Adria: Renaissance an der Lagune von Grado

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    Italien,

    Im Nordosten Italiens liegt die Lagune von Grado mit weissen Stränden und flachem Wasser. Ein perfektes Familienreiseziel – sie bietet noch viel mehr als Meer.

    Meer Italien Grado
    Mit Badebekleidung in die Stadt? In zahlreichen italienischen Orten ist dies nicht gestattet. Inklusive Gardo. - dpa

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die Laguna di Grado an der Nordküste Italiens erlebt eine Tourismus-Renaissance.
    • Lange als Riviera Österreichs bezeichnet, lockt sie heute Gäste aus ganz Europa an.
    • Vor allem für Familien attraktiv sind die Strände, Velowege und immer mehr Naturparks.

    Auf dem Weg zur Schule lernen wir Vokabeln. «Barene», sagt unser Bootsführer Mirko und zeigt auf die flachen Landsteifen, die aus dem Wasser ragen. «Casoni», sagt er, als wir an schilfbedeckten Fischerhütten vorbeiziehen.

    «Und das da», ruft er über das Tuckern des Motors hinweg und nimmt Kurs auf eine Insel, «heisst im Rest Italiens isola. Aber wir sagen dazu mota.»

    Davon gibt es hier im äussersten Nordosten Italiens, zwischen Triest und Venedig, reichlich. Rund 100 Eilande säumen und durchbrechen das Wasser der Lagune von Grado, ein Mosaik aus Wasserflächen und Sandbänken, Sümpfen und Kanälen, Land und Meer.

    Auf dem Stundenplan: Sonnen und schlemmen

    Irgendwo in der Mitte liegt Anfora, eine ganz besondere «mota», denn hier steht die Schule der Inselwelt, die wir an diesem Tag aufsuchen wollen.

    Schulbänke und Tafeln wurden vor einigen Jahren durch Betten und Bäder ersetzt, die ehemaligen Klassenräume dienen als Gästezimmer und auf unserem Stundenplan steht nur: Sonne geniessen und gut essen.

    Schlemmen ist hier kein Problem, denn neben ein paar Hütten und der Schulherberge gibt es auf der Insel, die man in rund zehn Minuten zu Fuss umrundet hat, die alteingesessene Trattoria «Ai Ciodi»: ein paar Tische unter Bäumen, ein paar dösende Katzen.

    Wein Schwenker Meeresfrüchte Meer Tischdecke Zitrone
    Frisches mediterranes Essen kommt in der Trattoria «Ai Ciodi» auf den Tisch. - Alexandra Frank/dpa-tmn

    Während die Kinder bäuchlings auf dem Hafensteg liegen, um Krebse an den hölzernen Pfeilern und Fische im glasklaren Wasser zu beobachten, unterhalten mein Mann und ich uns mit Cornelia:

    einer rundlichen Frau mit breitem Lächeln, die riesige Teller mit Fisch, gegrilltem Gemüse und frischer Pasta auf die rot-weiss karierten Tischdecken stellt.

    Früher mal österreichische Riviera

    «Unsere Insel hat eine lange Geschichte», sagt sie. Zur römischen Kaiserzeit diente Anfora als Zwischenstopp und Lager der nahen Stadt Aquileia. Das brachte ihr den Namen «Insel der Amphoren» ein.

    Später hielt sich Kaiserin Maria Theresia häufig in der Region auf und liess die Inselschule errichten, um den Kindern der Fischer zu mehr Bildung zu verhelfen. «Die ganze Region hier wurde als österreichische Riviera vermarktet», sagt sie.

    Herberge Haus Gästehaus Anfora Schule
    Auf Anfora dient eine ehemalige Schule heute als Herberge. - Alexandra Frank/dpa-tmn

    Vom trubeligem «Riviera»-Charme merkt man heutzutage auf Anfora nichts. Abends, wenn die letzten Tagesgäste abgelegt haben, hat man die «mota» für sich allein.

    Eine Renaissance bei Feriengäste aus dem Norden?

    Ganz anders geht es in Grado zu, dem lebhaften Zentrum der Lagune, in das wir nach einer Nacht auf Anfora zurückkehren. Auch Grado ist eine Insel, aber durch eine Dammstrasse und eine Brücke mit dem Festland verbunden.

    Zwei frühchristliche Basiliken erheben sich in der Altstadt, Fussbodenmosaike erinnern an die Römer, mittelalterliche Gassen und eine Strandpromenade laden zum Schlendern ein.

    «Der Ort war schon Ende des 19. Jahrhunderts ein beliebtes Reiseziel», sagt Thomas Soyer, Hotelbesitzer und Chef des Tourismusverbands Grado.

    Restaurants GRado Stadtzentrum Italien Fussgängerzone
    Grado ist das lebhafte Zentrum der Lagune. - Alexandra Frank/dpa-tmn

    Während österreichische Urlauber aufgrund der geografischen Nähe stets an die Lagune gekommen sind, erlebt die norditalienische Küstenregion in seinen Augen Gästen aus anderen Regionen Mitteleuropas zurzeit eine Art Renaissance.

    «Aufgrund von Corona, aber manchmal auch aus wachsendem Klimabewusstsein verzichten viele bewusst auf Flugreisen», glaubt er. Stattdessen besinnen sie sich an die Orte, die sie vielleicht noch aus ihrer Kindheit kennen.

    Städte und Natur in Reichweite

    Von Häfen und goldgelben Stränden gerahmt lockt Grado vor allem Familien an. Am Ufer wehen die blaue und die grüne Fahne, die für gute Wasserqualität und kinderfreundliche Strände stehen.

    Stand-up-Paddle Lagune Grado Italien
    Auch Stand-up-Paddling ist bei ruhiger See vor Grado möglich. - Alexandra Frank/dpa-tmn

    «Aber Grado ist mehr als Meer», sagt Soyer. «Die wenigsten Feriengäste wollen heutzutage 14 Tage lang nur am Strand liegen.»

    Die idyllische Stadt Udine und das mondäne Triest an der Grenze zu Slowenien liegen nur einen Katzensprung entfernt.

    Oder man fährt mit dem Rad in die Naturschutzgebiete Valle Cavanata und Foce dell’Isonzo ganz im Osten der Lagune, wo wir den Biologen Matteo de Luca treffen.

    «Früher hat man Naturschutz immer abgekoppelt vom Tourismus betrachtet», sagt er. «Heute ist beides miteinander verzahnt.»

    Fluss Pferde Weide Bäume Camargue
    An der Mündung des Isonzo grasen Camargue-Pferde. - Alexandra Frank/dpa-tmn

    Wie in Grado befindet sich vor dem Nationalparkzentrum in Valle Cavanata ein Stand mit Leihvelos, hölzerne Stege führen zu Aussichtstürmen.

    Fluss-Seeschwalben rascheln im Schilf, Graugänse ziehen durch die Luft und im Wasser suchen Flamingos nach kleinen Fischen.

    Und wer dem Veloweg weiter zur Flussmündung des Isonzo folgt, wird mit dem Anblick weisser Camargue-Pferde belohnt, die auf der Halbinsel Isola della Cona grasen. «Cavallo», raunt de Luca unseren Töchtern zu und zeigt auf die Tiere. Wieder eine neue Vokabel.

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