Corona hat uns schlagartig in ein Zeitalter des Fernunterrichts katapultiert. Eine gute Möglichkeit, daraus die Vor- und Nachteile zu ziehen.
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Bereits vor Corona gab es zahlreiche Anbieter für Lehrgänge im Fernunterricht. - Pexels
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Das Wichtigste in Kürze

  • Durch die Pandemie wurden Studierende dazu gezwungen, E-Learning-Luft zu schnuppern.
  • Ein grosser Vorteil, den viele dabei für sich entdeckt haben: die höhere Flexibilität.
  • Was viele dabei jedoch vermissen, ist der persönliche Kontakt zu Mitstudierenden.

Brav im Klassenzimmer sitzen und der Lehrperson zuschauen, die vorne etwas an die Wandtafel kritzelt. Früher hätte man sich «Unterricht» gar nicht anders vorstellen können als das bekannte Szenario aus Kindertagen.

Doch spätestens seit der Corona-Pandemie ist Online-Lernen auf dem Vormarsch. Eine Studie von «Times Higher Education» hat in diesem Zusammenhang 200 Leitungen von Universitäten aus 53 Ländern befragt. 189 der 200 Universitäten gaben an, mindestens ein Viertel ihrer Lehrveranstaltungen im «Corona-Semester» online durchgeführt zu haben. Über 50 Prozent der Hochschulen hätten gar alle Kurse digital angeboten.

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Ein gewohntes Bild zu Lockdown-Zeiten: Die Schulbänke blieben leer. - Unsplash

12 Prozent von über 2000 Befragten haben innerhalb des letzten Jahres Geld für Online-Trainings oder -Kurse ausgegeben. Das geht aus einer weiteren Schweizer Studie aus dem Jahr 2022 hervor – und dies bei 80 Prozent, die kein Geld in berufliche Weiterbildungen investiert haben.

Fernunterricht – Spontaneität lässt grüssen

Wer sich für eine Weiterbildung im Online-Format entscheidet, gewinnt dadurch in der Regel vor allem eines: Flexibilität.

Sie sind eher eine Nachteule, geniessen es aber, morgens ausschlafen zu können? Oder können Sie sich in einem Café, auf dem Sofa oder irgendwo in einer Berghütte am besten konzentrieren?

Mit strikten Unterrichtszeiten ist das eher schwierig umzusetzen. Je nach Studiengang kann das Unterrichtsmaterial gänzlich zeitunabhängig konsumiert werden.

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Wo können Sie sich beim Lernen am besten konzentrieren? - Pexels

Selbst wenn die Kurse zu einer bestimmten Zeit stattfinden, lässt sich dennoch die Fahrzeit zur Bildungsinstitution einsparen. Dies schätzen ebenfalls viele Studierende als Vorteil. Eine Studie des Luzerner Bildungs- und Kulturdepartements zeigt zudem, dass sich 36 Prozent der Schülerinnen und Schüler während des coronabedingten Homeschoolings weniger unter Druck fühlten.

Würden Sie einen Online-Kurs besuchen?

Auch elektronische Hilfsmittel werden immer weiter ausgebaut. So können Sie sich zum Beispiel bei Online-Sprachschulen mittlerweile einfach mit Muttersprachlern vernetzen. Auch die Gamifizierung – also das spielerische Lernen – wird vermehrt in Apps und auf Plattformen eingesetzt.

Isolation als Gefahr des Online-Lernens

Selbstverständlich sind dem Online-Lernen auch Grenzen gesetzt. Mehr Selbstdisziplin ist gefragt, um sich tatsächlich ans Pult zu setzen und zu arbeiten. Zudem kann sich nicht jeder in den eigenen vier Wänden gleich gut konzentrieren wie in einem Schul-Set-up.

Des Weiteren wird die soziale Isolation in mehreren Studien von den Befragten als klarer Negativpunkt gewertet.

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Der Unterricht ist nur ein Teil des Hochschullebens, genauso wichtig sind die soziale Komponente und neu entstehende Freundschaften. - Unsplash

Swissuniversities, die Rektorenkonferenz der schweizerischen Hochschulen, findet in einem Beitrag klare Worte: «Im Studium und in der Weiterbildung geht es nicht nur darum, Kenntnisse im engeren Sinn zu vermitteln, sondern auch und insbesondere darum, diverse Fähigkeiten (wie die argumentative Auseinandersetzung, die Analyse komplexer Fragestellungen oder vernetztes Denken) zu üben und sich anzueignen.»

Ausserdem könnten Lehreinheiten wie Labortätigkeiten, medizinische, soziale oder didaktische Aktivitäten nicht online vermittelt werden. Schliesslich hätten die Erfahrungen gezeigt, dass «Fernunterricht und der fehlende Austausch auf dem Campus die psychische Gesundheit der Studierenden beeinträchtigt.»

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Die technischen Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit Online-Lernen optimal funktionieren kann. - Pexels

Letzten Endes ist Bildung eine äusserst individuelle Angelegenheit. Vielleicht funktioniert für dich ein Online-Tanzkurs, um danach mit Salsa und Tango übers Parkett zu fegen. Andere geniessen angeregte Gruppendiskussionen mit «echten» Gesichtern.

Eines ist aber klar: Die Pandemie hat gezeigt, dass Fernunterricht funktionieren kann und – zumindest zu einem gewissen Grad – vielleicht auch gekommen ist, um zu bleiben.

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