. Auch gibt es im südlichen US-Bundesstaat keine Kapazitätsbeschränkungen mehr.

US-Präsident Joe Biden nannte den Entscheid «Neandertaler-Denken». Auch von Gesundheitsexperten aus dem ganzen Land wurde das Vorgehen heftig kritisiert.

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Greg Abbott, Gouverneur von Texas. (Archivbild) - keystone

Doch die erste Entwicklung schien Gouverneur Abbott recht zu geben. Trotz massiver Lockerung der Massnahmen sank die Zahl der täglichen Neuinfektionen weiter. Auch die Hospitalisationen gingen zurück.

Wie entwickeln sich die Coronavirus Neuinfektionen?

Nun sind nach dem umstrittenen Entscheid zwei Monate vergangen – und die befürchtete Explosion der Fallzahlen ist ausgeblieben.

Mit etwas weniger als 3000 täglichen Neuinfektionen auf 29 Millionen Einwohner sind die Ansteckungsraten tiefer als bei Aufhebung der Massnahmen. Die 14-Tages-Inzidenz in Texas ist ungefähr bei 150. Zum Vergleich: In der Schweiz liegt die 14-Tages-Inzidenz bei 315.

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Die Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Texas stagnieren seit ein paar Wochen. - Screenshot Worldometers

Doch während in den letzten zwei Wochen die Neuansteckungen in weiten Teilen der USA rückläufig waren, stagnieren sie in Texas. Seit gut vier Wochen sind die Neuinfektionen mit dem Coronavirus ungefähr auf dem gleichen Niveau.

Masken werden weiterhin getragen

Auch die Hospitalisationen sind nach einer deutlichen Erholungsphase im März nun nicht mehr gesunken. Ob es nun wieder zu einem Anstieg der Fälle kommt, lässt sich aber nicht sagen. Zwei Faktoren werden hier eine Rolle spielen: Das Verhalten der Bevölkerung und die Impfgeschwindigkeit.

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Die Hospitalisierungen im US-Bundesstaat Texas stagnieren. Der Zeitpunkt, an dem die Maskenpflicht aufgehoben wurde, ist durch die gestrichelte Linie signalisiert. - Screenshot «The Texas Tribune»

Wieso die Ansteckungen mit dem Coronavirus trotz Aufhebung der meisten Massnahmen zurückgingen, erklären sich Experten mit der Eigenverantwortung. «Gesundheitsexperten ermahnen die Bevölkerung weiter zum Maskentragen», schreibt «The Texas Tribune».

Die Masken werden also weiterhin getragen, die Bevölkerung hält sich auch an die Distanzregeln. In einigen Geschäften gibt es sogar Rabatt für Maskenträger.

Texas hat ein Impf-Problem

Welche Auswirkungen der Entscheid von Gouverneur Abbott hat, kann aber noch nicht abschliessend beurteilt werden. Doch es bahnt sich bereits das nächste Problem an: Die Texaner sind Impfmuffel. Und der Gouverneur hat die Pandemie bereits für beendet erklärt – womit der Anreiz für die Spritze fehlt.

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Eine Frau in den USA erhält die Impfung gegen das Coronavirus. - Keystone

Über 25 Prozent der Texaner haben zwar schon beide Dosen erhalten, doch bei den Neuanmeldungen verläuft es harzig. Um die Herdenimmunität zu erreichen, müssten sich mindestens 22 Millionen Texaner impfen lassen, bislang haben sich aber erst 17.7 Millionen registriert.

Die fehlenden Neuanmeldungen führen dazu, dass sich nun schon alle Personen über 16 Jahre für die Impfung anmelden können.

Die ländliche Geografie von Texas spielt bei der langsamen Impfung eine wesentliche Rolle. An vielen Orten sind die Vakzine nicht so einfach verfügbar. Die Regierung muss nun schnell sicherstellen, dass jeder Impfwillige die Dosen auch bekommt.

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