Weiterbildung: Sprachen lernen im Schlaf?
Für Sprachkompetenz und Weiterbildung ist aktives Lernen erforderlich. Doch funktioniert auch Lernen im Schlaf?

Das Wichtigste in Kürze
- Schlaf festigt am Tag Gelerntes deutlich und verbessert Langzeitgedächtnisprozess.
- Passives «Sprachenlernen» durch nächtliche Beschallung funktioniert nur indirekt.
- Guter Schlaf kann unser Gedächtnis stärken.
Man legt sich ins Bett, hört ein paar Vokabeln und wacht am nächsten Morgen mit neuen Sprachkenntnissen auf. Das klingt zu schön!
Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Forschende beschäftigen sich seit Jahren mit der Frage, welche Rolle Schlaf beim Lernen spielt. Und ob im Schlaf tatsächlich neues Wissen entstehen kann.
Lernen geschieht nicht einfach so. Aufmerksamkeit, Wiederholung und auch ein gewisses Mass an Anstrengung wird dazu benötigt. Wer sich neue Wörter oder Grammatikregeln aneignen will, muss sich bewusst damit beschäftigen.
Schlaf funktioniert anders. Während wir schlafen, verarbeitet das Gehirn vor allem das, was wir tagsüber aufgenommen haben. Man könnte sagen: Es arbeitet im Hintergrund weiter. Es sortiert, verknüpft und stärkt bestimmte Inhalte, während anderes eher verblasst.
Wie Schlaf die Gedächtnisbildung beim Sprachenlernen unterstützt
Schlaf ist sehr wichtig für unser Gedächtnis. Besonders wichtig ist er, wenn wir etwas Neues gelernt haben. Während wir schlafen, verarbeitet das Gehirn die Informationen vom Tag. So werden neue Wörter und Regeln fester im Langzeitgedächtnis gespeichert.
Diesen Vorgang nennt man «Konsolidierung». Gemeint ist damit ein innerer Umbauprozess im Gehirn. Alles, was wir tagsüber lernen, bleibt nicht einfach unverändert abgespeichert. Stattdessen wird es in der Nacht sortiert, gefestigt und teilweise neu verknüpft.

Ein anschauliches Bild ist das eines Schreibtischs nach einem langen Arbeitstag. Zunächst liegt vieles durcheinander. Während wir schlafen, räumt das Gehirn gewissermassen auf: Wichtiges wird abgeheftet, weniger Relevantes verschwindet.
Dieser Prozess läuft nicht in einem einzigen Moment ab, sondern verteilt sich über verschiedene Schlafphasen. Besonders der Tiefschlaf spielt eine wichtige Rolle.
In dieser Phase werden neue Inhalte vom Kurzzeitgedächtnis schrittweise ins Langzeitgedächtnis übertragen. Der Hippocampus spielt dabei eine wichtige Rolle. Das ist ein Bereich im Gehirn, der für das Lernen und Erinnern zuständig ist.

Eine Studie aus 2024, die im Fachjournal «Memory & Cognition» erschienen ist, hat sich mit diesem Thema beschäftigt. Die Forschenden untersuchten, wie sich Schlaf auf das Lernen von neuen Wörtern auswirkt.
Die Getesteten lernten neue Wörter in unterschiedlichen Lernumgebungen. Eine Gruppe lernte in einer Virtual-Reality-Umgebung, die andere mit klassischen Bild-Wort-Karten.
Nach einer Schlafphase zeigte sich, dass die Gruppe mit der Virtual-Reality-Umgebung bessere Ergebnisse bei der Speicherung der Wörter hatte. Das deutet darauf hin, dass Schlaf die Verarbeitung und Integration neuer Wörter im Gedächtnis unterstützten kann. Besonders effektiv scheint dies zu sein, wenn das Lernen in einer realitätsnahen und aktiven Umgebung stattfindet.
Neue Wörter im Schlaf lernen
Kann unser Gehirn im Schlaf neue Wörter lernen? Und wenn ja, wie soll das funktionieren?
Forschende der Universität Bern haben gezeigt, dass das Gehirn im Tiefschlaf neue Vokabeln lernen kann. Das funktioniert aber nur unter ganz bestimmten Bedingungen.
Im Tiefschlaf wechseln sich kurze aktive und inaktive Phasen im Gehirn ab. Diese nennt man «Up-States» und «Down-States».

In den aktiven Momenten arbeiten die Nervenzellen kurz stärker zusammen. Wird genau in so einem aktiven Moment ein Wortpaar abgespielt, kann das Gehirn die Bedeutung speichern. Die schlafende Person merkt davon nichts.
Allerdings ist dieser Effekt sehr begrenzt. Die aufgenommenen Informationen sind sehr einfach. Ausserdem handelt es sich dabei um unbewusste, nicht steuerbare Prozesse.
Wir können also nicht im klassischen Sinn im Schlaf lernen. Eine Weiterbildung ist trotzdem möglich, wenn wir am Abend zuvor Inhalte lernen.
Weiterbildung: Was bedeutet das für das Sprachlernen?
Schlaf wird als unterstützende Phase genutzt, nicht als Hauptlernphase. Am Abend zu lernen, kann dabei helfen, das Gelernte in der Nacht zu festigen.

Neue Wörter und Redewendungen sollten aktiv am Tag gelernt werden. Dabei sollten abendliche Wiederholungen genutzt werden. Ausserdem muss der Schlaf ausreichend lange sein. Ideal sind zwischen acht und zehn Stunden schlaf, je nach Typ.















