Wer in einem MINT-Beruf eine Aus- oder Weiterbildung besucht, macht sich zur beliebten Fachkraft. Aber auch Soft Skills können zum Erfolg verhelfen.
Weiterbildung beliebte Berufe
Die kaufmännische Lehre erfreut sich in der Schweiz besonders grosser Beliebtheit. - Unsplash
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Das Wichtigste in Kürze

  • Mit einer Arbeitslosenquote von 2,3 Prozent stehen uns in der Schweiz viele Türen offen.
  • Es gibt allerdings Branchen, die stärker auf der Suche nach Fachkräften sind als andere.
  • Laufbahncoach Edi Brandenberger erklärt, welche Branchen dringend Nachwuchs suchen.

Den Kochlöffel schwingen, Banknoten zählen oder doch lieber mit dem Lastwagen durch die Gegend fahren? Karriereplanung ist immer etwas Aufregendes – gerade dann, wenn einem scheinbar unendliche viele Türen offen stehen.

In der Schweiz gibt es viele Möglichkeiten, via Quereinstieg auf den Traumberuf umzusteigen. Eine andere Möglichkeit wäre, sich beispielsweise mit einer Weiterbildung dorthin hochzuarbeiten.

Kein Wunder, wenn Sie da schnell den Überblick verlieren. Wir zeigen Ihnen, welche Stellen dieses Jahr besonders gefragt sind und wo Ihre Jobchancen gut stehen.

Weiterbildung: Fachkräftemangel zu Ihrem Vorteil nutzen

In der Schweiz ist ein Fachkräftemangel auf dem Vormarsch. Dies ist besonders in den sogenannten MINT-Branchen der Fall. Dazu gehören Berufe, die sich in Mathematik, Informatik, Natur- und Ingenieurwissenschaft und Technik einteilen lassen. In vielen dieser MINT-Berufe sind Frauen deutlich untervertreten.

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Die Schere zwischen verfügbaren und benötigten Fachkräften geht immer weiter auseinander. - Pexels

«Es ist längst anerkannt, dass der Fachkräftemangel entschärft werden könnte, wenn mehr Frauen diese Berufe ausüben würden.» Das schreibt die Universität Zürich in einem Bericht.

«Mangel wird von Jahr zu Jahr prekärer»

«Es ist eindeutig, dass es gerade in der MINT-Branche an Fachkräften fehlt», sagt Laufbahncoach Edi Brandenberger zu Nau.ch. «Der Mangel wird von Jahr zu Jahr prekärer.»

Problematisch sei, dass sich auch hier der demografische Wandel zeige. Jahrgänge, die nachkommen, seien nicht mehr so geburtenstark. Daher werde der Gap zwischen ausgebildeten MINT-Menschen, die aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden und denen, die nachkommen, immer grösser.

Edi Brandenberger Weiterbildung
Laufbahncoach Edi Brandenberger. - zVg

Ein weiterer Grund für das Ausbleiben von MINT-Nachwuchs: Früher habe man zwar schon Mathematik studieren können, nicht aber Informatik. «Die Menschen, die damals in den Informatik-Bereich kamen, waren vor allem Quereinsteiger.» Und die gebe es heute kaum mehr.

Weiterbildung: Frauenanteil in MINT-Branchen seit Jahren konstant sehr tief

Gemäss Bundesamt für Statistik lag der Frauenanteil in der beruflichen Grundbildung im Ingenieurwesen und der Technik 2019 bei 7,4 Prozent. In der Informatikbranche lag der Anteil bei 7,2 Prozent.

Das bestätigt auch Brandenberger: «Jahrelang waren die MINT-Schulfächer stark auf Buben ausgerichtet. Mittlerweile gibt es zum Glück massive Anstrengungen, diese Themen auch für Mädchen attraktiver zu gestalten. Aber es dauert leider lange, bis wir solche hartnäckigen Rollenbilder aus unseren Köpfen entfernt haben», sagt er.

Weiterbildung im Gesundheitswesen?

Auch im Gesundheits- und Sozialwesen gibt es vermehrt zu wenig Fachkräfte. Dies gilt allerdings eher für die spezialisierten Pflegeberufe, die eine längere Ausbildung erfordern.

Was ist für Sie nun das Positive an dieser Situation? Ein Fachkräftemangel kann zur Folge haben, dass in den Unternehmen ein Lohndruck entsteht. Für Ihre Qualifikationen können Sie folglich ein höheres Gehalt einfordern. Wenn Sie in diesen Bereichen in eine Aus- oder Weiterbildung investieren, können Sie Ihre Jobchancen erheblich verbessern.

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Eine Weiterbildung kann das Emporklingen der Karriereleiter begünstigen. - Pexels

Corona vorbei – jetzt werden wieder Mitarbeitende gesucht

Während der Corona-Pandemie haben vor allem Arbeitnehmende in Hotellerie und Tourismus gelitten und mussten vielleicht sogar entlassen werden. Wie die Konjunkturforschungsstelle gegenüber der Stellenplattform «jobs.ch» erklärt, würde eine grosse Mehrheit der befragten Unternehmen in diesen Branchen 2022 mit einem Beschäftigungszuwachs rechnen.

Arbeiten Sie in einem MINT-Beruf?

Auch im Baugewerbe, im Grosshandel, bei den Dienstleistern und in der verarbeitenden Industrie seien die Beschäftigungsaussichten positiv.

Weiterbildung: Soft Skills mindestens genauso wichtig

Fachkräftemangel ist ja gut und recht. Vielleicht interessieren Sie sich aber schlicht nicht für einen technischen Beruf oder kommen aus einem ganz anderen Bereich. Gerade wenn die Konkurrenz gross ist und sich die schulischen Qualifikationen ähneln, sind sogenannte Soft Skills gefragt. Sie beschreiben persönliche Fähigkeiten, Einstellungen oder Charakterzüge.

Eine wichtige solche Kompetenz ist die Team- und Kontaktfähigkeit. Können Sie sich gut in ein Gefüge einbringen und aktiv auf Mitarbeitende oder Kunden zugehen? Auch kommunikative Kompetenzen fliessen in diesen Bereich. Können Sie gut argumentieren und Ihrem Gegenüber zuhören?

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Das Sprichwort heisst nicht umsonst «Teamwork makes the dream work». - Pexels

Unternehmerisches und funktionsübergreifendes Denken, Belastungsfähigkeit, Konfliktlösungsfähigkeit und Kritikfähigkeit: Diese weiteren Eigenschaften werden bei einer grossen Mehrheit der Berufe vorausgesetzt. Soft Skills sind schwer zu messen, können Sie aber von anderen qualifizierten Personen abheben.

Auch wenn viele dieser Fähigkeiten nach «entweder man hat sie oder nicht» klingen, können Sie sich vieles davon auch aneignen. Stressresistenz oder Mitarbeiterführung wird den meisten nicht von Geburt an in die Wiege gelegt. Das Beste daran ist, dass beim Fördern dieser Soft Skills auch gleich Ihre persönliche Entwicklung davon profitiert. Schliesslich sind Sie viel mehr als «nur» eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter.

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